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Wurden Nina und Tobias Opfer eines Sex-Mörders?

Wer hat Tobias und Nina aus Bodenfelde getötet? Die Leichen der Jugendlichen wurden in der Nähe des Friedhofs gefunden. Ihre Körper waren unvollständig bekleidet. Indiz für einen Sexualmord?

Von Manuela Pfohl

  • Manuela Pfohl

Sie gingen zwar auf die selbe Schule, aber ansonsten kannten sie sich kaum. Nina, die 14-Jährige, und der 13 Jahre alte Tobias aus Bodenfelde in Niedersachsen. Und dennoch: Irgendwann am Totensonntag wurden sie zum Paar. Als Opfer eines brutalen Mörders, der die toten Körper nach der Tat in einem Waldstück in der Nähe eines Friedhofes ablegte. Und nicht nur die Nachbarn und ehemaligen Mitschüler in der 3500 Seelen-Gemeinde fragen sich, warum die beiden Kinder sterben mussten. Eine eigens eingerichtete Mordkommission ermittelt mit Hochdruck. Doch noch scheint völlig unklar, was die Motive für das grausige Verbrechen sind und ob es einen oder mehrere Täter gibt. Mit akribischer Kleinarbeit gilt es für die Ermittler schnellstmöglich herauszufinden, was die Kinder vor dem Mord taten, wo sie waren, wen sie trafen, wer sie sah.

Bei einer Pressekonferenz am Montag versuchten der Leiter der Mordkommission (Moko), Hartmut Reinecke, und Staatsanwalt Hans Hugo Heimgärtner den schwierigen Spagat zwischen Informationen zum Fall und dem Schutz von Ermittlungstaktik. Das Dilemma: Die Hilfe der Bevölkerung wird zwar gebraucht, doch der oder die Täter sollen auch nicht mit Detailwissen gewarnt werden.

Eine Woche lang gesucht - vergeblich

Rückblende: Am Montagmorgen, den 15. November, gerät Nina mit ihren Eltern in Streit. Das Mädchen, das die Integrierte Gesamtschule Bodenfelde besucht, verlässt die elterliche Wohnung, geht zur Schule, kehrt jedoch am Abend nicht wieder heim. Die Eltern machen sich Sorgen, denn ihre Tochter hat kein Geld in der Tasche und trägt nur eine für die niedrigen Temperaturen viel zu dünne weiße Jacke. Sie wenden sich noch am Abend an die Polizei und bitten um Hilfe bei der Suche nach Nina.

Eine Woche lang versuchen Beamte das Mädchen zu finden. Vergeblich. Obwohl die Schülerin mit dem blondgefärbten Haar ein paar Mal von Mitschülern und Bekannten gesehen wird, gelingt es ihr, sich vor der Polizei zu verstecken. "Im Nachhinein muss man sagen, das Mädchen wollte nicht gefunden werden - und es gelang ihr mit den fatalen Folgen, die wir jetzt sehen", sagt der Leiter der Moko bei der Pressekonferenz. Er sagt es ruhig und sachlich. Dass ihn dieses tragische Ende einer vergeblichen Suche emotional berührt, ist ihm trotzdem anzumerken.

Das Ganze scheint mysteriös. Die Frage: Was führte Nina und Tobias zusammen? Wurden sie zufällig Opfer des gleichen Täters, oder hatte eines der beiden Kinder etwas gesehen, was es nicht sehen durfte?

Die Spur verliert sich

Wann trafen Tobias und Nina aufeinander? Der 13-Jährige hatte am Samstagabend gegen 20 Uhr sein Elternhaus verlassen. Er hatte sich seine blau-weißen Rollerblades angezogen, die Wollmütze aufgesetzt und seine blaukarierte Jacke übergeworfen. Er wollte nur fix seinen Freund zum Bahnhof in Bodenfelde bringen und gleich wieder da sein. Doch der schmächtige, nur 1,46 Meter große Junge mit den schulterlangen dunkelblonden Haaren kehrte nicht zurück. Seine Spur verliert sich irgendwo in einem Wäldchen. Besorgt macht sich seine Mutter auf die Suche. Und dann geschieht das Unfassbare, das zur Gewissheit werdende alles Zerstörende: Sie findet ihren toten Sohn.

Wenig später eilen die Ermittler zum Tatort und sind entsetzt. Denn nur ein paar Meter entfernt entdecken sie auch das tote Mädchen.

Dass beide Kinder Opfer eines Kapitalverbrechens geworden sind, ist schnell klar. Ob es ein Sexualdelikt ist, könne allerdings noch nicht mit Bestimmtheit gesagt werden, erklärt Staatsanwalt Hans Hugo Heimgärtner. Ein Indiz dafür gibt es jedoch. "Beide Körper waren nicht vollständig bekleidet", bestätigt der Leiter der Moko, Hartmut Reinecke. Über die Todesursache soll die Obduktion der Leichen Aufschlüsse bringen, die zurzeit in Göttingen vorgenommen wird. Nur soviel gibt die Staatsanwaltschaft preis: Nina und Tobias wurden äußerst brutal getötet.

Wer hat den Kindern das angetan? Stammen der oder die Täter aus dem Ort? Wie kommen die Kinder in den Wald, der etwas abseits liegt? Warum fand man die Rollerblades von Tobias etwa 150 Meter von den Leichen entfernt? Starben die Beiden im Wald oder wurden sie dorthin gebracht?

Kerzen und Gebete am Fundort

Die Fundstelle ist seit Sonntag weiträumig abgesperrt. Leichenspürhunde schnüffeln sich durchs Gelände, Ermittler sind auf Spurensuche. An einem Weg brennen zum Gedenken an die beiden Toten Kerzen. Immer wieder kommen Menschen an die Absperrung, um aus der Ferne die Arbeit der Polizei zu beobachten.

Rund 70 Menschen, darunter auch Klassenkameraden der beiden Getöteten, trafen sich am Sonntagabend in der Ortsmitte und gingen gemeinsam mit Kerzen in den Händen in die Nähe des Fundortes. Vor der Polizeiabsperrung beteten sie gemeinsam ein Vaterunser und stellten ihre Kerzen ab. Wie lange wird es dauern, bis der oder die Mörder von Nina und Tobias gefasst sind?

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