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Ehemann erwürgt Ehefrau - und bekommt nur siebeneinhalb Jahre Haft

Milde Strafe nach Ehedrama: Er bringt seine Frau um, packt sie in einen Koffer und wirft sie in einen Fluss. Der Richter sagt: Zuvor hat der Mann vieles geschluckt.

Ehedrama

Laut Gutachten ein angepasster, kontrollierter, aggressionsgehemmter Mensch: der verurteilte Ehemann

Nach 30 Jahren geben sie sich immer noch verliebt, halten in der Öffentlichkeit Händchen, wirken sehr harmonisch. Hinter der Fassade sieht es schon lange anders aus. Dann kommt dieser Tag im Sommer 2015. "Am Nachmittag des 25. August reichte es dem Angeklagten. Er war das ständige Lamentieren und die Vorwürfe seiner Frau satt", schildert der Vorsitzende Richter des Aachener Landgerichts Arno Bormann am Mittwoch, als er das Urteil gegen den Angeklagten begründet. Der Mann habe seine Frau mundtot gemacht.

"Er würgte sie, bis sie sich nicht mehr rührte", sagt der Richter. Vergleichsweise milde siebeneinhalb Jahre Haft verhängt das Gericht. Die Staatsanwaltschaft hatte zwölf Jahre gefordert.

Er soll nie aggressiv gewesen sein

54 Jahre ist der Mann alt. Im Prozess aber wirkt er sehr viel älter. "Das Schlimmste ist, dass durch meine Schuld meine Frau ums Leben gekommen ist", sagt er in seinem Schlusswort. Er ist ein nach Einschätzung von Gutachtern ein angepasster, kontrollierter, aggressionsgehemmter Mensch. Alte Bekannte wundern sich vor Gericht: Die Tat passe nicht zu dem Mann, den sie kennen. Nie sei er aggressiv gewesen.

Ein alter Freund gibt am letzten Verhandlungstag seine Eindrücke der unseligen Entwicklung in der Ehe wieder: Anfang der 1980er Jahre waren sie in derselben Clique gewesen. "Er hat gerne gelacht und gefeiert, war ein lebenslustiger Mensch", erzählt der Zeuge dem Gericht. Mit den Jahren wird das anders. Diese Frau habe immer im Vordergrund stehen wollen, habe ihn unterdrückt.

Die Ehefrau sei unzufrieden gewesen mit ihrer Arbeit als Hausangestellte, sagt Richter Bormann. Ihrem Mann habe sie mangelndes Verständnis vorgeworfen, obwohl er nach Lösungen gesucht habe.

Ehedrama aus nichtigem Anlass

Freunde ziehen sich zurück, das Paar auch. "Sie hatten Mauern um ihr Innenleben gebaut", so der Richter. Und der Ehemann habe alles immer alles runtergeschluckt.

Bis zum 25. August im vergangenen Jahr. Das Paar ist gerade vom Urlaub an der Nordsee zurückgekommen. Die Koffer sind ausgepackt, sie haben zu Mittag gegessen. Dann gibt es laut Bormann wieder Streit um eine dieser Banalitäten: den nicht rausgebrachten Müll. Die Situation eskaliert. Sie schlägt ihn, er schlägt sie. Bei einer Rangelei fallen sie hin. Er will sie zur Ruhe bringen, setzt sich auf sie. Die Frau ist weiter aggressiv. 

"Da kommt ihm der Gedanke: Es reicht. Er ist es leid, sich das weiter anzuhören", sagt Bormann. Der Mann will, so schildert der Richter, dass sie den Mund hält - und hält ihr den Mund und dann die Kehle zu.

Leiche zu groß für den Koffer

Ganze zwei Minuten. Die Richter gehen davon aus, dass der Mann versucht hat, seine Frau wiederzubeleben. Vergeblich.

"Als er festgestellt hat, was er da angerichtet hat, überlegt er, wie er die Tat vertuschen kann", sagt der Richter. Er verstaut die Ehefrau in einem großen Koffer, der da noch vom Urlaub steht. Die Leiche ist zu groß, der Koffer geht nicht zu. Er klebt ihn mit Mülltüten und Klebeband zu. Als es dunkel wird, ordert er ein Taxi.

Mit der Leiche im Koffer fährt er ins niederländische Maastricht und wuchtet ihn von einer Brücke aus in die Maas. Tage später taucht der Koffer auf. 

tis/DPA
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