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Wie sich Einbrecher Todesanzeigen zunutze machen

Sie schlagen zu, wenn die Hinterbliebenen am Grab trauern: Die Zahl sogenannter "Beerdigungs-Einbrüche" in Deutschland nimmt zu. Auch, weil in Traueranzeigen meist eine Adresse angegeben wird. Die Opfer leiden dann doppelt.

Einbruch während Beerdigung: Warum Täter Todesanzeigen nutzen

Um einen sogenannte "Beerdigungs-Einbruch" zu vermeiden, sollten Hinterbliebene möglichst nicht ihre Traueranschrift veröffentlichen (Symbolbild)

Wenn Nachbarn und Angehörige am Grab des Verstorbenen Abschied nehmen, schlägt ihre Stunde: "Beerdigungs-Einbrecher" studieren Todesanzeigen und schlagen zu, wenn die Beisetzung samt Trauerfeier anberaumt ist. Am Montag standen zwei junge Düsseldorfer (23 und 24 Jahre alt) als solche mutmaßlichen Einbrecher vor dem Düsseldorfer Amtsgericht. Doch die Anklage bricht rasch in sich zusammen: Mit einem Freispruch in der Tasche können sie am Nachmittag nach Hause gehen. 

Damit bleibt diese Tat zunächst ungesühnt: In Ratingen und Haan, beides Städte bei Düsseldorf, war in Häuser eingebrochen worden, als deren bisherige Bewohner gerade beerdigt wurden. Beute im Wert von 2000 und 25.000 Euro und auch ein Auto nehmen die Langfinger mit. Für die 72-jährige Witwe, die am Montag als Zeugin im Gerichtssaal aussagt, war das ein zusätzlicher böser Schlag: "Das war der schlechteste Tag, den sie sich aussuchen konnten." 

Einbrecher stahlen sogar Kondolenzbriefe

Nach der Beerdigung ihres Mannes und vor dem "Leichenschmaus" war sie mit Freunden und Verwandten noch kurz zum Haus zurückgekehrt - und kam nicht hinein, weil die Einbrecher die Haustür von innen mit dem Schlüssel blockiert hatten. Auch der Schlüsseldienst konnte nicht helfen. Durch ein Fenster sah die Witwe dann die Bescherung: "Die Schränke waren auf, alles war durchwühlt worden." 

Die Einbrecher begnügten sich nicht nur mit Schmuck, Uhren und Geld: "Die ganzen Kondolenzbriefe hatten sie mitgenommen, warum auch immer. Ich konnte mich nicht einmal für die Anteilnahme bedanken." Später seien dann drei Uhren aus dem Einbruch wieder aufgetaucht, darunter die goldene Uhr ihres Mannes. Zeugen für den Einbruch gab es keine: "Die waren ja leider alle mit zur Beerdigung." 

Traueranschrift möglichst nicht veröffentlichen

Die Polizei rät bei Trauerfällen zur Vorsicht. Die eigene Traueranschrift solle man möglichst nicht veröffentlichen, sondern Post an die Anschrift des Bestatters schicken lassen. Auch wird empfohlen, in Telefonnummern-Einträgen die Adresse wegzulassen. Zu schnell können die Täter die Adresse andernfalls über das Internet oder Telefonbücher herausbekommen. 

Ein Sohn berichtet von einem ganz ähnlichen Einbruch in das Haus seines Vaters: "Ich hatte ausgerechnet meinen Autoschlüssel an diesem Tag im Haus gelassen, das mache ich sonst nie. Mein Auto war natürlich weg." Auch in seinem Fall gab es keine Zeugen: "Mein Vater war im Ort recht bekannt, die ganze Straße war bei der Beerdigung, die Kirche war voll." 

Zwei Wochen später bekommt er einen Anruf von der Polizei. "Mein Auto war wieder aufgetaucht." Es war bei Münster bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei benutzt worden. Freuen kann sich der 52-Jährige darüber aber trotzdem nicht: "Es hatte einen Totalschaden." 

Beerdigungs-Einbrüche als neue Masche

Der Mann am Steuer des Wagens ist kein Unbekannter. Weil er Schwerkranke und Sterbende in Krankenhäusern ausgeplündert hat, wehrlosen Patienten den Schmuck sogar vom Körper stahl, ist er rechtskräftig zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. 

Nach seiner Festnahme belastet er einen der beiden Angeklagten, die deshalb am Montag in Düsseldorf vor dem Richter stehen. Der junge Mann habe ihm das gestohlene Auto geschenkt und von der Masche mit den Beerdigungs-Einbrüchen erzählt. Für die Ermittler passt das: Die beiden Angeklagten sind für sie keine Unbekannten. 

Doch im Gerichtssaal widerruft der Hauptbelastungszeuge seine Aussage und nimmt in Kauf, das der Staatsanwalt gegen ihn postwendend ein Verfahren wegen falscher Verdächtigung einleitet.

mod/DPA
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