Startseite

44 gefährliche Schwerverbrecher - und eine zierliche Finnin

Europas Polizeibehörden lassen im Internet nach 45 europäischen Schwerverbrechern fahnden - darunter eine Frau. Wie der stern erfuhr, kann die Finnin Marina Cecilia Kettunen mit den Männern aber bei Weitem nicht mithalten.

Unter anderem nach diesen Verbrechern wird gefahndet

Unter anderem nach diesen Verbrechern wird gefahndet. Zwischen 44 Männern sticht das Gesicht der jungen Finnin Marina Cecilia Kettunen heraus.

In gemeinsamer Initiative haben Europas Polizeibehörden die 45 meist gesuchten Verbrecher Europas auf einer Fahndungs-Webseite unter dem Titel "Europe´s Most Wanted" veröffentlicht. Es ist ein Sammelsurium des Grauens aus Mördern, Vergewaltigern, Räubern und Terroristen. Der Bekannteste ist sicher der französische mutmaßliche Terrorist Salah Abdeslam. Er wird im Zusammenhang mit den Attentaten von Paris im November gesucht. Doch nicht nur sein Gesicht sticht heraus. Zwischen 44 zumeist recht finster dreinblickenden Männern findet sich eine zierliche finnische Frau: Marina Cecilia Kettunen. Schwerer Betrug wird der 29-jährigen blonden Frau vorgeworfen.

Und nicht nur optisch wirkt Kettunen in der Liste deplatziert. Nach Recherchen des stern gilt sie weder als gewalttätig noch als gefährlich. Die finnische Polizei fahndet nur seit über zehn Jahren nach der 1,55 Meter großen Frau und will daher nun diesen neuen Weg ausprobieren, wie Kriminalhauptkommissar Hannu Kautto dem stern sagte.

Marina Cecilia Kettunen nutzte Vertrauen aus und lieh sich Geld

Kettunen soll zwischen März 2004 und Juli 2005, also im zarten Alter von 18 respektive 19 Jahren, eine finnische Privatperson um eine "signifikante Summe Geld" betrogen haben. Dabei handelt es sich laut Kautto um einen Betrag unterhalb von einer Million Euro. "Sie hat keine Gewalt angewendet oder ist gefährlich, sie ist nur schon sehr lange auf der Flucht", sagte Kautto. "Wir haben keinerlei Hinweise auf ihren Aufenthaltsort, gehen aber davon aus, dass sie nicht mehr in Finnland ist."

Kettunen habe demnach das Vertrauen der Person ausgenutzt und sich immer wieder Geld geliehen, bis sie schließlich damit getürmt sei. Für eine romantische Beziehung zwischen Täter und Opfer sehen die finnischen Behörden keine Anhaltspunkte. Bereits seit Längerem werde via Interpol nach der jungen Frau gefahndet. Nun haben die finnischen Behörden sie für die von Europol unterstütze Initiative angemeldet.

Die Flüchtige Finnin Marina Cecilia Kettunen

Die Flüchtige Finnin Marina Cecilia Kettunen


Mord, Vergewaltigung und organisierte Kriminalität

Betrug in diesem Ausmaß ist zwar kein Kavaliersdelikt. Mit den Männern auf der Liste kann Kettunen aber nicht mithalten. Nahezu allen werden schwere Gewaltverbrechen vorgeworfen - vielen gleich mehrere. So werden 24 wegen Mordes oder versuchtem Mordes gesucht, elf wegen schweren Raubs und sieben wegen organisierter Kriminalität - darunter ein berüchtigter sizilianischer Mafia-Boss. Bei vier Flüchtigen findet sich Drogenhandel in der Verbrechensliste. Zwei sind mutmaßliche Vergewaltiger - ein weiterer wurde wegen Vergewaltigung verurteilt und entkam aus dem Gefängnis.

Mit Abdeslam und seinem vermuteten Helfer Mohamed Abrini sind auch zwei mutmaßliche Terroristen darunter. Ein 63-Jähriger soll Kinder sexuell ausgebeutet und Kinderpornografie besessen haben. Viele auf der Liste sind geflohen, bevor ihnen der Prozess gemacht werden konnte. Andere sind bereits verurteilt und aus Gefängnissen entkommen - zum Teil sogar mehrfach.

Finnische Polizei hat keine Eile

Obwohl Kettunen bereits seit über zehn Jahren auf der Flucht ist, sieht sich die finnische Polizei nicht in Eile. Auf Nachfrage nach einer möglichen Verjährung des Betruges sagt Kautto: "Das hängt in Finnland von verschiedenen Faktoren ab, aber wir sind noch nicht einmal in der Nähe davon. Wir haben noch jede Menge Zeit."

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools