Startseite

Seltener Saphir nach 20 Jahren wieder aufgetaucht

1996 raubten Unbekannte in Mailand einen Cartier-Armreif mit einem einzigartigen Saphir. Fast 20 Jahre lang blieb der Millionen teure Edelstein verschwunden. Nun aber haben Experten eine heiße Spur.

Der Saphir, der diesen Ring ziert, hat 18 Karat. Der Edelstein, der in Mailand gestohlen wurde, maß 65,16 Karat.

Der Saphir, der diesen Ring ziert, hat 18 Karat. Der Edelstein, der in Mailand gestohlen wurde, maß 65,16 Karat.

Es war ein spektakulärer Raub: Mehr als 50 Menschen waren im Ausstellungsraum, als am 14. November 1996 ein Millionen Dollar schwerer Cartier-Armreif mit einem außergewöhnlichen Saphir aus einem Mailänder Hotel gestohlen wurde. "Das war schrecklich, ein Schock", erinnert sich der Genfer Juwelier Ronny Totah. Seiner Firma Horovitz & Totah gehörte das Schmuckstück mit dem 65,16 Karat-Edelstein, es sollte damals vom Auktionshaus Antiquorum versteigert werden.

Die Versicherung entschädigte Horovitz & Totah für den Verlust, und für die Juweliere war der Fall damit erledigt - bis vor ein paar Wochen. Da wurde Totah vom Auktionshaus Phillips in New York ein auf zwölf Millionen Dollar (elf Millionen Euro) geschätzter Saphir angeboten. Als der Juwelier die Beschreibung und das Foto des funkelnden blauen Steins im Katalog sah, traute er seinen Augen nicht. "Das ist er, das ist er, habe ich zu mir selbst gesagt", erzählt Totah.

Haben die Diebe den Saphir kleiner gefeilt?

"Es gibt keine anderen Steine mit diesem Ursprung, diesem Gewicht und dieser Form", sagt der Fachmann. Deshalb sei es "sehr, sehr, sehr wahrscheinlich", dass es sich um den gestohlenen Saphir handele. Auch die Tatsache, dass der nun zum Verkauf stehende Stein minimal kleiner ist, ändert nichts an Totahs Vermutung. Juwelendiebe feilten oft an den Edelsteinen, um Gewicht und Form zu verändern, sagt er. Vermutlich hätten die Diebe den Saphir so bearbeitet, damit er unter die 60-Karat-Marke falle und damit weniger Aufsehen errege.

Der renommierte US-Experte für Edelsteine Donald Palmieri pflichtet dem Schweizer bei. Auch er hält es für äußerst wahrscheinlich, dass es sich bei dem von Phillips angebotenen Stein um den gestohlenen Saphir handelt. In den 45 Jahren seiner Arbeit habe er, abgesehen von dem gestohlenen und dem nun offerierten, noch nie einen blauen Saphir gesehen, der annähernd an die 60-Karat-Marke heranreichte oder diese gar überschritt, sagt Palmieri.

Saphir wieder beim mysteriösen Eigentümer

Totah äußerte seinen Verdacht gegenüber dem Auktionshaus Phillips und informierte auch die Versicherung, die nun die rechtmäßige Eigentümerin des Steins ist. Als aber die Versicherung sich bei Phillips meldete, hatte das Auktionshaus den Saphir bereits aus dem Angebot genommen und ihn an den angeblichen Eigentümer, dessen Name nicht genannt wird, zurückgegeben.

Die Versicherung setzte daraufhin den New Yorker Anwalt Owen Carragher auf den Saphir an. Der fand heraus, dass eine Firma mit dem Namen Auction House 43 mit Sitz im New Yorker Diamantenviertel Phillips den Saphir angeboten hatte. Die Firma gehört einem Boris Aronov, dem weitere, unter derselben Adresse gemeldete Unternehmen gehören - unter anderem das Pfandhaus Modern Pawn.

Saphir als Pfand für Millionen-Kredit

Aus den Gerichtsakten geht hervor, dass ein Mann namens Rafael Koblence den Saphir und andere Juwelen 2011 bei dem Pfandhaus als Sicherheit für einen Kredit in Höhe von 3,75 Millionen Dollar hinterlegte. Koblence, der laut der Schweizer Zeitung "Le Temps" in Wahrheit ein Geschäftspartner Aronovs ist, konnte den Kredit zu einem jährlichen Zinssatz von 60 Prozent nicht zurückzahlen. Den Gerichtsakten zufolge beschloss Modern Pawn deshalb, die Juwelen bei einer Auktion zu verkaufen.

Das Gericht forderte das Pfandhaus auf, den Saphir für ein Gutachten zu übergeben. Modern Pawn hat nun bis zum 29. Januar Zeit, dieser Anordnung zu widersprechen. Fragen zu dem Fall wollte das Personal des Pfandhauses in der 47. Straße nicht beantworten.

ivi/AFP

Weitere Themen

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools