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Hundertjährigem droht der Rauswurf

Er kann sich sein Zimmer in einem Pflegeheim nicht mehr leisten, darum soll ein Hunderjähriger ausziehen. Während das Sozialgericht seinen Fall prüft, leidet der alte Mann unter der Unsicherheit.

Wenn sie die Kosten für ihre Pflege nicht tragen können, kann Altenheim-Bewohnern die Räumung drohen. So wie momentan einem Hundertjährigen in Jüchen bei Neuss.

Wenn sie die Kosten für ihre Pflege nicht tragen können, kann Altenheim-Bewohnern die Räumung drohen. So wie momentan einem Hundertjährigen in Jüchen bei Neuss.

Schon seit 2012 reichen Emil Voetzschs Rente und die Zahlungen der Pflegeversicherung nicht mehr, um die Kosten für seine Unterbringung in einem Pflegeheim zu decken. Er hat schon eine Räumungsklage erhalten, gegen die er vorgeht. Das Sozialgericht prüft, ob das Sozialamt für seinen Unterhalt aufkommen muss. Dann könnte er bleiben.

Denn Voetzsch ist schon 100 Jahre alt. Ein Alter in dem man eigentlich keinem mehr einen Umzug zumuten möchte. Der Leiter des Heims, in dem Voetzsch lebt, verspricht zwar, niemand werde auf die Straße gesetzt, schreibt die Rheinische Post. Er hoffe jedoch auf die endgültige Entscheidung.

Die liegt beim Sozialgericht in Düsseldorf. Für den Oktober habe das Sozialamt vorläufig die Kosten für Voetzschs Unterbringung übernommen, doch die unsichere Zukunft bleibe, zitiert die Rheinische Post seinen Anwalt.

15.000 Euro kommen schnell zusammen

Auch das Heim bringt die Situation in Bedrängnis, denn innerhalb von sechs bis sieben Monaten würden in solchen Fällen schnell 15.000 Euro an Forderungen auflaufen, wird der Heimleiter John Esser zitiert. Da solche Fälle keine Seltenheit seien, könnte einem Pflegeheim sogar das Geld ausgehen.

Eigentlich übernimmt das Sozialamt die Unterbringungskosten, wenn Pflegebedürftige wie Voetzsch oder ihre Angehörigen nicht für den Unterhalt aufkommen können. Dafür muss jedoch die Bedürftigkeit nachgewiesen werden. Und das kann in manchen Fällen dauern, beispielsweise wenn die Vermögensverhältnisse ungeklärt sind. Voetzsch hatte sein Haus verkauft, bevor er 2007 in das Altenheim zog.

Voetzsch wünscht sich Gewissheit und hofft, in seinem hohen Alter nicht mehr umziehen zu müssen. Wie die "Rheinische Post" berichtet, leide er unter seiner Situation, weil ihm kein Geld für einen Kaffee oder eine Zeitung bleibe. Seine Frau ist vor vier Jahren gestorben. Die einzige, die ihn regelmäßig besucht, sei seine ehemalige Nachbarin, die auch als Generalbevollmächtigte eingesetzt wurde.

haw

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