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Die letzten Stunden des "Cop-Killers"

Eine Woche lang fahndet die Polizei von Los Angeles nach ihrem Ex-Kollegen Christopher Dorner. Die Suche endet mit dem Tod des mutmaßlichen Mörders. stern.de schildert die dramatische Jagd.

Von Thomas Schmoll

  • Thomas Schmoll

Sie glaubten, ihn endlich zu haben und schossen aus allen Rohren. Das Heck des Autos war durchsiebt von Gewehrkugeln. Später wurden mehr als zwei Dutzend Einschusslöcher gezählt. Dann bemerkte endlich jemand den fatalen Irrtum, den Charlie Beck, Chef des Los Angeles Police Department, später als "tragische Fehlinterpretation" bezeichnete und mit "unglaublicher Anspannung" auf Seiten seiner Kollegen rechtfertigte. Das Auto war kein grauer Nissan Titan, sondern ein blauer Toyota. Und Insasse war nicht der als mutmaßlicher "Cop-Killer" seit Tagen gesuchte Christopher Jordan Dorner, sondern zwei Frauen, die gemeinsam die "Los Angeles Times" austrugen. Beide überlebten. Emma Hernandez, 71, wurde zweimal in den Rücken getroffen, ihre Tochter Margie Carranza, 47, kam leicht verletzt davon. "Bevor sie das Feuer eröffneten, gaben die Polizisten keine Befehle, keine Anweisungen und keine Gelegenheit, sich zu ergeben", bestätigte der Anwalt der Opfer der Verwechslung, Glen T. Jonas, auf Anfrage von stern.de einen Bericht der "Los Angeles Times". "Gut, dass sie keinen Granatwerfer haben. Vielleicht nächstes Mal", spottete ein Leser der Zeitung in einem Kommentar.

Sechs Tage später kommt es bei der Jagd nach Dorner abermals zu einer wilden Schießerei. Dieses Mal aber ist die Polizei dem Richtigen auf der Spur - und der feuert zurück. Dorner hat sich in einer Hütte in den Bergen von Big Bear verschanzt, einem Wintersportort zirka zwei Autostunden östlich von Los Angeles entfernt. Der ehemalige US-Soldat wird als extrem gefährlich eingeschätzt und gilt als sehr guter Schütze. "Er weiß genau, was er tut. Wir haben ihn trainiert", hatte L.A.-Polizeichef Beck vor dem Einsatz gewarnt.

Halbstündiges Gefecht - und Amerika ist live dabei

Etwa eine halbe Stunde dauert das Gefecht. Immer wieder sind Salven zu hören. Ein Hilfssheriff wird tödlich getroffen, ein anderer erleidet eine Schussverletzung und muss notoperiert werden. Weitere Eingriffe werden nötig sein, sein Leben zu retten. Schließlich geht das Holzhäuschen, in dem sich der Gesuchte verschanzt hat, in Flammen auf. Feuerwehrleute müssen lange warten, bis sie das Okay der Polizei haben, löschen zu dürfen.

Amerika ist live dabei. Zwischen Heerscharen von Polizisiten, Feuerwehrleuten und anderen Einsatzkräften tummeln sich jede Menge Journalisten, die über den Stand der Dinge berichten. Der CBS-Reporter Carter Evans befindet sich mitten drin im Feuergefecht. Er wird immer wieder von Polizisten aufgefordert zu verschwinden. "Verdammt, geh in Deckung. Runter! Bleib unten!" ("Get the f... down. Down! Keep it down!")

John McMahon, der Sheriff des Bezirks San Bernardino, forderte via Twitter alle Reporter auf, "sofort" keine weiteren Kurznachrichten zu twittern: "Es gefährdet die Sicherheit der Beamten." Immer wieder ist von einem einzelnen Schuss die Rede, der in der Hütte gefallen sei. Dorner, so die Spekulation, erschoss sich vermutlich selbst, nachdem er die Hütte in Brand gesteckt hatte. Bald macht das Gerücht die Runde, in dem Gebäude seien die verkohlten Überreste einer Leiche gefunden worden. Die Ermittler dementieren. Polizeichef Beck besucht derweil den verletzten Hilfssheriff im Krankenhaus. Anschließend sagt er: "Es ist eine bittersüße Nacht. Es hätte viel besser enden können, es hätte schlechter enden können. Mein Mitgefühl gehört der Familie des Hilfssheriffs, der sein Leben verlor."

Nachdem sein ausgebrannter Truck am Rande eines Waldes im Big-Bear-Seegebiet gefunden worden war, konzentrierte sich die Suche nach Dorner auf die Region. Mehr als 120 Einsatzkräfte waren an der Fahndung beteiligt, später stieg die Zahl auf über 200. Ermittler gingen von Haus zu Haus, errichteten Straßensperren und Helikopter überflogen den Wald. Die Zeit drängte, weil ein heftiger Schneesturm angekündigt worden war. Zwischenzeitlich vermuteten die Fahnder Dorner in San Diego, der südkalifornischen Stadt an der Grenze zu Mexiko. Dort waren Portemonnaie und Ausweis des Gejagten gefunden worden.

Dorner lässt Dalmatiner Suni laufen

Der entscheidende Tipp kommt aus der Bevölkerung. Zwei Einwohner von Big Bear konnten Dorner identifizeren. Von da an konzentriert sich die Suche nach dem mutmaßlichen "Cop-Killer" auf das Skigebiet nahe San Bernardino. Am Dienstag erblicken Förstereimitarbeiter ein Fahrzeug mit Dorner hinter dem Steuer. Sie wenden ihr Auto und verfolgen den Verdächtigen. Laut "Los Angeles Times" verlässt der Verdächtige sein Fahrzeug nach einem Unfall, hält den Anwohner Rick Heltebrake an und zwingt ihn, seinen Truck zu verlassen. Heltebrake, ein Ranger in einem nahe gelegenen Pfadfinderlager, bittet Dorner dem Bericht zufolge, seinen Dalmatiner Suni mitnehmen zu dürfen. Dorner erlaubt es ihm und verschwindet. Doch schon bald entdeckt ihn abermals ein Mitarbeiter des staatlichen Förstereibetriebes. Nach offiziellen Angaben informiert der Mann Kollegen. Insgesamt sind drei Pickups hinter Dorner her. Als er sie bemerkt, schießt er auf seine Verfolger. Ein Wildhüter feuert mehrmals aus einer Schrotflinte zurück. Dorner gibt Gas, verunglückt und flieht in die Berghütte, wo er sich verbarrikadiert.

Umstellte Hütte

Inzwischen ist die Polizei am Tatort, umstellt die Hütte. Ein Sondereinsatzkommando aus Los Angeles ist herbeigeeilt, seine Mitglieder sind schwer bewaffnet und haben Spezialgerät zur Erstürmung eines Gebädues dabei. Dorner ignoriert alle Aufrufe sich zu ergeben. Schließlich, so berichten es US-Medien übereinstimmend, wagen die Polizisten den Angriff. Sie schlagen Fenster der Hütte ein und werfen Tränengas hinein. Weiterhin keine Reaktion im Inneren des Gebäudes. Die Beamten nehmen die Hütte auseinander, "so wie man eine Zwiebel pellt", wie es einer von ihnen der "Los Angeles Times" im Nachhinein erläutert. Dann fällt ein einzelner Schuss, der später zu den Spekulationen führt, Dorner habe Selbstmord begangen. Unmittelbar danach kommt es zu einer Explosion. Die Ermittler müssen Stunden warten, ehe sie die Hütte untersuchen können. Sie gehen fest davon aus, dass Dorner nicht entkommen und tot ist. Die Hitze hätte niemand überlebt, heißt es. Stunden nach der Schießerei werden Leichenteile gefunden.

Wirres Manifest

Vier Menschen hat Dorner mutmaßlich das Leben genommen, mehrere teils schwer verletzt. Außer den Hilfssheriff soll er einen Polizisten sowie die Tochter eines pensionierten Ex-Kollegen und deren Freund ermordet haben. Den Vater der erschossenen Frau machte Dorner für seine Entlassung aus dem Polizeidienst mitverantwortlich - der Grund seines Feldzuges gegen seine früheren Kollegen. In einem auf Facebook veröffentlichten, ziemlich wirren Manifest hatte er Rache für die Kündigung vor fünf Jahren geschworen. Er musste den Dienst quittieren, weil er eine Vorgesetzte beschuldigt hatte, bei einer Festnahme einen Verdächtigen getreten zu haben. Die Anschuldigung wurde als falsch zurückgewiesen, Dorner scheiterte mit einer Klage auf Wiedereinstellung.

"Ich weiß, dass ich von der Polizei und den Medien verunglimpft werde", hatte Dorner in seinem Manifest erklärt, in dem er einen "unkonventionellen und asymmetrischen Krieg" gegen die Polizei angekündigt hatte. Er töte nicht aus Spaß, sein Handeln sei ein "notwendiges Übel". "Die Attacken hören auf, wenn die Behörden die Wahrheit über meine Unschuld sagen, ÖFFENTLICH!!!" Vergangen Sonntag kündigte die Polizei an, Dorners Entlassung noch einmal zu untersuchen.

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