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Mein Sohn, der Massenmörder

Er will seinem Sohn, dem 77-fachen Mörder, bald in die Augen sehen. Verzeihen aber kann er ihm nicht. Jens Breivik, Vater von Anders, bricht im stern sein Schweigen.

  Jens Breivik, Vater des norwegischen Massenmörders Anders Breivik, will seinem Sohn in die Augen sehen

Jens Breivik, Vater des norwegischen Massenmörders Anders Breivik, will seinem Sohn in die Augen sehen

Fünf Monate nach den traumatischen Terroranschlägen von Norwegen, bei denen 77 Menschen ums Leben kamen, hat der Vater des Attentäters sein Schweigen gebrochen. Er fühle sich indirekt mitschuldig, sagte Jens Breivik dem stern. "Wahrscheinlich wäre das alles nicht passiert, wenn ich mich mehr um Anders gekümmert hätte."

Der 76-jährige ehemalige Diplomat zeichnet in dem Interview von seinem Sohn das Bild eines apolitischen, nicht sonderlich intellektuellen faulen Jungen. Ihr letzter Kontakt sei ein Telefongespräch vor etwa sechs Jahren gewesen.

Der 32-jährige Anders Behring Breivik, der unlängst aufgrund einer paranoiden Schizophrenie für unzurechnungsfähig erklärt wurde, wuchs nach der Trennung seiner Eltern ohne seinen Vater auf, der im Sorgerechtsstreit mit seiner Ex-Frau unterlegen war. "An einer Vater-Sohn-Beziehung war ihm nie gelegen", sagt Vater Breivik, "wir hatten keinerlei gemeinsame Interessen oder Themen." Dennoch wolle er möglichst bald seinen Sohn im Gefängnis besuchen. "Ich will ihm in die Augen sehen", sagt Breivik im stern. "Vielleicht bin ich ja in der Lage, Gefühle in ihm auszulösen." Aber verzeihen, so Breivik, könne er seinem Sohn nicht: "Er ist der schlimmste Terrorist seit dem Zweiten Weltkrieg. Er hat 77 unschuldige Menschen umgebracht und zeigt nicht mal Reue."

Rentner Breivik, der in den neunziger Jahren selbst zwei Jahre lang im nun zerstörten Regierungsgebäude gearbeitet hatte, erfuhr in seiner südfranzösischen Wahlheimat von den Anschlägen. Nur wenig später wurde sein Haus von Fernsehteams, Paparazzi und Zeitungsreportern belagert. Jens Breivik traute sich wochenlang nicht mehr aus dem Haus. Er und seine vierte Ehefrau seien nach Frankreich gezogen, "um unseren Lebensabend in Ruhe und Frieden zu genießen". Ihm sei sofort klar gewesen, sagt Breivik in dem Interview, "dass ich diesen Frieden nie wieder haben werde". "Diese Tragödie", sagte er dem stern, "wird mich bis ans Ende meines Lebens verfolgen."

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