Mobile Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere
Darstellung auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
HOME

Karneval naht - Köln und seine Angst vor dem rechtsfreien Raum

Nach den schockierenden Vorfällen der Silvesternacht geht es in Köln bei einem Krisentreffen von Stadt und Polizei um Konsequenzen und Vorbeugung. Die Zeit für Maßnahmen wird knapp, der Straßenkarneval naht.

Massive Übergriffe in Köln - Polizei und Stadt in Krisensitzung

Tatort Hauptbahnhof Köln: "Alle Täter müssen konsequent zur Rechenschaft gezogen werden"

Die massiven Übergriffe auf zahlreiche Frauen in der Silvesternacht rund um den Kölner Hauptbahnhof haben bundesweit Entsetzen und Rufe nach Konsequenzen hervorgerufen. In der Domstadt begann am Dienstag ein Krisentreffen mit der Polizei, das Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) angesetzt hatte. In erster Linie seien Kölner Polizei und Bundespolizei in der Pflicht, die Maßnahmen ergreifen müssten, um solche "ungeheuerlichen Vorfälle" künftig zu verhindern, sagte Stadtsprecher Gregor Timmer der dpa. Bis Dienstagmittag stieg die Zahl der Anzeigen laut Polizei auf etwa 90.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sprach auf Twitter von "abscheulichen Übergriffen", alle Täter müssten konsequent zur Rechenschaft gezogen werden. Der CDU-Politiker Jens Spahn forderte via Twitter einen gesellschaftlichen "Aufschrei". 


Frauen umzingelt, bedrängt und ausgeraubt

Laut Polizei hatten sich am Silvesterabend auf dem Bahnhofsvorplatz etwa 1000 Männer versammelt, die "dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum" stammten. Aus der Menge hätten sich Gruppen von Männern gebildet, die Frauen umzingelt, bedrängt und ausgeraubt hätten. Polizeipräsident Wolfgang Albers sprach von Sexualdelikten in sehr massiver Form und einer Vergewaltigung. 

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagte: "Wir nehmen es nicht hin, dass sich nordafrikanische Männergruppen organisieren, um wehrlose Frauen mit dreisten sexuellen Attacken zu erniedrigen." Die Polizei müsse zur Abschreckung Präsenz zeigen.

Reker machte unmittelbar vor dem Krisentreffen deutlich, dass sie vor allem die Polizei gefordert sieht. "Die Oberbürgermeisterin kann und wird nicht akzeptieren, dass sich hier ein rechtsfreier Raum bildet", sagte Sprecher Timmer. Schon Anfang Februar werden zu Weiberfastnacht und Rosenmontag Hunderttausende Besucher in Köln erwartet. Die Stadtspitze werde nicht zulassen, dass Menschen, die in die Domstadt kommen, Opfer von Übergriffen würden. 

Reker und Polizeipräsident Albers wollten sich am Nachmittag zu den Ergebnissen des Treffens äußern. Nach Polizeiangaben sollen alle verfügbaren Einsatzkräfte in der Nacht vor Ort gewesen sein. Das seien in Spitzenzeiten insgesamt rund um den Hauptbahnhof gut 210 Beamte gewesen. 

Es gibt aber weiter Kritik und viele offene Fragen zu dem Einsatz. So verlangt der Chef der NRW-Grünen, Sven Lehmann: "Aufgeklärt werden muss auch, warum die Polizei in Köln erneut von einer aggressiv auftretenden Menschenmenge derart überrascht wurde." Zudem stellte er klar: "Gewalt und Übergriffe müssen tabu sein. Egal, welchen Pass die Täter bei sich tragen." 


Auch die Polizei in Hamburg ermittelt

Auch die Polizei in Hamburg ermittelt wegen Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht, hier ist das Ausmaß allerdings weit geringer als in Köln. Die Opfer sollen jeweils von mehreren Männern mit "südländischem oder arabischem Aussehen" an der Reeperbahn umringt und an der Brust oder im Intimbereich angefasst worden, wie die Polizei am Dienstag erklärte. Die Angaben zu den Gruppengrößen schwankten zwischen 5 oder 6 bis 20. Die Täter hätten den Frauen Handys, Papiere und Geld weggenommen. Es gehe um neun Fälle von sexueller Beleidigung, Raub und räuberischem Diebstahl.

tim/DPA
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools