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Mia Farrow belastet Charles Taylor

Aussage gegen Aussage im Kriegsverbrecherprozess gegen den liberianischen Expräsidenten Charles Taylor. Während Topmodel Naomi Campbell den Absender der Diamanten nicht gekannt haben will, sagte Schauspielerin Mia Farrow, die britische Laufstegschönheit habe sehr wohl gewusst, dass das Geschenk von Taylor stammte.

Aussage gegen Aussage im Kriegsverbrecherprozess gegen den liberianischen Expräsidenten Charles Taylor. Während Topmodel Naomi Campbell den Absender der Diamanten nicht gekannt haben will, sagte Schauspielerin Mia Farrow, die britische Laufstegschönheit habe sehr wohl gewusst, dass das Geschenk von Taylor stammte. Statt mehrerer kleiner habe Campbell einen großen Diamanten erhalten, sagte Farrow am Montag im Zeugenstand - und widersprach damit nicht nur direkt der Aussage Campbells, sondern belastete im Gegensatz zu dieser auch Taylor.

Die Anklage will beweisen, dass Taylor während des Bürgerkrieges in Sierra Leone Rebellen mit Waffen versorgt und dafür Blutdiamanten erhalten hatte. Farrow sagte vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag aus, dass Campbell Gästen am Frühstückstisch erzählt hatte, einen Diamanten von Taylor erhalten zu haben. "Sie sagte, sie sei in der Nacht vom Klopfen an ihrer Zimmertür geweckt worden. Männer hätten ihr im Auftrag von Charles Taylor einen riesigen Diamanten überreicht," erinnerte sich Farrow an die Darstellung Campbells vor knapp 13 Jahren.

Die Schauspielerin sagte, Campbell schien "aufgeregt, fröhlich" über das Geschenk gewesen zu sein und habe den Diamanten der Wohltätigkeitsorganisation Nelson Mandela Children's Fund (NMCF) spenden wollen.

Doch während des langen Kreuzverhörs räumte die 65-Jährige ein, den Diamanten nie selbst gesehen zu haben. Dass Campbell aber nur von einem gesprochen habe, dessen sei sie sicher - schließlich sei das "eine Art unvergesslicher Moment" gewesen. Auch durch die Frage der Richterin Julia Sebutinde, ob Farrow den Film "Blood Diamond" gesehen und sich dessen Handlung mit ihrer Erinnerung vermischt habe, ließ sich Farrow nicht von ihrer Version abbringen.

In dem Film "Blood Diamond", der 2006 in die Kinos kam, mit Leonardo di Caprio in der Hauptrolle ging es um einen großen Diamanten. Vielleicht habe Campbell nicht das Wort "riesig" benutzt, aber sie habe nicht von "einigen" Diamanten gesprochen, und mit Sicherheit nicht von "Steinen", sagte Farrow. "Warum hätte sie der Wohltätigkeitsorganisation von Nelson Mandela Steine geben sollen?," fragte Farrow.

Das 40-jährige Model hatte hingegen am vergangenen Donnerstag in ihrer zweistündigen Befragung erklärt, sie habe nach einer Wohltätigkeitsgala in Südafrika im September 1997, an der auch Taylor teilgenommen habe, mehrere "schmutzig aussehende Steine" geschenkt bekommen.

Taylor bestreitet, je im Besitz von Blutdiamanten gewesen zu sein, noch die Rebellen im Bürgerkrieg in Sierra Leone mit Waffen versorgt zu haben. Er hat sich in allen elf Anklagepunkten - darunter Mord, Vergewaltigung und die Rekrutierung von Kindersoldaten - nicht schuldig erklärt.

Der Bürgerkrieg in Sierra Leone dauerte von 1991 bis 2002 und kostete bis zu 500.000 Menschen das Leben. Der im Januar 2008 angelaufene Prozess gegen Taylor ist ein Präzedenzfall - nie zuvor ist ein Staatsoberhaupt eines afrikanischen Landes vor ein internationales Gericht gestellt worden.

Die Verteidigung stellte inner- und außerhalb des Gerichtssaals Farrows Glaubwürdigkeit infrage. Taylors Anwalt sagte, Farrow sehe sich als "Mutter Teresa" von Afrika und verwies auf ihr Engagement für Opfer des Konflikts in der Krisenregion Darfur. Sie sei im Fall Taylor nicht frei von Vorurteilen, dass sei ja wohl ganz offensichtlich.

Neben Farrow war am Montag auch Campbells ehemalige Agentin Carole White geladen, deren Glaubwürdigkeit von der Verteidigung angesichts ihres Rechtsstreits mit dem Supermodel ebenfalls angezweifelt wurde.

APN/APN

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