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"Die Kirche will das Problem aussitzen"

Die Bischofskonferenz legt heute die Bilanz ihrer Missbrauchs-Hotline vor. Zweifel am Aufklärungswillen der Kirche äußert ein Betroffener im stern. Das Aus der Missbrauchsstudie sei der Beleg.

  Missbrauchsopfer Alois Reichgruber zum Abbruch der Pfeiffer-Studie: "Das stinkt doch!"

Missbrauchsopfer Alois Reichgruber zum Abbruch der Pfeiffer-Studie: "Das stinkt doch!"

Das Scheitern der Studie zum Missbrauchsskandal in der Katholischen Kirche hat bei Betroffenen Empörung ausgelöst. "Die Kirche will sich aus der Affäre ziehen", sagt Alois Reichgruber dem stern. "Das ist wieder die Kirche, die das Problem aussitzen will."

Reichgruber war als 16-Jähriger mehrfach von seinem Dorfpfarrer in Oberbayern missbraucht worden. Er gehört zu den fünf Missbrauchsopfern, die der Papst während seines Deutschlandbesuchs 2011 zu einem persönlichen Gespräch getroffen hatte. Der Papst habe sich dabei offiziell bei den Betroffenen für das Geschehene entschuldigt, sagt Reichgruber. "Wir hatten insgesamt nur eine Viertelstunde, dann drängten ihn seine Bodyguards zum Aufbruch."

"Man will bestimmte Dinge nicht preisgeben"

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass das Forschungsprojekt zur Aufklärung des Missbrauchsskandals gescheitert ist. Die Bischöfe und der von ihnen beauftragte Kriminologe Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen in Hannover hatten sich über Datenschutzfragen zerstritten. "Christian Pfeiffer ist ein hoch motivierter Kriminologe", sagt Alois Reichgruber. "Wenn man ihn durch jemand anderen ersetzt, kann das nur bedeuten, dass man bestimmte Dinge nicht preisgeben will. Das stinkt doch!"

Reichgruber selbst erhielt 5000 Euro Entschädigung von der Katholischen Kirche. Allerdings kritisiert er bis heute die mangelnde Aufarbeitung seines Falls.

Ingrid Eißele/print
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