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"Sicher ist nur, dass sie töten wollten"

Raubüberfall? Familiendrama? Auftragsmord? Politischer Extremismus? Das Motiv des Vierfachmordes in Savoyen liegt im Dunkeln. Fest steht: Ein britischer Ex-Soldat rettete einem Mädchen das Leben.

Von Sophie Albers

  Keine Hinweise auf die Täter gibt es im Fall des Vierfachmordes in Ostfrankreich

Keine Hinweise auf die Täter gibt es im Fall des Vierfachmordes in Ostfrankreich

Raubüberfall? Familiendrama? Auftragsmord? Politischer Extremismus? Auf der Pressekonferenz in Annecy hat der Staatsanwalt klar gemacht, dass nichts ausgeschlossen werden könne im Fall des vierfachen Mordes auf einem Waldparkplatz im Osten Frankreichs, den zwei Mädchen überlebt haben. Mutmaßlich sind die Opfer Angehörige einer britisch-arabischen Familie aus der Nähe von London, die auf einem Campingplatz am bei Touristen beliebten See Annecy Urlaub gemacht haben.

Offenbar direkt nach dem Verbrechen, gegen 16 Uhr am Mittwochnachmittag, hatte ein Fahrradfahrer einen BMW mit laufendem Motor auf dem Parkplatz nah der Ortschaft Chevaline entdeckt. Als er um den Wagen herumging, kollabierte direkt vor seinen Augen ein etwa sieben Jahre altes Mädchen. Der britische Ex-Soldat der Royal Airforce brachte das am Kopf schwer verletzte Kind nach Angaben der Staatsanwaltschaft sofort in die stabile Seitenlage, womit er ihm das Leben rettete. Danach rief der Mann die Polizei. Als er weiter um das Auto herumging, fand er die Leiche eines Fahrradfahrers, der ihn kurz zuvor auf der Straße überholt hatte. Der Ex-Soldat trat an den britischen Wagen heran und schlug die Scheibe der linken Vorderseite ein, um den Motor abzustellen. Dabei entdeckte er die Leiche des Fahrers und die zweier Frauen auf dem Rücksitz.

Acht Stunden unter den Beinen der Toten versteckt

Das schwer verletzte Mädchen wurde mit einem Helikopter ins Klinikum von Grenoble geflogen und notoperiert. Neben den schweren Verletzungen die ihr durch Schläge zugefügt wurden, hat sie eine Schussverletzung an der Schulter. Das Kind liegt derzeit im künstlichen Koma und wird am Freitag nochmals operiert. Sein Zustand habe sich etwas stabilisiert.

Erst acht Stunden nach Entdeckung der Tat fanden die Ermittler im Fußraum der Rücksitze, versteckt zwischen Taschen und den Beinen der toten Frauen ein weiteres, unverletztes Kind: Eine Vierjährige hatte sich versteckt und unbeweglich ausgeharrt. So hatten die Ermittler vor Ort sie nicht entdecken könne, da sie das Auto nicht öffnen durften, bis die Experten der Spurensicherung aus Paris eingetroffen waren. Und die untersuchten den Wagen erst gegen Mitternacht. Die Kleine wird psychologisch betreut, und hat den Polizisten bisher nur von "Lärm und Schreien" berichten können. Beide Mädchen stehen unter Polizeischutz.

Alle Opfer des Vierfachmordes in den französischen Alpen sind erschossen worden. Der Staatsanwalt von Annecy, Eric Maillaud, sagte dem Fernsehsender BFM TV, jeder der vier habe "mindestens einen Schuss in den Kopf" bekommen.

DNA-Tests abwarten

Während bisher nicht sicher ist, ob die Toten im Wagen tatsächlich wie angenommen zur gleichen Familie gehören, sei sicher, dass die zwei überlebenden Mädchen Schwestern sind, so die Staatsanwaltschaft. Britische Medien haben bereits den Namen des Mannes vermeldet, auf den der Wagen zugelassen ist und dessen Daten auch auf dem Campingplatz Le Solitaire du Lac hinterlegt sind. Der Mann sei 50 Jahre alt, in Bagdad, im Irak, geboren und lebe seit Jahren in Großbritannien. Allerdings muss der Staatsanwalt die DNA-Tests abwarten, bevor er die Identität der Toten bestätigen kann.

Die mutmaßliche Familie sei am 3. September auf dem Campingplatz angekommen und habe bis Ende der Woche bleiben wollen, heißt es weiter. Der Wohnwagen erscheine bewohnt, so die Polizei. Andere Camper haben ausgesagt, dass es sich bei der Familie um Vater, Mutter, zwei Töchter und eine Großmutter handle. Bei letzterer wurde ein schwedischer Pass gefunden, dessen Echtheit die schwedische Botschaft bereits bestätigt hat. Im Auto wurde auch ein irakischer Pass gefunden.

Bei dem erschossenen Fahrradfahrer soll es sich laut Medienberichten um einen Franzosen aus der Nachbarregion Savoie handeln. Ein Familienvater in Elternzeit, der "zur falschen Zeit am falschen Ort" war, ließen die Ermittler sich zitieren.

"Wir wissen nur, dass sie töten wollten", antwortete der Staatsanwalt auf Fragen nach Motiven für die Tat. Warum der oder die Täter das vierjährige Kind verschont hätten, sei genauso rätselhaft wie die unglaubliche Rohheit des Verbrechens. Die Ermittler erhoffen sich mehr Informationen von der Siebenjährigen, die verhört werden soll, sobald ihr Zustand es erlaube.

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