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Bosbach lehnt Waffenverbot ab

Kerzen und Blumen: Die Lörracher trauern um die Opfer des Amoklaufs, die Suche nach dem Motiv geht weiter. Waffenverbote werden solche Taten nicht verhindern, glaubt CDU-Innenpolitiker Bosbach.

Nach dem Amoklauf in Lörrach versuchen Polizei und Staatsanwaltschaft weiterhin, sich ein vollständiges Bild vom Ablauf und von den Motiven für die Tragödie mit vier Toten zu machen. Im Laufe des Tages könnte es die ersten erhellenden Erkenntnisse geben. Dann rechnet die Polizei mit den Ergebnissen der Obduktion der Leichname des Mannes und des fünfjährigen Jungen, sagte ein Polizeisprecher. Unterdessen vertritt der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, Wolfgang Bosbach (CDU), die Ansicht, dass ein Schusswaffenverbot Amok-Taten nicht verhindern könnte.

Die 41-jährige Rechtsanwältin Sabine R. hatte am Sonntag ihren Mann erschossen und ist vermutlich auch für den Tod ihres Sohnes verantwortlich. Den bisherigen Ermittlungen zufolge wurde der Fünfjährige erschlagen. Die beiden Leichen wurden in der Wohnung der mutmaßlichen Täterin gefunden. Nach den Morden in dem Wohnhaus stürmte sie in das benachbarte St. Elisabethen-Krankenhaus, tötete dort einen Pfleger und wurde kurz darauf von der Polizei erschossen. Durch den Brand, den sie in ihrer Wohnung gelegt hatte, mussten 15 Bewohner wegen Rauchvergiftungen behandelt werden.

Trauernde an den Tatorten

In der Nacht zum Dienstag versammelten sich zahlreiche Trauernde in Lörrach vor den Tatorten. Sie zündeten Kerzen an und legten Blumen nieder. Zudem trugen sie sich in ein Kondolenzbuch ein. Unter den Trauernden waren viele Jugendliche. Sie hatten sich über das Internet verabredet und die öffentliche Trauer organisiert. Für die kommenden Tage sind zudem Gedenkgottesdienste geplant.

Die Stadt Lörrach hat unterdessen zu Spenden für die Familie des von der Amokläuferin getöteten Pflegers und der durch die Hausexplosion obdachlos gewordenen Menschen auf.

Seit Tagen "psychisch angespannt"

Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei könnte die noch frische Trennung von ihrem Mann und dem fünfjährigen Sohn der Auslöser für die Tat der 41-Jährigen gewesen sein. Sie waren seit Juni getrennt. Die Sportschützin hatte nach Angaben der Oberstaatsanwaltschaft zuletzt "psychisch angespannt" gewirkt. In der Klinik, in der sie einen Pfleger erschoss, hatte sie vor sechs Jahren eine Fehlgeburt.

Sabine R. brachte ihren Mann um, als der 44 Jahre alte Schreiner am Sonntagabend den Sohn bei ihr in einer Wohnung in dem Mehrfamilienhaus in der Lörracher Innenstadt abholen wollte. Sie wohnte dort und hatte dort auch ihre Anwaltskanzlei. Der Junge lebte bei seinem Vater und war über das Wochenende zu Besuch bei seiner Mutter.

Bosbach: Waffenverbot "kontraproduktiv"

In dem Haus fielen nach Augenzeugenberichten Schüsse und dann gab es eine Explosion. Die Frau hatte beim Verlassen der Wohnung Feuer gelegt. Aus dem brennenden Haus rettete die Feuerwehr sechs Erwachsene sowie ein Kind. Warum Sabine R. dann auf dem Weg in die benachbarte St. Elisabethen-Klinik auf Passanten feuerte und in der gynäkologischen Abteilung einen 56 Jahre alten Pfleger tötete, ist weiterhin völlig unklar.

Während in Lörrach die Suche nach den Ursachen für die Tragödie weiter geht, ist die Diskussion um die Schlussfolgerungen aus der Tat längst angelaufen. Da die mutmaßliche Täterin auch Sportschützin war, sind die Schützenvereine und ihre Waffen einmal mehr im Fokus der verbalen Auseinandersetzung. Der Innenausschuss-Vorsitzende Wolfgang Bosbach (CDU) lehnte allerdings ein Verbot von Schusswaffen in Privatwohnungen als "kontraproduktiv" bereits ab - unterstützte von seinem Parteikollegen, dem baden-württembergischen Innenminister Heribert Rech.

Polizisten für Amokläufe nicht gerüstet

Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte Bosbach: "Ein Verbot des privaten Schusswaffenbesitzes würde die innere Sicherheit nicht erhöhen, sondern völlig neue Gefahrenquellen schaffen." Wenn rund zehn Millionen legale Waffen in Deutschland in privaten Waffenarsenalen lagerten, müssten diese mit riesigem Aufwand bewacht werden. "Dazu wären Sportschützen und Jägerschaft personell und finanziell sicher nicht in der Lage." Sofern ein Überfall auf ein solches Lager gelänge, "können sie mit den erbeuteten Waffen eine Privatarmee ausrüsten", warnte der CDU-Innenexperte.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft warnte derweil, die Polizei sei auf Einsätze bei Amokläufen nicht gut vorbereitet. DPolG-Chef Rainer Wendt sagte der Zeitung: "Bei Amokläufen müssen die eintreffenden Streifenpolizisten den Täter schnell stoppen, die Beamten sind darauf aber in der Regel völlig unzureichend vorbereitet." Es bedürfe dringend "spezieller Amoktrainings für Streifenpolizisten, die alle zwei Monate wiederholt werden müssen", forderte Wendt. "Gegenwärtig verlassen wir uns bei Amokläufen zu sehr auf den Faktor Glück." In Lörrach sei das gut gegangen. "Ich möchte aber nicht den Tag erleben, an dem dieses Glücksspiel schief geht", warnte Wendt.

dho/DPA/APD/DPA
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