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Experte fordert neue Gesetze

Was wiegt mehr: Das Recht auf freie Entfaltung oder der Schutz der Anonymität? Mit dem Gerichtsurteil zum Verbot anoymer Samenspenden scheint die Antwort klar. Wissenschaftler sehen das jedoch anders.

  Sie hat die Debatte ins Rollen gebracht: Sarah P., die erfolgreich für das Recht auf Herausgabe des Namens ihres biologischen Vaters geklagt hat

Sie hat die Debatte ins Rollen gebracht: Sarah P., die erfolgreich für das Recht auf Herausgabe des Namens ihres biologischen Vaters geklagt hat

Nach dem Urteil zum Verbot anonymer Samenspenden haben Experten einen Graubereich beklagt und eine neue Gesetzgebung gefordert. Der Philosophie-Professor Michael Quante von der Universität Münster betont, wie wichtig die jetzt vom Oberlandesgericht im westfälischen Hamm etablierte Beweislast ist.

Die Richter in Hamm hatten das im Grundgesetz festgelegte Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit höher als das Recht eines Spenders auf Anonymität gewertet. Eine gesetzliche Regelung für die anonyme Samenspende gibt es bisher nicht.

"Für die Ethiker war schon vor dem Urteil unstrittig, dass das Recht der freien Persönlichkeitsentwicklung über dem Recht der Spender steht, anonym zu bleiben", sagte Quante am Donnerstag der Nachrichtenagentur DPA. "Deshalb muss bei einem neuen Gesetz klar sein, dass nicht die Kinder beweisen müssen, warum sie den Spender kennenlernen wollen, sondern das Gesetz müsste schlüssige Gründe für eine anonyme Spende aufzeigen."

Eine Zwickmühle für die Ethik

Moderne Technik - wie bei der künstlichen Befruchtung - bringe die Ethik immer wieder in die gleiche Zwickmühle, so Quante, Mitglied im Exzellenzcluster Religion und Politik der Wilhelms-Universität Münster. Wer sich den neuen Möglichkeiten verweigere, gelte als technikfeindlich und ihn umwehe ein "Mief des Gestrigen". Ethische, anthropologische und damit sehr tiefsitzende Dinge sind aber nach Quantes Meinung ein schützenswertes Gut und damit höher gestellt.

"Würde ein Gesetz das Informationsrecht der Kinder einschränken und den Schutz der Anonymität der Spender höher hängen, würde ich sehr genau gucken wollen, welche Argumente dafür ins Feld geführt werden. Es mag sinnvolle Einzelfälle geben, aber die möchte ich mir zuerst anschauen", sagte Quante.

steh/DPA/DPA
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