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Stürzte Hoeneß mit der T-Aktie ab?

Der Bayern-Präsident hat sich als Steuersünder und Börsenzocker geoutet. Details dazu sind nicht bekannt. Bis jetzt. Mit der Telekom-Aktie soll er angeblich Millionen verloren haben.

Von Thomas Schmoll

Dass Uli Hoeneß in Sachen Geldgeschäften einen engen Draht zur Schweiz hat, ist hinlänglich bekannt. Schließlich offenbarte er der Nation, bei der Vontobel-Bank in Zürich ein Konto mit unversteuerten Gewinnen aus Börsenspekulationen zu besitzen. Kürzlich besuchte er ein anderes eidgenössisches Geldinstitut. Vergangenen Montag, einen Tag nach der Meisterschaftsfeier seiner Bayern, hatte der Fußball-Manager #link;http://www.suedostschweiz.ch/wirtschaft/was-macht-uli-hoeness-chur; nach Angaben der Zeitung "Die Südostschweiz"# einen einstündigen Termin in der Graubündner Kantonalbank in Chur. Der Finanzkonzern ist an den Privatbanken Bellerive und Private Client Bank in Zürich beteiligt. Letztere ist spezialisiert auf "Vermögensstrukturierung und -verwaltung. Steuerstrategische und juristische Dienstleistungen kommen ergänzend dazu." Übersetzt heißt das: Sie hilft reichen Leuten, den Wert ihres Geldes zu sichern.

Hoeneß hält sich bedeckt

Die Zeitung veröffentlichte ein Foto von Hoeneß und fragte: "Was macht Uli Hoeneß in Chur?" Ihre Nachfrage bei der Kantonalbank blieb "naturgemäß" unbeantwortet, wie es das Blatt in seiner Online-Ausgabe formulierte. Verschwiegenheit gehört nun mal zum Geschäftsmodell der Banken, ganz besonders in der Schweiz. Auch die "Bild am Sonntag" bemühte sich nach eigenen Angaben vergeblich um eine Stellungnahme bei den Anwälten von Hoeneß, was er in Chur wollte. Nichts dazu mitzuteilen, ist sein gutes Recht. Denn Hoeneß drohen im schlimmsten Fall mehrere Jahre Gefängnis wegen Steuerhinterziehung, weil der illegal angelegte Betrag deutlich über einer Million Euro liegen soll und unklar ist, ob ihn seine Selbstanzeige vor Strafe schützt. Auch die ermittelnde Staatsanwaltschaft in München schweigt beharrlich zu ihren Untersuchungen.

Doch trotz der Verschwiegenheit kommen Details ans Tageslicht. Einem #link;http://www.bild.de/geld/wirtschaft/uli-hoeness/hier-kommt-hoeness-mal-wieder-aus-einer-schweizer-bank-30457874.bild.html; Bericht der "Bild am Sonntag" zufolge# soll der Bayern-Präsident wie etliche andere Anleger Opfer des Absturzes der Telekom-Aktie geworden sein, die nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 enorm an Wert verlor. Das Blatt berichtet von angeblichen Verlusten in Millionenhöhe für Hoeneß. Er soll nach 2001 auf einen Kursgewinn der T-Aktie gewettet haben. Sie erreichte im März 2000 mit 103,50 Euro ihr bisheriges Allzeithoch, stürzte danach ab und schaffte es nie wieder auch nur annähernd in solche Höhen. Momentan liegt sie bei rund 9,20 Euro.

"Wir ermitteln ausschließlich wegen Steuerhinterziehung"

Hoeneß hatte sich in einem umfassenden "Zeit"-Interview als spielsüchtiger Börsenspekulant dargestellt: "Das war der Kick, das pure Adrenalin", schilderte er sein damaliges Verhalten. Mit welchen Aktien er sich verzockt hat, ist bisher nicht bekannt gewesen. Nun richtet sich der Blick auf die Telekom, die Sponsor der Bayern und im Aufsichtsrat des Vereins sitzt. Auch ein zweiter Geldgeber des Fußball-Clubs ist im Fall Hoeneß schon genannt worden: Adidas. Im Jahr 2000 soll der damalige Chef des Sportartikelherstellers, Robert Louis-Dreyfus, Hoeneß auf einem Konto der Vontobel-Bank ungefähr zehn Millionen Euro für Spekulationsgeschäfte an der Börse mittels Kredit und Bürgschaft zur Verfügung gestellt haben. Nach ein oder zwei Jahren soll Hoeneß den Betrag zurückgezahlt haben.

Die Münchner Staatsanwaltschaft hat keine Anhaltspunkte für etwaige zwielichtige Geschäfte oder Absprachen in beiden Fällen. Sie betonte, dass keine Hinweise dafür existierten, dass der Bayern-Präsident bei seinen Börsendeals Insider-Informationen genutzt habe, was strafbar wäre. Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich: "Wir ermitteln ausschließlich wegen Steuerhinterziehung."

Der teure Absturz der Volksaktie

Sollte der Bericht über den Verlust mit Spekulationen mit der T-Aktien stimmen, wäre irgendwie auch das Klischee bestätigt, dass Hoeneß ein Mann aus dem Volke sei, "einer von uns", wie es in Bayern gerne heißt. Als das frühere Staatsunternehmen 1996 an die Börse ging, löste das regelrechte Börseneuphorie in der Bevölkerung aus, die rasch nach der Dotcom-Krise in Katzenjammer umschlug. Der Begriff der "Volksaktie" entstand. Zehntausende Klein- und Großanleger verloren viel Geld. Ein mehr als solides Papier, bombensicher "wie eine vererbbare Zusatzrente", tönte der damalige Telekom-Chef Ron Sommer. In einem scheinbar endlosen Rechtsstreit fordern gut 17.000 Kleinanleger von der Telekom zusammen 80 Millonen Euro Schadenersatz. Sie argumentieren, die Aktie auf Grund falscher Informationen gekauft zu haben. Hoeneß zählt nicht zu den Klägern, sitzt aber mit ihnen in einem Boot. Eben ein Mann aus dem Volke.

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