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Die Helferin des Mörders

Die 17-jährige Clara R. hat dem Mörder ihrer Eltern dabei geholfen, die Leichen verschwinden zu lassen. Ihr Verhalten ist das größte Rätsel im Doppelmordprozess von Notzing.

Von Malte Arnsperger

  Das Haus der Ermordeten in Notzing. Im Garten wurden die beiden Leichen entdeckt.

Das Haus der Ermordeten in Notzing. Im Garten wurden die beiden Leichen entdeckt.

  • Malte Arnsperger

Clara R.* kehrt am Nachmittag des 30. März 2012 von der Berufsschule in ihr Elternhaus nach Notzing (Oberbayern) zurück. Es ist Freitag, das Wochenende steht vor der Tür, am Samstag will die 17-Jährige mit einer Freundin in die Disko. Endlich wieder fröhlich sein, feiern. Fast zwei Jahre lang durfte Clara das nicht, ihr Freund Matthias W.* (Namen von der Redaktion geändert) hatte es ihr stets verboten. So wie er ihr auch verboten hatte, kurze Röcke zu tragen oder mit anderen Männer zu sprechen. Doch von Matthias hat sich Clara Mitte März getrennt, ihn seitdem auch nicht wieder gesehen. Nun geht das Mädchen in die Küche, öffnet einen Brief. Plötzlich steht ihr Ex-Freund neben ihr. Matthias W. hat ein Messer in der Hand. Er hat soeben ihre beiden Eltern ermordet.

Was in den folgenden rund 48 Stunden passiert, ist so bizarr, so aberwitzig, dass ein Filmdrehbuch mit diesem Inhalt wohl bei jedem Produzenten im Papierkorb landen würde. Matthias W. steht wegen des Doppelmordes seit Januar vor Gericht. Nun wird der Gutachter aussagen und die Psyche des Täters analysieren. Das größte Rätsel in diesem Fall ist jedoch das Verhalten der Tochter der beiden Opfer.

"Die haben mir meine Frau weggenommen"

Matthias W. führt seine verblüffte Ex-Freundin in ihr Zimmer im ersten Stock. Dort fesselt er sie mit einem Seil und Panzertape ans Bett. Dann sagt er ihr, dass er ihre Eltern Franz und Heidi getötet habe. Aus Rache, weil die ihn nicht mochten und aus seiner Sicht Schuld am Beziehungsende hatten. "Die haben mir meine Frau weggenommen", sagt er. Clara will die toten Eltern sehen. Gemeinsam gehen sie in den Keller, dort hat Matthias W. seine Opfer hingelegt, Clara bricht bei dem Anblick in Tränen aus. Der Ex-Freund fragt sie dann, ob sie ihm helfe, die Leichen zu beseitigen. Wenn nicht, so droht er ihr, kommt noch eine dritte hinzu.

Clara kennt Matthias W. sehr gut, nicht nur seine krankhafte Kontrollsucht. Sie hat seine Aggressivität, seine Gewaltbereitschaft schon am eigenen Leib zu spüren bekommen. Mehrfach hat er sie während ihrer Beziehung geschlagen, eingesperrt, wohl auch mal mit einem Messer bedroht. Clara weiß, dass Matthias seine eigene Familie terrorisiert hat. Er hat seine Schwester grün und blau geprügelt, ist auf seine Mutter losgegangen, hat seinen Vater bedroht. Dieser Mann steht nun mit einem Messer neben Clara, er hat soeben ihre Eltern umgebracht. Dieser Mann droht ihr mit einem dritten Mord. Clara sagt ihm ihre Hilfe bei der Leichenbeseitigung zu. Aus Angst, gibt sie später bei der Polizei an. Der renommierte Psychiater und Kriminologe Helmut Kury kann diese Reaktion verstehen. "Die junge Frau hat mit der Ermordung der Eltern die wohl größtmögliche Katastrophe erlebt. Dazu kommt die unmittelbare Bedrohung. Es spricht einiges dafür, dass sie sich wirklich in höchster Lebensgefahr gefühlt hat und zum Selbstschutz erst mal mitgemacht hat."

Gemeinsam verbuddeln sie die Leichen im Garten

Doch Clara R. macht in der Folge nicht nur mit, sie bringt eigene Ideen ein. So schlägt sie vor, die Eltern zu verbrennen, das sei schließlich schon immer deren Wunsch gewesen. Matthias W., der das Messer in der Folge nicht mehr in der Hand hält, willigt ein. Zusammen schaffen sie den toten Vater in ein Auto. In den folgenden Stunden versuchen sie, den Leichnam zu verbrennen und ihn neben einem Weiher zu vergraben. Doch beides misslingt, sie verbuddeln die beiden Toten schließlich im Garten des Hauses in Notzing.

Ein Zeitungsausträger bemerkt die nächtlichen Grabungen im Garten und spricht die beiden an, ob sie denn schon so früh fleißig seien. Nichts, außer einem kurzen "Ja" kommt als Antwort. Eine Nachbarin bringt später ein Paket für die Eltern vorbei. Clara nimmt das Paket entgegen, während sie einen Wasserschlauch in der Hand hält, mit dem sie gerade Blut und die Schleifspuren des verbrannten Vaters auf der Terrasse beseitigt. Nichtsahnend zieht die Nachbarin wieder ab. Clara und Matthias kaufen dann Putzzeug, um das blutverschmierte Haus zu säubern, holen sich etwas zu essen, rufen noch einen ADAC-Mechaniker. Matthias lässt das Mädchen sogar mal ein paar Stunden alleine. Doch die Tat fliegt erst auf, als ihr Bruder misstrauisch wird und am Sonntagabend beim Elternhaus auftaucht.

Begründungen sind schwer nachvollziehbar

Nach ihrer Festnahme erzählt Clara all das den Ermittlern. Ungläubig fragen die immer wieder nach: "Warum bist du nicht geflüchtet, warum hast du niemandem einen Hinweis gegeben, warum nicht die Polizei gerufen?" Das Mädchen sagt, Matthias W. habe sie zwar nicht mehr direkt bedroht, doch er habe immer einen so bedrohlichen Unterton gehabt. Sie habe Angst gehabt, dass er seine Ankündigungen wahr machen könnte. Außerdem habe ihr Matthias gesagt, sie lande wegen Mittäterschaft auch im Gefängnis, sollte sie ihn verraten. "Diese Begründung ist schwer nachvollziehbar", sagt Kriminologe Kury. "Denn sie hat die Tat nicht begangen und jeder halbwegs intelligente Mensch kann sich ausrechnen, dass so eine Tat ohnehin schnell auffliegen wird."

Kury sucht die Erklärung für das Verhalten von Clara R. in der außergewöhnlichen Situation, in der sich das Mädchen an dem Wochenende befand. Schließlich habe sie sich erst vor wenigen Wochen aus der Umklammerung von Matthias W. gelöst, hatte sich eventuell noch nicht daran gewöhnt, eigene Entscheidungen auch gegen ihn zu treffen. "Sie hat ihn ja mal geliebt. Und möglicherweise hing sie doch noch an ihm, spielten Restgefühle eine Rolle." Aussagen ihres Ex-Freundes bei der Polizei stützen die These Kurys: "Sie meinte, dass sie mich immer noch liebt und nicht will, dass ich ins Gefängnis komme, weil sie sonst die dritte Person verlieren würde."

Clara funktionierte "wie eine Maschine"

Clara R. hat laut ihrem Verteidiger an diesem Wochenende funktioniert "wie eine Maschine" und permanent Angst gehabt. Matthias W. habe wieder seine Dominanz ausgespielt, und sie sei in alte Verhaltensweisen zurückgefallen. "Sie war wie gelähmt. Sie befand sich in einem entschuldigenden Notstand und hat nur deswegen Hilfestellung geleistet", sagt Anwalt Robert Alavi. Ein Gericht nahm ihr diese Notlage aber nicht ganz ab und verurteilte sie wegen versuchter Strafvereitlung zu einer sechsmonatigen Haftstrafe auf Bewährung. Der Verteidiger von Matthias W. sagt dazu: "Ihr Verhalten war irrational. Sie hatte einige Chancen abzuhauen, und deswegen scheint mir das Urteil angemessen."

Aber nicht nur Claras Rolle unmittelbar nach der Tat ist bis heute ein Rätsel. Auch die Art, wie sie das grausame Geschehen dieses Wochenendes in den Vernehmungen schilderte, ist für die Ermittler beispiellos. "Ohne irgendeine Gefühlsregung, ohne ein Entsetzen hat sie alles erzählt", berichtete einer der Kripobeamten nun im Prozess gegen Matthias W. Das Verhalten von Clara R. sei völlig unpassend und ungewöhnlich gewesen, schließlich sei es um die Ermordung der Eltern gegangen. "Sie hat sogar mal gelacht. So was habe ich noch nie erlebt." Ähnliches schilderte ein weiterer Beamter. Als er das Mädchen am Tag nach der Festnahme in die Psychiatrie gefahren habe, sei es ihm vorgekommen wie bei einem Ausflug mit seiner eigenen Tochter. "Sie hat mir von den acht Chinchillas ihres Bruders erzählt und dass der so ein Autonarr sei. Sie hat zu keinem Zeitpunkt den Eindruck von jemandem gemacht, der seine eigenen toten Eltern vergraben hat."

Gerüst, um nicht zusammenzubrechen

Claras Anwalt hält die subjektiven Bewertungen für wenig fundiert. "Das ist noch nicht mal Hobbypsychologie", sagt Alavi. Die junge Frau habe ein erhebliches Trauma erlitten. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, dass so ein Schockzustand wochenlang, ja monatelang anhalten könne und sich betreffende Personen in dieser Situation auch teilnahmslos und unangemessen verhalten können.

Psychiater Kury sagt, möglicherweise blende Clara R. ihre eigene Rolle bei der grausamen Tat immer noch aus, aus Selbstschutz. "Das könnte ihr Gerüst sein, um nicht zusammenzubrechen." Die Chefin des Mädchens berichtete, Clara spreche zwar manchmal über die Tat, aber verdränge es größtenteils. "Sie sagte mir mal, es sei für sie immer noch so, als ob die Eltern im Urlaub sind und bald wiederkommen."

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