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Operation Pink Panther

Eine Bande von Ex-Jugoslawen hat zwischen Hamburg und Tokio über 120 Juweliere überfallen und dabei Schmuck und Uhren im Wert von mehr als 140 Millionen Euro erbeutet. Ihr Vorgehen: abgebrüht und hoch professionell. Nur allmählich kommen die Ermittler den Gangstern auf die Spur.

Von Felix Hutt

  • Felix Hutt

Am Nachmittag des 5. Mai 2009 steht ein Mann vor der Tür des Juweliers "A l'Emeraude" in Lausanne. Er hat kurze schwarze Haare, trägt Hemd, dunkle Krawatte, macht einen seriösen Eindruck. Niemand hat ihn hier schon mal gesehen. Hinter den Schaufenstern des JuJuweliers funkeln Diamanten von H. Stern und und Dior, neben den Hochkarätern liegen Uhren von Jaeger-LeCoultre, Hublot, Panerai und Patek Philippe.

Der vermeintlich seriöse Kunde heißt Nikola Ivanovic, 36, er klingelt um 16.55 Uhr, der Eigentümer lässt ihn herein. Ivanovic spricht gebrochenes Französisch, er sagt freundlich "Bonjour", da klingelt es noch einmal, wieder steht ein Mann mit Krawatte vor der Tür. Ivanovic sagt, er habe sein Portemonnaie im Auto vergessen, und öffnet die Tür. Der zweite Mann tritt ein, er heißt Zoran Kostic, 39, er ist Ivanovics Komplize.

Die zwei Männer ziehen Revolver und scheuchen den Eigentümer und seine Angestellten in ein Nebenzimmer, wo sie sich auf den Boden legen müssen. Die Ganoven sind gut vorbereitet, sie wissen, dass sich die Eingangstür bei Alarm verriegelt, deshalb stellen sie eine Aktentasche in die Tür. Sie wissen, wie viel Zeit sie haben, bis die Polizei kommt, und in welche Richtung sie flüchten müssen, um nicht erwischt zu werden. Sie arbeiten so präzise wie die teuren Uhren, die sie in ihre Taschen gleiten lassen. Ohne Hektik, ohne Geschrei, ohne Verletzte, ohne Tote.

Kinoreife Überfälle

Der Überfall dauert eine Minute und 47 Sekunden, rein und raus und weg, ihre Beute: 94 Uhren im Wert von mehr als zwei Millionen Schweizer Franken, rund 1,3 Millionen Euro. Die Polizei kommt eine Minute zu spät. Wieder einmal waren die Pink Panther schneller als ihre Jäger.

"Jäger", "Pink Panther": Das klingt nach Inspektor Clouseau, nach Peter Sellers, nach einer lustigen rosaroten Cartoon-Figur, nach großem Kino. Doch die Pink Panther, um die es in dieser Geschichte geht, sind Räuber aus Osteuropa, auf ihre Art auch großes Kino, aber eben sehr gefährlich. Die Gang aus dem ehemaligen Jugoslawien hat in den vergangenen zehn Jahren über 120 Juweliere weltweit überfallen und dabei Schmuck und Uhren im Wert von mehr als 140 Millionen Euro erbeutet.

Ihren Namen erhielten die Pink Panther nach einem ihrer ersten Überfälle in der Londoner Bond Street, als sie einen Diamantring, mehr als eine halbe Million Euro wert, in einer Dose mit Gesichtscreme versteckten, wie im "Pink Panther"-Film mit David Niven und Peter Sellers von 1963. Ein Scotland-Yard-Beamter gab ihnen daraufhin den Namen.

Die Anführer des Clans

Einen Tag nach dem Überfall von Lausanne bekommt Joachim Kledtke, 49, einen Anruf von der Polizei aus der Schweiz. Kledtke ist Kriminalhauptkommissar beim Landeskriminalamt Nordrhein- Westfalen in Düsseldorf, Dezernat 11, organisierte Kriminalität. Seit drei Jahren ermittelt seine Abteilung gegen die Pink Panther. Die zwei Täter, die gestern den Juwelier "A l'Emeraude" überfallen haben, seien unmaskiert gewesen, berichtet der Kollege aus der Schweiz, alle Indizien sprächen für einen Pink-Panther-Überfall. Ob Kledtke sich die Bilder der Überwachungskamera ansehen und bei der Identifizierung helfen könne?

Kledtke kann, er erkennt Kostic und Ivanovic sofort, die zwei werden auch in Deutschland gesucht. Gegen Kostic liegt ein Haftbefehl der Staatsanwaltschaft Frankfurt vor, Aktenzeichen 3390JF210391/04, er hat am 29. Dezember 2003 mit zwei Komplizen Juwelier Wempe in der Frankfurter Goethestraße überfallen und Uhren im Wert von etwa zwei Millionen Euro gestohlen. Für Ivanovic, der in Deutschland unter dem Namen Nennad Jovovic gelebt hat, interessiert sich die Staatsanwaltschaft Köln. Sie hat am 6. März 2009 unter dem Aktenzeichen 107JS55/08 einen Haftbefehl gegen ihn erlassen, weil er die Juweliere Laerbusch in Mülheim und Gadebusch in Köln überfallen hat. Kostic und Ivanovic: Sie gelten als Bosse im Pink-Panther-Netzwerk.

Ein Netzwerk, das für Fahnder wie Kledtke schwer zu durchschauen ist. Die Pink Panther operieren nicht aus einer geschlossenen Gruppe heraus, sondern sind weltweit in Zellen organisiert, die sich nach einem nicht erkennbaren System immer wieder neu zusammenfinden, um ihre Überfälle auszuführen. Interpol schätzt die Bande auf circa 200 Mitglieder. Es gibt keine Hierarchie wie in der Mafia, sondern nur ein paar Anführer, die für ihre Überfälle Handlanger engagieren, um zum Beispiel Fluchtwagen zu stehlen oder Unterkünfte zu organisieren. Fest steht, dass Bosse wie Kostic und Ivanovic durch die Pink Panther reich wurden, die Handlanger dagegen bekommen für ihre Dienste niedrige vierstellige Summen.

Perfekt durchdacht

Die Ermittler durchschauen nicht, welche Untergruppen der Pink Panther miteinander in Kontakt stehen - nur dass sie es tun, dafür sprechen die immer wieder neu zusammengestellten Teams. Zwar kennt die Polizei die Köpfe der Bande, aber sie kann kein Organigramm zeichnen, die Mitgliederstruktur ist zu unübersichtlich. Klar ist, dass die meisten aus Serbien oder Montenegro kommen und ihre Heimatländer nach den Überfällen häufig als Rückzugsort wählen, weil sie sich dort vor Strafverfolgung sicher fühlen.

Von einigen der inzwischen verhafteten Mitglieder wissen die Ermittler, dass viele Pink Panther eine militärische Ausbildung haben, mit Waffen umgehen können, kampferprobt sind. Die meisten leben seit Langem im Ausland, sind vielsprachig und gelten als intelligent. "Ihre Überfälle sind sehr durchdacht ausgeführt", sagt Kledtke, "die Logistik, Vorbereitung, Durchführung und Flucht ist bis auf die Sekunde geplant." Und die Pink Panther legen großen Wert darauf, dass ihre Überfälle cool aussehen, großes Kino eben.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Überfall auf den Juwelier Graff in Dubai, einer der spektakulärsten Coups der Pink Panther. Zwei Handyvideos, aufgenommen von Passanten, sind auf der Internetplattform Youtube längst ein Hit: Am 15. April 2007 fahren um 21.23 Uhr zwei zuvor in Dubai und Abu Dhabi gestohlene Audi A8 durch die verglaste Tür der Einkaufspassage Wafi City in Dubai. Während der weiße Audi mit laufendem Motor im Innenbereich der Passage direkt vor dem Laden parkt, steuern die Pink Panther den schwarzen Audi rückwärts in Tür und Schaufenster des Juweliers. Das Glas zerbirst, drei Gangster stürmen aus dem schwarzen Audi ins Geschäft, zerschlagen mit Hämmern und Waffen die Vitrinen. Sie raffen Armbänder, Ringe und Halsketten, an denen Diamanten, Saphire und Rubine glitzern, in ihre Taschen, der Gesamtwert ihrer Beute beträgt mehr als elf Millionen Euro. Nach nicht einmal zwei Minuten ertönt die Hupe des weißen Audi, woraufhin die drei Gangster fluchtartig das Geschäft verlassen. Sie steigen ein, die Wagen rasen davon.

"Ein Kriminalphänomen"

Eine Minute später erscheint die erste Polizeistreife am Tatort. Die Fluchtwagen werden noch in derselben Nacht gefunden. Die Pink Panther haben sie in Brand gesetzt.

Zur Verschleierung ihrer Identität benutzen die Pink Panther bei der Ausreise aus Dubai Pässe von gefallenen jugoslawischen Soldaten. Doch über gesicherte Spuren und einen DNA-Abgleich mit Interpol in Lyon gelingt es, mehr als zehn Tatbeteiligte zu identifizieren. Einige von ihnen, unter ihnen die Drahtzieher Milan Ljepoja und Dusko Poznan, konnten mittlerweile verhaftet werden.

"Die Pink Panther sind keine gewöhnlichen Verbrecher", sagt Joachim Kledtke, "sie sind ein Kriminalphänomen." Sie hätten eine Arbeitsweise entwickelt, die sie dem jeweiligen Objekt anpassen können, was sie unberechenbar mache. Als Kledtke diesen "Modus Operandi", wie er die Methoden der Bande nennt, näher erläutert, hört er sich ein bisschen an wie ein Fußballtrainer, der von der Taktik des Gegners schwärmt, weil er weiß, dass er ihr unterlegen ist.

Kreative Fluchtvarianten

Bereits Wochen vor einem Überfall lassen die Pink Panther den Juwelier ausspionieren oder kommen selbst als Kunden ins Geschäft. Sie lassen sich Schmuck und Uhren zeigen, wissen so ganz genau, ob sich ein Überfall lohnt, welcher Bestand sich im Geschäft befindet, wo welche Steine oder Uhren liegen. Zudem erkennen sie, welche Alarmvorkehrungen der Juwelier getroffen hat, ob man zum Beispiel klingeln muss, um in den Laden zu kommen, ob die besonders teuren Steine separat in Tresoren gelagert werden, ob der Juwelier Sicherheitspersonal in Zivil vor dem Laden postiert hat, wo die Überwachungskameras hängen, wann wie viel Personal im Geschäft ist und wann wenig Kundschaft. Die Pink Panther kalkulieren immer mit ein, dass Alarm ausgelöst wird, wissen, wie viel Zeit sie haben werden, bis die Polizei kommt, welche Streifen wann Patrouille fahren und wann die Polizisten Schichtwechsel haben.

Sie haben mehrere Fluchtvarianten, meist flüchten sie die ersten Meter zu Fuß, rennen bevorzugt in Gegenrichtung durch Einbahnstraßen, weil ihnen so keine Autos folgen können, steigen dann in einen gestohlenen Wagen, den ein Komplize steuert und den sie nach wenigen Kilometern irgendwo abstellen, um in einen anderen Fluchtwagen zu wechseln.

Auch ihre Fluchtroute passen sie den Gegebenheiten an. Bei einem Überfall auf "Uhren Becker" in einem Hamburger Einkaufszentrum im Juni 2007 flüchteten die Pink Panther der Uzice-Gruppe, benannt nach ihrem serbischen Heimatort, auf Motorrollern durch ein Waldgebiet, weil die Polizeihubschrauber sie so nicht verfolgen konnten. "Sie sind bei der Planung ihrer Überfalle sehr kreativ", sagt Kledtke, "und sie machen sehr wenig Fehler."

Wie vom Erdboden verschluckt

Die Pink Panther benutzen falsche Pässe, schlafen selten in Hotels, meist bei Bekannten, kommunizieren über Internetchats, die schwer zu überwachen sind. Sie haben kaum Kontakt mehr zu ihren Familien im ehemaligen Jugoslawien. Sie wechseln ständig ihre Aufenthaltsorte. "Man kommt, wenn überhaupt, nur über die Beobachtung der sogenannten Residenten - ihren Verbündeten in der Stadt des nächsten Überfalls - an sie ran", erklärt Kledtke. "Am schlimmsten für uns ist, dass wir nicht wissen, wer die Hintermänner sind. Der übliche Ermittlungsansatz, über die Beute die Täter zu finden, funktioniert nicht, weil wir nicht wissen, was sie oder ihre Hintermänner mit den Uhren und dem Schmuck machen. Von der Beute taucht meist nichts wieder auf. Und wenn wir mal einen Pink Panther erwischen, dann schweigt er in der Regel, leugnet, dass es sie überhaupt gibt, und hat, wenn's hochkommt, gerade mal eine erbeutete Uhr bei sich."

Ein Umstand, der auch John Shaw zu schaffen macht. Seine Firma S.W. Associates hat in Paris ihr Büro, John Shaw ist "Loss Adjuster", Schadensabwickler, man könnte auch sagen: Privatdetektiv. Zu den Kunden des Schotten gehören einige der großen Juweliere der Pariser Place Vendôme, der Londoner Bond Street, aus New York, Zürich und Deutschland.

Wenn einer seiner Kunden Opfer eines Überfalls wird, dann macht sich Shaw auf die Spur der gestohlenen Uhren oder Diamanten und kassiert im Erfolgsfall Provisionen von den Versicherungen. Zusätzlich berät er die Juweliere in Sicherheitsfragen. "Wir raten den Juwelieren, nach Möglichkeit private Kundentermine zu machen. Bei vielen haben wir einen Korridor einbauen lassen. So muss der Kunde erst klingeln, gelangt dann in einen Vorraum, wird dort überprüft und erst danach in den Verkaufsraum gelassen."

Juwelenraub auf neuem Niveau

All das schrecke die Pink Panther leider nicht ab, sagt Shaw, sie spähten die Juweliere aus und seien auf die Sicherheitsvorkehrungen vorbereitet. Als er vor 20 Jahren als Loss Adjuster begann, habe ein gutes Schloss und Panzerglas gereicht. Die Pink Panther jedoch hätten das Genre des Juwelenraubs auf ein neues Niveau gebracht. Dann zählt Shaw einige Pink-Panther-Coups der vergangenen Jahre auf, als wären es die größten Hits.

Am 5. März 2004 überfielen zwei Pink Panther den Juwelier "Le Supre-Diamant Couture de Maki" im schicken Tokioter Ginza-Viertel. Sie hatten sich mit Smogmasken getarnt, sprühten den Angestellten Tränengas in die Augen und stahlen die berühmte Halskette "Comtesse de Vendôme", die mit 116 hochkarätigen Diamanten besetzt ist und auf 27 Millionen Dollar geschätzt wird. Sie ist "ein Rembrandt der Juwelenwelt", sagt Shaw, und wurde bis heute nicht wiedergefunden. Er vermutet, dass die Pink Panther, wenn sie hochwertige Edelsteine stehlen, Cutter engagieren, die die Diamanten sofort schneiden. So seien sie nicht mehr wiederzuerkennen.

Shaw erzählt von Biarritz, wo die Pink Panther, um lästige Zuschauer zu vermeiden, vor ihrem Überfall eine Parkbank gegenüber dem Juwelier anmalten und ein Schild aufhängten: "Frisch gestrichen!" Am 30. August 2005 überfielen sie einen von Shaws Kunden, den Juwelier Julian in Saint-Tropez. Zwei Ganoven kamen mit Hawaiihemden als Touristen getarnt ins Geschäft, zogen Pistolen aus ihren Badehosen und entwischten mit der Beute in einem Motorboot über das Mittelmeer.

Heikler Monaco-Coup

Einer der Badehosen-Gangster war Zoran Kostic, der mit seinem Kompagnon Nikola Ivanovic am 21. Juni 2007 vor dem Juwelier "Ciribelli", unweit des Kasinos in Monaco, auftauchte. Monaco ist für Verbrecher besonders heikel, mehr als 400 Kameras und viele Polizisten sorgen hier für die Sicherheit der Reichen und Schönen. Die zwei Pink Panther betraten, als Geschäftsmänner verkleidet, den Laden und raubten Uhren von Audemars Piguet im Wert von mehr als einer halben Million Euro. Danach entkamen sie in einem gelben Fiat, obwohl die Polizei sofort Straßensperren errichtet hatte.

André Muhlberger, Polizeidirektor von Monaco, kann dies bis heute nicht fassen: "Die haben ihre Fluchtroute inklusive der Ampelphasen perfekt geplant, die waren in weniger als anderthalb Minuten raus aus Monaco, unglaublich, ein Meisterstück!"

Auch John Shaw nennt die Pink Panther ein "Phänomen", selbst wenn die Medien ihnen ab und zu einen falschen Coup andichten. Am 4. Dezember 2008 überfiel eine Bande den Juwelier Harry Winston in Paris, auch Winston ist ein Shaw-Kunde. Der Schaden betrug mehr als 60 Millionen Euro. Von der "International Herald Tribune" bis zur "Welt" hieß es: Pink Panther. Ein Irrtum. Die Experten sind sich längst einig, dass hier ein Mitarbeiter von Harry Winston beteiligt war, der die Räuber hineinließ, obwohl sie mit Frauenperücken wie Dragqueens verkleidet waren. "So stümperhaft arbeiten die Pink Panther nicht", sagt Shaw. In der vergangenen Woche wurden schließlich mehr als 32 Franzosen festgenommen, die als dringend tatverdächtig gelten - aber keine Pink Panther sind.

Die Jäger schlagen zu

Dennoch wurden auch schon Mitglieder der Pink Panther festgenommen. Vinko Tomic zum Beispiel. Tomic, 51, soll Juweliere in Basel und Bangkok ausgeraubt haben. Am 12. Juni 2009 fuhr er mit zwei kroatischen Helfern in einem schwarzen Audi Q7 mit deutschem Kennzeichen nach Monaco, um sich bei Juwelieren nach den neuesten Uhren zu erkundigen. Einem Juwelier kam ihr großes Interesse an Luxusuhren und ihr Akzent verdächtig vor, er meldete die drei der Polizei. Polizeichef André Muhlberger ordnete eine 24-Stunden-Überwachung an, identifizierte Tomic anhand von Fotos, die die Kameras in Monaco gemacht hatten, und wartete. Und tatsächlich: Die drei liefen immer wieder um den Kasinoplatz und das Hôtel de Paris, wo die Juweliere ihre gut bestückten Auslagen präsentieren, sie notierten Fluchtrouten, stoppten die Zeit, die sie brauchen würden, um zu Fuß zu entkommen.

Am Donnerstag, dem 18. Juni 2009, schlug Muhlbergers Spezialeinheit um 11.45 Uhr vor dem Kasino zu. Tomic und Komplizen wollten gerade die Juweliere Boucheron und Chopard überfallen. "Die Pink Panther sind immer noch gut, aber wir Jäger werden immer besser", sagt Muhlberger, "in letzter Zeit haben wir einige Schlüsselfiguren zu fassen bekommen."

Dazu gehören auch Zoran Kostic und Nikola Ivanovic. Die zwei Pink-Panther-Bosse sitzen nun im Gefängnis. Für sie war der Überfall auf den Juwelier in Lausanne erst mal der letzte Coup. Die Schweizer Ermittler waren ihnen auf der Spur, hatten eine Telefonüberwachung geschaltet, ahnten die Fluchtroute nach Frankreich und alarmierten ihre französischen Kollegen, die die beiden dann in Paris überwachten. Am 11. Mai, einem Montag, verhaftete eine Eliteeinheit der Pariser Polizei Zoran Kostic und Nikola Ivanovic um 7.55 Uhr vor dem Hotel Utrillo, nicht weit von der Place Pigalle. Auf ihren Zimmern fand man zwei Patek-Philippe-Uhren aus dem Überfall von Lausanne und Flugtickets nach Serbien.

Wie zwei Lausbuben

Am Freitag, dem 5. Juni 2009, wurden Kostic und Ivanovic im Palais de Justice in Paris dem Richter vorgeführt. Er verurteilte sie vorerst nur wegen Besitzes falscher Dokumente zu zehn Monaten (Kostic) und zwei Jahren (Ivanovic) Haft. Doch dabei wird es nicht bleiben. In der Schweiz, in Monaco, in Frankreich und auch in Deutschland werden die Anklageschriften für ihre Überfälle vorbereitet. Die Staatsanwaltschaften Köln und Frankfurt haben bei den Pariser Behörden Auslieferungsanträge eingereicht. Auf Kostic und Ivanovic warten wohl einige Jahre Gefängnis, wo auch immer.

Joachim Kledtke möchte nach Paris fliegen und Nikola Ivanovic verhören, er erhofft sich mehr Informationen über die Hintermänner. Die Anwälte der beiden Pink Panther berichten, dass Kostic und Ivanovic sehr zuvorkommende Männer seien, die sich ständig nach ihren Familien erkundigten. Pink Panther, nein, mit dem Begriff könnten sie nichts anfangen.

Als die beiden vom Richter vor der Urteilsverkündung gefragt werden, ob sie noch ein Statement abgeben möchten, sagt Kostic nur: "Ich bereue es." Und auch Ivanovic sagt: "Ich bereue es." Dabei schauen sie wie zwei Lausbuben, die man beim Kirschenklau in Nachbars Garten erwischt hat.

Das Spiel ist aus, aber das Kino geht weiter.

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