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Ex-Terroristen schweigen zum Buback-Attentat

"Im Namen der Gesellschaft und im Namen der Opfer" appellierte das Stuttgarter Gericht an die Ex-Terroristen - vergeblich: Die ehemaligen RAF-Mitglieder Sonnenberg, Wisniewski und Heisler, die mit dem Attentat auf Siegfried Buback vor 34 Jahren in Verbindung gebracht werden, schwiegen eisern.

  In einem Wagen, durch Hände und Kapuze geschützt, verlässt der ehemalige RAF-Terrorist Günter Sonnenberg in Stuttgart das Oberlandesgericht

In einem Wagen, durch Hände und Kapuze geschützt, verlässt der ehemalige RAF-Terrorist Günter Sonnenberg in Stuttgart das Oberlandesgericht

Die ehemaligen RAF-Terroristen Günter Sonnenberg, Stefan Wisniewski und Rolf Heisler haben sich vor dem Oberlandesgericht Stuttgart nicht zum Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback vor mehr als 30 Jahren geäußert. Trotz eines emotionalen Appells, zur Aufklärung des Attentats beizutragen, beriefen sie sich am Donnerstag auf das Auskunftsverweigerungsrecht. Danach muss niemand Angaben machen, mit denen er sich selbst belasten könnte.

Sonnenberg und Wisniewski gelten als mögliche Mittäter des Mordanschlags. In Stuttgart steht zudem die frühere RAF-Terroristin Verena Becker vor Gericht, die an der Planung und Organisation des Attentats beteiligt gewesen sein soll. Erstmals kam es im Verfahren zu einer Solidaritätsbekundung: Sympathisanten entrollten im Gerichtssaal ein Transparent.

Appell an Moral und Gewissen

Der Vorsitzende Richter Hermann Wieland appellierte "im Namen der Gesellschaft und im Namen der Opfer" an die Ex-Terroristen, eine Aussage zu machen. "Es gibt über dem Recht der Strafprozessordnung auch andere Werte, nämlich eine Moral oder ein Gewissen." Auch der Vertreter der Anklage, Bundesanwalt Walter Hemberger, forderte die ehemaligen Terroristen auf, ihr Schweigen zu brechen: "Keine drei Meter von Ihnen entfernt sitzt Michael Buback, der einen Anspruch darauf hat, zu erfahren, wer seinen Vater erschossen hat."

Die Ex-Terroristen blieben jedoch bei ihrer schon vorher angekündigten Entscheidung, komplett die Aussage zu verweigern. Sonnenberg gilt als derjenige, der wahrscheinlich das Motorrad steuerte, von dem aus Buback am 7. April 1977 erschossen wurde. Wer vom Rücksitz aus die Schüsse abfeuerte, ist bis heute ungeklärt. Nebenkläger Michael Buback ist überzeugt, dass es die angeklagte Verena Becker war. Hierfür hat der Prozess bislang jedoch keine Anhaltspunkte gegeben.

Kleinere Solidaritätskundgebung am Rande

Sonnenberg, der von einigen Sympathisanten begleitet wurde, machte die Justiz für seinen Gesundheitszustand verantwortlich. Er hatte sich bei seiner Festnahme eine Schießerei mit Polizeibeamten geliefert und dabei einen Schuss in den Kopf abbekommen. Wegen der Schießerei war er zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt worden. Der 56-Jährige sprach in diesem Zusammenhang von "Total-Isolation". "Es waren Ihre Kollegen, die dafür Verantwortung haben", sagte er dem Vorsitzenden Richter. Bundesanwalt Walter Hemberger widersprach den Vorwürfen: Sonnenberg sei während der Haftzeit mit anderen ehemaligen RAF-Mitgliedern zusammengelegt worden. 1992 wurde Sonnenberg freigelassen.

Gegen Wisniewski führt die Bundesanwaltschaft seit 2007 ein Ermittlungsverfahren wegen des Mordes an Buback, nachdem Ex-Terrorist Peter-Jürgen Boock den 57-Jährigen als möglichen Schützen genannt hatte. Die Indizien hierfür reichten aber bislang nicht für eine Anklage aus.

Am Rande des Prozesses kam es zu einer kleineren Solidaritätskundgebung: Eine Handvoll meist jugendlicher Sympathisanten entrollte vor dem Gerichtsgebäude Transparente, unter anderem mit der Aufschrift "Keine Zusammenarbeit mit Justiz und Staatsapparat". Am Nachmittag zeigten Unterstützer ein Transparent im Gerichtssaal. Sie wurden vorläufig festgenommen.

ins/DPA/DPA

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