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Die erstochenen Eltern und der Ex-Freund

Es war das tragische Ende einer großen Liebe: Ein 21-Jähriger tötet die Eltern seiner Ex-Freundin. Die 17-Jährige hilft ihm, die Leichen zu beseitigen. Der Täter steht nun in Landshut vor Gericht.

Von Malte Arnsperger

  Tatort Notzing. In diesem so friedlich wirkenden Einfamilienhaus erstach Matthias W. im März 2012 die Eltern seiner Ex-Freundin.

Tatort Notzing. In diesem so friedlich wirkenden Einfamilienhaus erstach Matthias W. im März 2012 die Eltern seiner Ex-Freundin.

  • Malte Arnsperger

Im September 2009 stellen Freunde Clara R.* und Matthias W.* einander in einem Wirtshaus vor. Clara R. ist ein schlankes, großes Mädchen mit braunen Locken. Sie lebt in dem 1000-Einwohner-Ort Notzing nördlich von München mit ihren Eltern Lisa* und Georg R.* in einem weißgetünchten Eigenheim, zwei Stockwerke, großer Garten. Vater Georg arbeitete für die Motorradsparte für BMW, mit ihm und der Mutter geht sie regelmäßig auf Tour. Clara R. ist ein fröhliches, offenes Mädchen, war Mitglied in der örtlichen Faschingsgilde und ist beliebt bei ihrer Clique. Ihren ersten Freund trifft sie im Herbst 2009. Es ist Matthias W.

Der hagere Junge ist das genaue Gegenteil. Er ist schüchtern, ein Außenseiter, im Eishockey-Verein will niemand sein Freund sein, und in der Schule wird er wegen seiner großen Nase als Pinocchio verspottet. Er beendet die Hauptschule ohne qualifizierenden Abschluss, macht später eine Lehre als Anlagenmechaniker. Seine Schwester nennt ihn "blöden Hauptschüler". Mit ihr und seiner Mutter streitet sich Matthias W. oft und heftig, er würgt und schlägt sie. Im Oktober 2010 verprügelt Matthias W. seine Schwester so sehr, dass sie Anzeige erstattet. Für den Prozess untersucht ihn ein Landgerichtsarzt. Matthias W. erzählt dem Mediziner, er sei als Kind öfter von seinem Vater geschlagen worden. Zudem würden sich seine Eltern seit Jahren streiten und mittlerweile getrennt leben. Sein Selbstwertgefühl sei schnell "verunsicherbar". Der Gutachter stellt bei Matthias W. Reifeverzögerungen und eine eingeschränkte Frustrationstoleranz fest.

Schwierige Kindheit

Auch seine neue Flamme Clara R. wurde offenbar mehrfach von Matthias W. geschlagen. Trotzdem plant sie mit ihm schon nach kurzer Zeit ihre Zukunft. Sie verloben sich, sie hilft ihm beim Hausbau in Lengdorf. Matthias W., der einen erbitterten Scheidungskrieg zwischen seinen Eltern erlebt, fühlt sich bei Clara R. geborgen. Seiner Schwester soll er mal gesagt haben: "Ich bin mir bei ihr sicher, ich will sie heiraten. Es ist meine Frau des Lebens."

Matthias W. will das wesentlich jüngere Mädchen ganz für sich. Die beiden igeln sich tagelang in ihren Zimmern ein, Clara R. hat kaum noch Kontakt mit ihrer Clique. Ihre Eltern verbieten die Beziehung nicht, sind aber über den Freund ihrer Tochter gar nicht begeistert. Matthias W. berichtet nach dem Mord über sein Verhältnis zu Mutter Lisa R.: "Schlecht" sei es gewesen, "weil die Mutter ja mit der Beziehung nicht einverstanden war. Die Mutter hat immer wieder zu ihr gesagt, sie soll doch nicht so blöd sein und soll mit mir schlussmachen".

Leichen im Keller

Anfang März 2012 trennt sich Clara R. von Matthias W. Sie trifft sich wieder mit einer Freundin zum Eisessen und zum Tanzen, fährt mit einem Bekannten ins Autokino. Sie meldet sich bei Facebook an, am 11. März um 01:11 Uhr ändert sie in dem sozialen Netzwerk ihren Beziehungsstatus von "es ist kompliziert" in "Single".

Matthias W. ist traurig, sein Traum vom gemeinsamen Leben im Eigenheim ist zerstört. Und er ist wütend, vor allem auf die Mutter von Clara. Am Morgen des 30. März, einem Freitag, fährt er zu deren Haus. Er weiß, dass die Eltern nicht da sind. Matthias W. schlägt eine Kellerscheibe ein und wartet im Wohnzimmer. Um 8 Uhr läuten die Glocken der nahen Kirche, fast gleichzeitig kommt Georg R. zurück. Matthias W. stürzt sich mit einem Messer aus der Küche auf ihn, tötet ihn nach einem Gerangel mit mehreren Stichen. Matthias W. zieht die Leiche in den Keller, deckt sie mit Bettwäsche aus dem Gästezimmer zu. Dann nimmt er sich aus dem Waschraum Schwamm und Handtücher und fängt an, das Blut weg zu wischen. Gegen 10.30 Uhr betritt Lisa R. das Haus. Matthias W. wartet auf der Kellertreppe und ersticht auch sie. Die Leiche legt er neben den toten Georg.

Am Nachmittag kommt Clara R. von ihrer Ausbildungsstelle, einem Autohaus, nach Hause. Matthias W. sagt später in Vernehmungen, er habe das Mädchen in ihr Zimmer gebeten und ihr dort erzählt, was passiert ist. Clara R. sagt, ihr Ex-Freund habe sie mit dem Messer bedroht und in ihrem Zimmer mit Kabelbinder an einen Stuhl gefesselt. Tatsächlich finden die Ermittler Kabelbinder bei anderen weggeworfenen Tatutensilien.

Dann führt der Mörder Clara R. zu den Leichen ihrer Eltern. Sie sei schockiert gewesen und habe geweint, sagt Matthias W. nach der Festnahme. Er habe sie gefragt, ob er sie in den Arm nehmen solle und ob sie wieder mit ihm gehe. Ja, sei die Antwort gewesen.

Leichnam verkohlt, aber verbrennt nicht

Sie beschließen, die Leichen zu verbrennen. Das sei der Wunsch der Eltern gewesen, sagt Clara. Weil im Lancia der Mutter nicht genug Platz ist, fahren sie nur mit der Leiche von Georg R. im Kofferraum zu Matthias W.s Rohbau nach Lengdorf. Dort legen sie den toten Mann in den Pumpensumpf, stopfen Holz dazu, schütten mehrfach Spiritus und Benzin auf die Leiche. Nach zwei Stunden merken sie, dass der Körper verkohlt aber nicht verbrennt. Sie legen die Leiche wieder ins Auto und fahren zurück nach Notzing. Sie versuchen vergeblich, Georg R. bei einem Weiher zu vergraben. Gegen drei Uhr nachts fangen sie an, eine Grube im Garten des Tathauses auszuheben und legen beide Leichen hinein. Ein Zeitungsausträger beobachtet sie sogar dabei. Nach getaner Arbeit fallen Matthias W. und Clara R.um kurz nach 6 Uhr morgens in der Wohnung von Matthias W.s Mutter in Freising ins Bett.

Am Tag nach dem Mord stehen Matthias W. und Clara R. gegen 11 Uhr auf. Der junge Mann verkündet seiner Mutter, dass das Mädchen einziehen wolle. Die beiden kaufen beim Obi weiße Farbe und fahren zurück zum Tatort nach Notzing. Bis abends wischen und malern sie, um die Blutflecken zu entfernen. Zwischendurch ruft Claras Bruder an und fragt nach den Eltern. Mit der Ausrede, die seien verreist, wimmelt ihn seine Schwester ab. Nach den Malerarbeiten geht sie mit Matthias W. beim Chinesen in Freising essen. Sie schauen fern, gehen ins Bett, schlafen miteinander.

Verblendete Liebe oder Todesangst?

Am Sonntagmittag versuchen sie, den Geruch von verbrannter Leiche in dem Rohbau in Lengdorf durch Lüften herauszubekommen, trinken währenddessen im Garten Becks Lemon.

Es sind diese Stunden nach dem Doppelmord, diese scheinbar seelenruhige Geschäftigkeit der beiden jungen Menschen, die angesichts der grausamen Umstände kaum zu erklären ist. Vor allem Claras Verhalten ist auch den Ermittlern ein großes Rätsel. Schließlich hatte sie mehrmals die Gelegenheit, Leute anzusprechen, um Hilfe zu rufen. Am Sonntag lässt sie Matthias W. sogar mal ganz alleine. Nein, sagt der später im Verhör, er habe keine Angst gehabt, dass Clara R. ihn verrät. Sie habe ihm gesagt, dass sie ihn immer noch liebe und nicht wolle, dass er ins Gefängnis komme, weil sie sonst die dritte Person verlieren würde. Clara R. erzählt den Ermittlern etwas anderes: Matthias W. habe ihr mit einer möglichen "dritten Leiche" gedroht. Sie habe nur aus Angst vor Matthias W. mitgemacht und habe so unter Schock gestanden, dass sich nicht getraut habe, Hilfe zu holen.

Prozess gegen Clara R.

Um 18.30 Uhr am Sonntagabend ruft Claras Bruder Andreas an. Der ist mittlerweile argwöhnisch geworden und kündigt sein Kommen an. Sie beichtet ihm alles. Matthias W. flüchtet. Er ruft seinen Vater an, um ihn zu fragen, was er tun soll. Der denkt erst an einen Aprilscherz, rät seinem Sohn aber dann, sich zu stellen. Um 21.35 Uhr parkt Matthias W. sein Auto im Hof der Polizei Erding.

Clara R. verbrachte nach der Tat einige Wochen in der geschlossenen Psychiatrie, seit dem Sommer arbeitet sie aber wieder in ihrem Autohaus. Im Dezember stand sie vor Gericht. Während des Prozesses, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, schwieg sie. Ihr Verteidiger, der sich gegenüber stern.de nicht äußern will, verlas eine Erklärung. Darin habe sich Clara R. über ihren dominanten Ex-Freund beschwert, der sie in der Beziehung sehr eingeengt habe, heißt es aus Justizkreisen. Demnach blieb die jetzt 18-Jährige auch dabei: Bei der missglückten Leichenbeseitigung habe sie nur geholfen, um ihre eigene Haut zu retten. Der Richter hat ihr diesen Notstand aber offensichtlich nicht ganz abgenommen. Er verurteilte sie wegen versuchter Strafvereitelung zu sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung. Clara R. hat Berufung eingelegt und wird im Verfahren gegen ihren Ex-Freund als Zeugin und Nebenklägerin auftreten.

Akut suizidgefährdet

Matthias W. wartete in der psychiatrischen Abteilung der Jugendvollzugsanstalt Straubing auf seinen Prozess. Denn offenbar versuchte er mehrfach, sich das Leben zu nehmen. "Er ist akut suizidgefährdet", sagt sein Anwalt Winfried Folda. Er will die Psyche, die problematische Persönlichkeit seines Mandanten in den Vordergrund des Prozesses rücken, um ihm womöglich eine lebenslange Haftstrafe zu ersparen. Dafür müssten die Richter Matthias W. allerdings für vermindert schuldfähig oder gar schuldunfähig ansehen. Ein Gutachter attestierte dem Angeklagten tatsächlich eine Persönlichkeitsstörung, vermindert schuldfähig sei der junge Mann aber nicht.

Sein Verhalten nach der Festnahme zeigt, wie sehr Matthias W. an seiner Ex-Freundin hing aber auch wie offenbar gestört sein psychisches Koordinatensystem ist: Noch wochenlang fragte der Häftling seinen Anwalt stets als erstes, wie es Clara R. gehe.

*Namen von der Redaktion geändert

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