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Ungeborenes im Mutterbauch totgetreten

Der Angeklate hat gleich zum Prozess-Auftakt ein Geständnis abgelegt: Er habe seiner im achten Monat schwangeren Freundin mehrfach in den Bauch getreten. Der Grund: "Das Kind musste weg."

Zum Auftakt des Prozesses um den gewaltsamen Tod eines ungeborenen Babys vor dem Lübecker Landgericht hat der Angeklagte am Montag ein Geständnis abgelegt. Er habe seiner im achten Monat schwangeren Freundin mehrfach in den Bauch getreten, so dass sie ihr Kind verlor, sagte der 18-Jährige aus Ahrensburg (Kreis Stormarn) in Schleswig-Holstein. Er habe Angst gehabt, dass sein Vater ihn sonst verstoßen würde, sagte der aus einer streng muslimischen Familie stammende Angeklagte.

Ex-Freundin ist Nebenklägerin

Die Atmosphäre im Gerichtssaal ist gespannt. Als der Angeklagte, ein schlanker junger Mann mit schwarzem Haar und Oberlippenbärtchen, hereingeführt wird, verbirgt seine Ex-Freundin ihr Gesicht in den Händen. Die 18-Jährige sitzt ihm als Nebenklägerin gegenüber. Zunächst weichen die beiden jungen Menschen einander mit ihren Blicken aus, doch bald schaut die junge Frau immer wieder zu ihrem Ex-Freund hinüber. Während seiner Aussage hängt sie geradezu an seinen Lippen, so als suche sie nach einer Erklärung für die scheckliche Tat. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 18-Jährigen versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung und Schwangerschaftsabbruch in einem besonders schweren Fall vor.

"Es tut mit Leid. Ich weiß, das man so etwas nicht entschuldigen kann", beginnt der Angeklagte seine Aussage. Dann erzählt er, wie er die hübsche junge Frau mit den langen dunklen Locken in einer Discothek kennen gelernt hat. Als sie ungewollt schwanger wurde, habe er auf Abtreibung gedrungen. "Ich fühlte mich zu jung für ein Kind, hatte Angst vor der Verantwortung und vor meiner Familie", sagt er. Sein Vater, der von seiner Freundin nichts wusste, hätte eine Beziehung zu einer Christin nie geduldet und ihn verstoßen, wenn er von dem Kind erfahren hätte, sagte der Angeklagte. Als seine Freundin sich weigerte abzutreiben, habe er beschlossen, dass das Kind nicht zur Welt kommen dürfe.

Keine Beziehung zu einer Christin

In den Morgenstunden des 19. August 2005 hatte er seine Freundin angerufen und sie gebeten, zu ihm zu kommen. Dann maskierte er sich mit einer Sturmhaube, lauerte der hochschwangeren Frau in der Nähe seiner Wohnung auf. Er riss sie zu Boden und trat ihr nach seinen Angaben zwei- bis drei Mal gezielt in den Bauch. Die 18-Jährige erlitt lebensgefährliche innere Blutungen und konnte nur mit einer Notoperation gerettet werden. Das Kind kam tot zur Welt.

"Ich glaubte, meinen Freund zu erkennen, als er auf mich zustürmte. Aber ich dachte, ich müsse mich irren, weil er zu so etwas nicht fähig ist", sagte die junge Frau vor Gericht. Sie berichtete von dem Auf und Ab in der Beziehung der beiden und auch, dass er immer wieder gesagt habe, sein Vater würde ihn verstoßen. "Ich habe das aber nicht geglaubt. Er ist doch ihr Sohn und sie lieben ihn", sagte sie.

Vater bestätigte Befürchtung des Sohnes

Der Vater des Angeklagten ließ in seiner Zeugenaussage jedoch keinen Zweifel daran, dass die Befürchtungen seines Sohnes begründet waren. "Wenn einer meiner drei Söhne eine Christin heiraten würde, müsste er ausziehen und dürfte nie wieder kommen", sagte der 47- jährige Mazedonier. Sein ältester Sohn bekräftigte, so etwas sei wie ein ungeschriebenes Gesetz in der Familie. "Ich habe meinem Bruder gesagt, er solle das mit der Schwangerschaft klären. Was passiert ist, tut mir Leid, aber mehr kann man nicht tun", sagte der 23-Jährige achselzuckend. Der Prozess wird fortgesetzt.

Eva-Maria Mester/DPA/DPA

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