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Verdächtige wurden möglicherweise gezielt vom IS geschickt

Nach der Razzia gegen eine mutmaßliche islamistische Terrorzelle in Deutschland liefern Fotos offenbar Hinweise auf Kontakte eines der Verdächtigen. Es soll auch Spuren zu den Attentätern von Paris geben.

Polizisten in Berlin führen nach den Razzien gegen Islamisten einen Verdächtigen ab

Polizisten in Berlin führen nach den Razzien gegen Islamisten einen Verdächtigen ab. Ermittelt wird gegen vier Algerier im Alter zwischen 26 und 49 Jahren wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

Die beiden im Sauerland verhafteten Terrorverdächtigen sind möglicherweise gezielt von Planern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nach Deutschland geschickt worden, um Attentate zu verüben. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen gehen die Ermittler entsprechenden Indizien nach. Einen Beleg dafür haben die Fahnder demnach jedoch nicht - sie erhoffen sich weitere Hinweise aus der Auswertung von Computern und Mobiltelefonen, die sie am Donnerstag bei der Anti-Terror-Razzia sichergestellt hatten.

Die "Welt" berichtet unter Berufung auf Sicherheitskreise, der Hauptverdächtige 34-jährige Algerier habe offenbar in Kontakt zu einem IS-Planer für Anschläge im Ausland gestanden. Von dem in einer Flüchtlingsunterkunft im nordrhein-westfälischen Attendorn festgenommenen Islamisten sollen der Zeitung zufolge Fotos existieren, die ihn gemeinsam mit einem IS-Anschlagsplaner zeigen. "Dieser Mann ist brandgefährlich und wollte anderen Menschen Schaden zufügen", sagte ein Ermittler dem Blatt.

Laut "Spiegel" prüft die Polizei zudem Spuren zu den Attentätern von Paris. Demnach sollen Fotos den Verdächtigen Farid A. bewaffnet im Nahen Osten zeigen. Auf einem der Bilder habe er in "Kampfmontur" neben Leichen posiert. Auf einem weiteren Foto soll er beim Essen mit einer Person aus dem Umfeld der Attentäter, die für die Pariser Terrorserie im November verantwortlich sein sollen, abgebildet sein.

Nach Angaben der Polizei liefern Fotos Hinweise auf die Kampfausbildung eines Verdächtigen in Syrien. "Die Fotos sind ein Grund, warum wir den Hinweis besonders ernst genommen haben", sagte ein Sprecher der Berliner Polizei am Freitag. Ein Foto belege demnach die militärische Ausbildung eines der Verdächtigen in Syrien. Das Bild sollte am Nachmittag veröffentlicht werden.

Algerier kam offenbar als syrischer Flüchtling

Die mutmaßliche Terrorzelle war am Donnerstag bei einer Razzia von Hunderten Polizisten in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zerschlagen worden. Ermittelt wird gegen vier Algerier im Alter zwischen 26 und 49 Jahren wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Es gab drei Festnahmen. Der Hauptverdächtige aus der Flüchtlingsunterkunft im Sauerland sollte im Laufe des Freitags einem Haftrichter vorgeführt werden.

Dem "Spiegel"-Bericht zufolge reiste der gebürtige Algerier am 28. Dezember mit gefälschtem Pass als syrischer Flüchtling nach Deutschland ein. "Wir haben bei den Terroranschlägen in Paris vom 13. November gesehen, dass der IS bewusst Terroristen unter den Flüchtlingen einschleusen will und eingeschleust hat", sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen im ZDF-"Morgenmagazin". "Danach haben wir auch wiederholt gesehen, dass Terroristen - man kann sagen camoufliert, verdeckt - als Flüchtlinge eingeschleust werden."

Anschlagspläne offenbar früh durchkreuzt

Hinweise auf einen kurzfristig geplanten Anschlag habe der Verfassungsschutz nicht. Es habe aber konkrete Hinweise gegeben, "dass es Leute in Deutschland gibt, die Planungen verfolgen, Anschläge zu begehen", sagte Maaßen. Die Algerier hatten nach Angaben der Staatsanwaltschaft womöglich einen Anschlag in Berlin geplant. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen wurde ihr Vorhaben im Frühstadium durchkreuzt, konkrete Anschlagsziele waren noch nicht ausgekundschaftet.

Deutschland sei in der Terrorabwehr gut aufgestellt, betonte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, bei n-tv. Auf europäischer Ebene gebe es aber "sicherlich noch erhebliche Optimierungspotenziale". So gebe es kein gemeinsames Terrorismusabwehrzentrum. Wünschenswert sei eine entsprechende Ausweitung von Europol.

mad/DPA/AFP
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