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"Dr. Tod" stellt Sterbehilfe ein

Der umstrittene frühere Hamburger Justizsenator Roger Kusch beugt sich einem richterlichen Beschluss und will keine Sterbehilfe mehr anbieten. Die Gerichtsentscheidung finde er zwar falsch, so Kusch, werde sie aber respektieren. Einen Seitenhieb für die Richter gab es aber doch noch.

Der umstrittene Ex-CDU-Politiker Roger Kusch hat überraschend angekündigt, keine Sterbehilfe mehr zu leisten. "Ich biete die Suizidbegleitung nicht mehr an", sagte der frühere Hamburger Justizsenator dem "Spiegel". Das Verwaltungsgericht in der Hansestadt hatte dem 54-Jährigen Anfang Februar in einem Eilverfahren verboten, Menschen beim Selbstmord zu unterstützen. Gegen diese Entscheidung hatte Kusch noch Beschwerde eingelegt. Bis zum Freitag habe er sie auch nicht zurückgenommen, sagte eine Sprecherin des Verwaltungsgerichts der Deutschen Presse-Agentur dpa. Das Verbot ist bis zu einer Entscheidung in einem Hauptverfahren wirksam.

Kusch war am Freitag zunächst nicht zu erreichen. Auf der Homepage seines Vereins war zu lesen: "Der Verein bietet keine Suizidbegleitung an, stellt keine Suizid-Anleitungen zur Verfügung, vertreibt keine Suizidmittel und nennt auch keine Bezugsquellen."

Die Gerichtsentscheidung finde er zwar falsch, sagte Kusch dem "Spiegel". "Ich werde den Beschluss aber respektieren." Seinen Meinungswandel begründete der Jurist mit den Schwierigkeiten, in Deutschland legal entsprechende Medikamente zu bekommen: "Sie müssen immer mit Tricks und Heimlichkeiten arbeiten, und das finde ich am Lebensende unwürdig." Ihm sei inzwischen klargeworden, wie "belastend" diese Situation für alle Beteiligten sei.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 54-Jährigen wegen des Anfangsverdachts eines Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz. Die Behörde untersucht, ob er verschreibungspflichtige Medikamente weitergegeben hat. Die Ermittler hatten daher Ende November Kuschs Büro und Wohnungen durchsucht. Mehrere Menschen, die mit Kusch in Kontakt standen, wurden daraufhin von den zuständigen Behörden angesprochen. "Derartigen obrigkeitsstaatlichen Druck will ich den Sterbewilligen und mir künftig ersparen", sagte Kusch dem Hamburger Magazin. Menschen, die sich künftig bei ihm melden, werde er raten, sich an Schweizer Organisationen wie Dignitas zu wenden.

"Geschäftemachen mit dem Tod hat ein Ende"

"Öffentlicher Druck hat Kusch dazu bewogen, seine menschenverachtende Suizidvermittlung einzustellen", meinte der Geschäftsführende Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung, Eugen Brysch. "Nun hat das Geschäftemachen mit dem Tod und der Angst ein Ende." Die Politik müsse nun handeln, damit das Problem nicht ins Ausland verschoben werde. "Die Angst vor schlechter Pflege und vor Fehlversorgung am Lebensende ist allgegenwärtig."

Kusch warf den Verwaltungsrichtern zu große Emotionalität bei ihrer Entscheidungsfindung vor. Die Begründung habe "völlig überflüssige Bosheiten" enthalten. Er fühle sich "in eine Ecke mit Prostituierten" gestellt. Die Richter hätten argumentiert, dass sein Angebot eine "sozial unwertige Tätigkeit" ähnlich der "Kommerzialisierung der Sexualität" sei.

Kusch: Kein Scheitern, sondern eine Zäsur

Dass er künftig nicht mehr als Sterbehelfer tätig sein werde, empfinde er nicht als Scheitern, sondern als Zäsur, betonte der 54-Jährige im "Spiegel". In Deutschland seien jetzt die Ärzte gefordert, Suizidhilfe zu leisten: "Die haben kein Problem mit dem Arzneimittelgesetz."

Der ehemalige Hamburger Justizsenator Kusch hatte fünf ältere Menschen beim Suizid begleitet. Zuletzt nahm sich Ende November eine 97-Jährige aus Bergisch Gladbach auf diese Weise das Leben. Kusch war von 2001 bis 2006 Justizsenator in Hamburg. Bereits während seiner Amtszeit war der damalige CDU-Politiker umstritten. Nach seinem Austritt aus der Union trat er bei der Bürgerschaftswahl 2008 erfolglos mit einer eigenen Partei an, die die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe forderte. Im September 2007 gründete er den "Dr. Roger Kusch Sterbehilfe e.V.", im März stellte er einen von ihm entwickelten Selbsttötungsautomaten vor. Kusch verlangte bis zu 8000 Euro für die Sterbebegleitung.

DPA/AP/AP/DPA
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