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Rächerin "Diana" macht Jagd auf Busfahrer

Ciudad Juárez in Mexiko gilt als "Welthauptstadt der Frauenmorde". Als Täter werden oft Busfahrer verdächtigt. Jetzt scheint eine Frau aus Rache Selbstjustiz zu üben: Sie erschießt Busfahrer.

  So soll sie aussehen: Ein Fahndungsbild der mutmaßlichen Täterin.

So soll sie aussehen: Ein Fahndungsbild der mutmaßlichen Täterin.

Unter den Busfahrern in Ciudad Juárez geht die Angst um. In der vergangenen Woche soll eine selbst ernannte Rächerin in der nordmexikanischen Stadt gleich zwei Fahrer erschossen haben. Offenbar übt "Diana, die Jägerin", wie die Medien den geheimnisvollen Racheengel getauft haben, Vergeltung für die zahlreichen ungeklärten Frauenmorde in Ciudad Juárez. Die Stadt hat den unrühmlichen, unoffiziellen Titel "Welthaupstadf der Frauenmorde".

"Ich bin ein Instrument, das die Frauen rächt, die von der Gesellschaft als schwach angesehen werden", heißt es in einem Manifest, das anonym an mehrere Zeitungen geschickt worden war. "Aber das sind wir nicht, wir sind mutig. Wer uns nicht respektiert, dem werden wir mit unseren eigenen Händen Respekt beibringen. Wir Frauen aus Juárez sind stark."

Mehr als 800 Frauen wurden in den vergangenen 20 Jahren getötet

In der Grenzstadt zu den USA verschwinden seit Jahren immer wieder Frauen und Mädchen. Nach Angaben einer mexikanischen Menschenrechtsorganisation wurden in den vergangenen 20 Jahren mehr als 800 Frauen getötet. Vor allem Arbeiterinnen der zahlreichen Fabriken am Stadtrand werden häufig verschleppt und getötet. Aufgeklärt werden die Verbrechen fast nie. Bei den Tätern soll es sich zum Teil um Busfahrer handeln, die die Frauen zur Arbeit in den sogenannten Maquiladoras bringen.

In der vergangenen Woche schlug der "Racheengel von Juárez" dann das erste Mal zu. Zeugenberichten zufolge stoppte er am 28. August den Bus der Linie 4A, kletterte in das Fahrzeug und eröffnete das Feuer auf den Fahrer. Am Tag darauf kam es zur zweiten Tat, erneut wurde ein Busfahrer erschossen.

"Rächerin" soll Mitte 50 sein

Bei der Täterin soll es sich um eine etwa 55-jährige Frau handeln. Sie habe schwarze Kleidung getragen, ihr Haar sei blond gefärbt gewesen, sagten Zeugen. In dieser Woche veröffentlichte die Staatsanwaltschaft ein Fahndungsbild der Verdächtigen.

"In der Vergangenheit sind bestimmte Verbrechen gegen Frauen von Busfahrern verübt worden", sagte der Generalstaatsanwalt Jorge González Nicolás. "Es könnte sein, dass jemand dafür Rache übt. Wir ermitteln in diese Richtung." Der Gouverneur von Chihuahua, César Duarte, sagte, die jüngsten Morde seinen "sehr speziell" und unterschieden sich von der Vorgehensweise der Drogenkartelle.

In den vergangenen Jahren waren mehrere Busfahrer festgenommen worden, die Arbeiterinnen vergewaltigt und getötet haben sollen. "Wir dürfen über diese Taten nicht schweigen, die die Wut in uns aufsteigen lassen", heißt es in dem Pamphlet der "Rächerin" weiter. "Meine Kameradinnen und ich können nicht länger schweigen. Wir sind Opfer sexueller Gewalt durch Busfahrer geworden, die nachts zu den Maquiladoras fahren. Und obwohl viele Menschen wissen, was wir erleiden, hilft und beschützt uns niemand."

Bisher sind es Spekulationen

Die Frauenrechtsorganisation "Mesa de Mujeres en Ciudad Juárez" ("Tisch der Frauen von Ciudad Juárez") forderte ein Ende der Spekulationen über das Motiv für die Morde an den Busfahrern. Zunächst müssten die Behörden ihre Ermittlungen abschließen. "Wir glauben aber, dass Gewalt nicht mit Gewalt bekämpft werden kann", sagte Sprecherin Cecilia Espinoza.

anb/Sonia Aguilar/DPA/DPA

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