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Kommt die Videoüberwachung auf der Säuglingsstation?

Bald könnte neben den engsten Familienmitgliedern auch ein kleines elektronisches Auge bei der Geburt dabeisein. Das Städtischen Klinikums Frankfurt zieht seine Lehren aus der Entführung eines Säuglings und denkt über eine Videoüberwachung auf der Entbindungsstation nach.

Einen Tag nach der Entführung eines neugeborenen Mädchens aus der Säuglingsstation eines Frankfurter Krankenhauses sitzt die Erschütterung bei den Klinkverantwortlichen noch tief. Obwohl das Kind einige Stunden später wohlauf gefunden wurde, sei man "immer noch schockiert" von dem Vorfall, sagt der medizinische Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Frankfurt Höchst, Christof Kugler, am Freitag.

Mit Blick auf den Vorfall, der einmalig in der 50-jährigen Geschichte der Klinik sei, berät das Krankenhaus am Montag darüber, wie Entführungen dieser Art verhindert werden können. Angedacht sei eine Videoüberwachung, auf die bislang bewusst verzichtet worden sei, erklärt der Geschäftsführer des Klinikums. Über diese und andere Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit in den Kliniken wird nach dem Vorfall vom Donnerstag bundesweit diskutiert.

Die 28-Jährige Täterin hatte das nur wenige Stunden alte Baby auf der Entbindungsstation der Klinik unter einem Vorwand der Mutter abgenommen und konnte das Krankenhaus dann mit dem Kind unbehelligt verlassen, noch bevor die Mutter misstrauisch wurde und Alarm schlug.

Säuglinge im Krankenhaus durch Sender orten

Solche Zwischenfälle ließen sich durch technische Sicherheitssysteme verhindern, glaubt der Geschäftsführer der Syntron GmbH, Ralf Schwirzheim. Das Unternehmen rüstet Krankenhäuser mit Sicherheitssystemen aus, die mit Chips eine Ortung der Neugeborenen ermöglichen. Der Sender wird meist an der Kleidung der Kinder befestigt oder so an ihrem Körper versteckt, dass er nicht ohne weiteres zu erkennen oder zu entfernen ist. Jede Wöchnerin erhält zudem selbst einen Chip, der mit dem ihres Kindes korrespondiert. Die Zuordnung mit Hilfe der Chips soll neben Entführungen auch möglichen Verwechslungen vorbeugen.

An Türen und in den Krankenhausfluren angebrachte Empfänger lassen sich so einstellen, dass Alarm ausgelöst wird, sobald sich das Chipsignal eines Kindes aus der Station entfernt, erklärt Schwirzheim. "Der Alarm kann an alle Pforten eines Krankenhauses weitergeleitet werden, um das Personal auf einen solchen Vorfall aufmerksam zu machen." Auch eine Kopplung mit Überwachungskameras sei möglich, um sofort Bilder der Täter zu haben.

Entsprechend ausgerichtet, können die Sicherheitssysteme bereits Alarm schlagen, wenn etwa der Transponder eines Babys an einer Tür ohne den Chip der Mutter oder des betreuenden Stationspersonals erfasst wird. "Um Fehlalarme zu vermeiden, wenn der Vater oder Verwandte das Kind sehen wollen, bekommen die Besucher abgestimmte Chips", fügt Schwirzheim hinzu.

Sicherheitssysteme kosten 5.000 bis 100.000 Euro

Die Kosten für ein solches System zum Schutz von Neugeborenen variieren je nach der technischen Ausstattung. Ein Babyschutz-System der günstigen Kategorie sei ab 5.000 bis 7.000 Euro verfügbar. Allerdings gebe es auch Schutzsysteme, für die Kliniken bis zu 100.000 Euro ausgeben. "Ich verstehe natürlich, dass man jede Investition unter die Lupe nehmen muss", zeigt Schwirzheim Verständnis für Bedenken der Krankenhäuser. Verwende eine Klinik indes die elektronische Hilfe zum Schutz der Säuglinge, erlange sie ein "positives Image" bei den Eltern. Andere Hersteller wie etwa Sectronisys und telfix werben auf ihren Internetseiten damit, dass diese Technik der "Babywächter" nicht nur Neugeborene schützen könne, sondern etwa auch für Alten- und Pflegeheime nützlich sei.

Krankenhausgesellschaft: Neuerungen "sorgfältig abwägen"

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) fordert, Neuerungen dieser Art in Kliniken generell "sorgfältig abzuwägen". Bei solchen Vorfällen wie dem im Höchster Krankenhaus handele es sich um "bedauerliche Einzelfälle, die man deutschlandweit an zwei Händen abzählen kann", erklärt DKV-Sprecher Daniel Wosnitzka. 100-prozentige Sicherheit gebe es auch in einem Krankenhaus nicht. Eine technische Überwachung mit Chips ändere die Arbeitsabläufe, den Umgang mit Patienten und die Atmosphäre für die Besucher.

Eine zu starke Überwachung widerspreche dem Prinzip des Krankenhauses als "öffentlichem Raum", gibt Wosnitzka zu bedenken. Kugler von der Klinik in Frankfurt-Höchst äußert ebenfalls Zweifel daran, dass allein technische Hilfsmittel Entführungen von Säuglingen aus Krankenhäusern verhindern können. Solche Systeme hätten sich nicht durchgesetzt und böten auch keine ausreichende Garantie gegen Entführungen.

Florian Bittler, DAPD/dapd

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