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Hamburger Jugendamt gerät ins Visier der Ermittler

Wie kommt eine Behörde dazu, eine Elfjährige an drogenabhängige Pflegeeltern zu vermitteln? Der Fall der toten Chantal sorgt in Hamburg für Entsetzen. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen das zuständige Jugendamt und einen Betreuungsverein.

  Das zuständige Jugendamt steht wegen des Todes der kleinen Chantal im Visier der Ermittler

Das zuständige Jugendamt steht wegen des Todes der kleinen Chantal im Visier der Ermittler

Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen zum Tod des an einer Methadon-Vergiftung gestorbenen Mädchens Chantal auf das zuständige Jugendamt und den Betreuungsverein ausgeweitet. Es laufe ein Verfahren wegen des Verdachts der Verletzung der Fürsorgepflicht, sagte ein Sprecher der Anklagebehörde am Dienstag. Dieses richte sich nicht gegen bestimmte Beschuldigte, sondern gegen Unbekannt. Am Dienstag durchsuchten Polizisten und ein Staatsanwalt die Räume des Amts und des Vereins. Im Jugendamt sicherten sie demnach Kopien von 14 Akten zu dem Fall. Die Leiterin des Jugendamtes wurde laut "Hamburger Abendblatt" inzwischen von ihren Aufgaben entbunden. Der Bezirk Mitte werde die Stelle neu besetzen, sagte der Bezirksamtschef Markus Schreiber.

Die elfjährige Chantal lebte als Pflegekind bei Eltern, die drogenabhängig waren und seit Jahren in einem Gesundheitsprogramm mit der Heroin-Ersatzdroge Methandon behandelt worden waren. Sie starb am 16. Januar in der Wohnung ihrer Pflegeeltern, nachdem sie unter bislang ungeklärten Umständen Methadon zu sich genommen hatte. Das Jugendamt hatte von der Drogenabhängigkeit der zwei amtlich anerkannten Bezugspersonen des Mädchens, dessen leibliche Mutter tot und dessen Vater drogensüchtig war, offenbar nichts mitbekommen. Der Fall hatte in Hamburg Entsetzen und eine Debatte über Versäumnisse in der Jugendarbeit ausgelöst.

Nach Angaben des zuständigen Bezirksamts Mitte waren die Pflegeeltern vom Jugendamt offiziell anerkannt. Die Betreuung der Familie lag, wie in anderen Fällen auch, aber in den Händen eines gemeinnützigen sozialen Trägers, der in Hamburg und anderen Bundesländern Beratungs- und Hilfsleistungen erbringt.

Auswahl von Pflegefamilien wurde verschärft

Wegen des Todesfalls ermittelt die Staatsanwaltschaft primär gegen die beiden Pflegeeltern und deren erwachsene Tochter sowie gegen Chantals leiblichen Vater wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Bei einer Durchsuchung der Wohnung der Pflegefamilie und am Arbeitsplatz des 51-jährigen Pflegevaters hatten die Ermittler 32 Methadon-Tabletten gefunden. Wann und wie das Mädchen mit der Ersatzdroge in Kontakt kam, ist bislang aber unklar.

Das Bezirksamt ist nach eigenen Angaben derzeit dabei, die Abläufe des Falls zu rekonstruieren. Auch die übergeordnete Hamburger Sozialbehörde hat sich eingeschaltet. Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) verschärfte am Montag bereits die Regeln für die Auswahl von Pflegefamilien für Kinder und kündigte eine vorsorgliche Überprüfung sämtlicher 1300 Pflegefamilien in Hamburg an.

Die Bewerber müssen künftig ein Gesundheitszeugnis samt Drogentest vorlegen, damit die Behörden Suchterkrankungen erkennen können. Auch die Überprüfung des polizeilichen Führungszeugnisses wird verschärft. Bislang wurde es nur auf Einträge über einschlägige, gegen Kinder gerichtete Verbrechen wie Missbrauch durchleuchtet. Ab sofort ist jeder Eintrag ein Ausschlusskriterium. Damit zogen die Behörden die Konsequenzen aus dem Umstand, dass Chantals Pflegevater auch wegen Drogendelikten vorbestraft war.

mlr/AFP/AFP

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