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Chefarzt wegen Zitronensaft-Behandlung verurteilt

Wegen eines tödliches Kunstfehlers an einer Klinik im niederrheinischen Wegberg ist der frühere Chefarzt Arnold P. zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt worden.

Wegen eines tödliches Kunstfehlers an einer Klinik im niederrheinischen Wegberg ist der frühere Chefarzt Arnold P. zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt worden. Das Landgericht Mönchengladbach sah es als erwiesen an, dass der Mediziner bei einer 80-jährigen Patientin ohne deren ausdrückliche Einwilligung Zitronensaft zur Wundbehandlung einsetzte und sich deshalb der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gemacht hat. Zwei weitere mitangeklagte Ärzte wurden am Freitag freigesprochen.

Allerdings deckt das Strafmaß nur einen von insgesamt sieben Fällen ab, in denen P. und weitere Ärzte wegen Behandlungsfehlern für den Tod von Patienten verantwortlich sein sollen. Die übrigen Vorwürfe müssen in einem neuen Verfahren neu aufgerollt werden, da ein Schöffe schwer erkrankte. Der Prozess soll noch in diesem Monat beginnen.

"Der Einsatz von Zitronensaft zur Wundbehandlung von frischoperierten Patienten stellt einen medizinischen Kunstfehler dar", sagte der Vorsitzende Richter Lothar Beckers in seiner Urteilsbegründung. Unter dem Klinikleiter P. seien Zitronen regelmäßig in bestimmten Fällen eingesetzt worden. Der Saft sei unter nicht keimfreien Bedingungen gewonnen worden. Über den Einsatz eines solchen nicht zugelassenen und womöglich Schmerzen verursachenden Mittels mit Experimentcharakter hätte die Patientin aufgeklärt werden und eine Einwilligung eingeholt werden müssen, wie der Richter erklärte.

Dies habe der frühere Chefarzt im Fall der verstorbenen 80-jährigen Patientin jedoch unterlassen und sogar den Einsatz von Zitronensaft als Ascorbinsäure verschleiert, sagte Beckers weiter. Die Frau war im März 2006 mehrmals am Darm operiert worden und infolge einer Entzündung der Wunde schließlich verstorben.

Allerdings folgte das Gericht nicht den in der Anklage ebenfalls formulierten Vorwürfen, der Chefarzt und Klinikleiter habe eine unzureichende Diagnose gestellt und Fehler bei der Operation begangen. Es sei nicht auszuschließen, dass die Patientin wegen eines "schicksalshaften Krankheitsverlaufs" verstarb. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren gefordert, die Verteidigung einen Freispruch.

P. hatte die Klinik in Wegberg Anfang 2006 übernommen und danach laut Anklage einem strikten Sparkurs unterworfen. Auf seine Anweisung hin soll unter anderem bei der Gabe von Blutkonserven und teuren Medikamenten gespart worden sein. Neben den Todesfällen wirft die Staatsanwaltschaft dem ehemaligen Chefarzt und drei weiteren Medizinern auch zahlreiche Fälle von Körperverletzung vor.

APN/APN
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