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Das sind die neuesten Erkenntnisse über die mutmaßlichen Täter

Wer hat in der Silvesternacht in Köln Frauen sexuell bedrängt und ausgeraubt? Auf diese Frage gibt es nach wie vor keine eindeutige Antwort. Etliche Angaben widersprechen sich. Was wissen wir bisher über die Täter, was wissen wir nicht?

Silvesternacht in Köln

Nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht verstärkt die Polizei die Präsenz am Hauptbahnhof in Köln

Über eine Woche nach den sexuellen Übergriffen am Kölner Hauptbahnhof und auf der Hamburger Reeperbahn in der Silvesternacht, ist immer noch nicht abschließend geklärt, um wen es sich bei den Männern handelt, die an den Taten beteiligt waren. Offizielle Polizeiberichte und Aussagen von Polizisten, die bei dem Einsatz zugegen waren, widersprechen sich in mehreren Punkten. In Köln sind nach offiziellen Angaben mittlerweile 16 Verdächtige ausfindig gemacht worden: "Wir prüfen nun, ob sie tatsächlich in Zusammenhang mit den Taten stehen", so ein Sprecher der Kölner Polizei gegenüber der Zeitung “Die Welt“. Zwei vorübergehend festgenommene Verdächtige sind inzwischen wieder auf freiem Fuß. Bei den 16 und 23 Jahre alten Männern aus Marokko und Tunesien sollen nach Polizeiangaben Handys sicher gestellt worden sein, der Tatverdacht gegen die beiden habe sich aber nicht erhärtet.

Die Bundespolizei hat in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof nach bisherigem Stand 32 Straftaten festgestellt - mit 31 namentlich bekannten Tatverdächtigen. Das erklärte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Freitag. Unter den Tatverdächtigen seien auch Asylbewerber. Bei diesen Delikten handele es sich aber überwiegend um Körperverletzungen und Diebstähle. Sexualdelikte seien bisher nicht mit den Asylbewerbern in Verbindung gebracht worden. Unter den 31 bekannten Verdächtigen der übrigen Delikte seien neun algerische, acht marokkanische, fünf iranische, vier syrische, ein irakischer, ein serbischer, ein US-amerikanischer und zwei deutsche Staatsangehörige. 18 von ihnen seien Asylbewerber. Bei diesen Zahlen handelt es sich ausdrücklich nur um Fälle in der Zuständigkeit der Bundespolizisten (also im Wesentlichen innerhalb des Bahnhofsgebäudes).

Die Zahl der Strafanzeigen im Zusammenhang mit den Vorfällen in Köln ist nach Informationen des "Spiegel" inzwischen auf rund 200 gestiegen. Wie das Nachrichtenmagazin weiter berichtet, machten die Kölner Ermittler derweil auch Fortschritte bei der Suche nach gestohlenen Gegenständen. Inzwischen konnten sie demnach unter anderem einige in der Silvesternacht gestohlene Mobiltelefone orten. "In manchen Fällen führte deren Spur in Flüchtlingsheime oder deren unmittelbares Umfeld", hieß es in dem Bericht.

Polizisten: "Vorrangig ging es den meisten Tätern um Sexualstraftaten"

Wie die Kölner Polizei mitteilte, wurden einige Verdächtige "nordafrikanischer Herkunft" vorübergehend festgenommen. Grund hierfür seien jedoch vor allem Diebstähle gewesen. In Hamburg erklärte ein Polizeisprecher der "Welt": "Wir haben noch keine zweifelsfrei ermittelten Tatverdächtigen." Zeugenbefragungen und die Auswertung des aufgezeichneten Bildmaterials seinen noch im Gange. Doch hätten die Opfer die Täter als "südländisch oder arabisch aussehend" beschrieben. 

Noch am Dienstag hatte der inzwischen in den Ruhestand versetztete Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers bei der anberaumten Pressekonferenz erklärt, dass "keine Erkenntnisse über die Täter vorliegen". 'Dies steht jedoch im Widerspruch zu Aussagen von Polizisten, die sich gegenüber der "Welt am Sonntag“ äußerten und angaben, dass zahlreiche Personen kontrolliert und auch teilweise in Gewahrsam genommen wurden. Demnach wurden 100 Personen kontrolliert - und die Beamten gaben an: "Nur bei einer kleinen Minderheit handelte es sich um Nordafrikaner, beim Großteil der Kontrollierten um Syrer." Weiter gaben die Polizisten an: "Vorrangig ging es den meist arabischen Tätern um die Sexualstraftaten oder, um es aus ihrem Blickwinkel zu sagen, um ihr sexuelles Amüsement. Eine Gruppe von Männern umkreist ein weibliches Opfer, schließt es ein und vergreift sich an der Frau."

Arnold Pickert, der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei von Nordrhein-Westfalen, erklärte zudem, "den Kollegen zufolge wurden von mehreren der kontrollierten Männer Meldebescheinigungen des Bundesamts für Migration vorgelegt. Da waren ganz sicher Flüchtlinge unter den Tätern." Laut Recherchen des "Kölner Stadtanzeigers", war der Polizei bereits früh in der Silvesternacht klar, dass sich auch Männer aus Syrien, dem Irak und Afghanistan in dem Pulk vor dem Kölner Hauptbahnhof befanden - und, dass sich diese erst seit kurzem in Deutschland aufhalten.

Nun gilt es zu klären, ob die Polizei bewusst die Herkunft der Täter aus „politischen Gründen“ zurückgehalten hat. Der "Kölner Stadtanzeiger", berichtet unter Berufung auf die erste polizeiinterne Abschlussmeldung des Einsatzes über angebliche Unstimmigkeiten zwischen dem verantwortlichen Dienstgruppenleiter und dem zuständigen Einsatzleiter: Demnach wollte der Dienstgruppenleiter die Herkunft von kontrollierten Männern bewusst verschweigen, weil dies "politisch heikel" sei - der Einsatzleiter habe hingegen darauf gedrängt, die Herkunft in dem polizeiinternen Bericht zu nennen.

Personen von Polizeipräsenz "völlig unbeeindruckt"

In weiteren Polizei-Dokumenten, die dem „Kölner Express“ und dem "Kölner Stadtanzeiger“ vorliegen, sei hingegen klar kommuniziert worden, dass sich schon gegen 21 Uhr "etwa 400 Flüchtlinge"  vor dem Kölner Hauptbahnhof aufhielten. Dem Bericht eines  Hundertschaftsführers nach, feierten die Personen "erheblich alkoholisiert unter massiver Verwendung von Feuerwerkskörpern". Um kurz vor 23 Uhr hatten sich "mehrere tausend Personen mit Migrationshintergrund, vermutlich mit Flüchtlingsbezug" versammelt. Die Personen haben sich von der Polizeipräsenz "völlig unbeeindruckt" gezeigt. Weiter heißt es in dem Dokument: "Der überwiegende Teil der überprüften Personen hatte sich lediglich mit dem Registrierungsbeleg als Asylsuchender des BAMF ausgewiesen. Ausweispapiere lagen nicht vor."

In einem weiteren Einsatzprotokoll der Bundespolizei wurde die Aussage eines kontrollieren Mannes festgehalten, der den Beamten angeblich sagte: "Ich bin Syrer, ihr müsst mich freundlich behandeln. Frau Merkel hat mich eingeladen."

In der Koalition wird mittlerweile über schärfere Regeln für die Ausweisung von Asylbewerbern diskutiert. Bundesinnenminister Thomas de Maizière sagte der "Rheinischen Post": "Wir müssen alles dafür tun, dass sich solche Vorfälle nicht wiederholen." Dies beinhalte vorbeugende Aufklärung, mehr Videoüberwachung auf Plätzen, sowie Präsenz auf der Straße und harte Strafen. Dies beinhalte auch, dass ausländische Straftäter bei erheblichen Straftaten aus Deutschland ausgewiesen würden.

Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner forderte einen offenen Umgang mit der Herkunft der Täter. Wenn es "tendenziell auffällig" sei, dass Frauen von manchen Männern, die mit einem anderen Geschlechterbild aufgewachsen seien, als "Freiwild" gesehen würden, müsse dies im Interesse der Integration klar benannt werden, sagte sie am Freitag im ZDF-"Morgenmagazin". Das habe nichts mit Pauschalisierung zu tun. "Wenn man sich nicht korrekt verhält, dann muss das benannt werden", sagte sie. "Und dabei ist es eigentlich egal, wo jemand herkommt. Opfer sind Opfer, Täter sind Täter und jeder ist vor dem Recht gleich."

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