Startseite

Harte Strafen für Alex-Schläger

Was genau geschah, als Jonny K. bei einer Prügelei am Alexanderplatz starb konnte auch ein Berliner Gericht nicht klären. Sechs junge Schläger wurden dennoch zu hohen Haftstrafen verurteilt.

Von Werner Mathes

Wegen Körperverletzung mit Todesfolge wurde der 20-jährige Onur U. zu einer Jugendhaft von viereinhalb Jahren verurteilt – der ehemalige Amateurboxer soll die Schlägerei am Berliner Alexanderplatz angefangen haben, bei der der Schüler Jonny K. so schwer verletzt wurde, dass er am nächsten Tag an einer Gehirnblutung starb. Die fünf Mitangeklagten erhielten Haftstrafen bis zu zwei Jahren und acht Monaten. Der Vorsitzende Richter sprach in der Urteilsbegründung von einer "Mischung aus Dummheit, Arroganz, Unverschämtheit und Aggressivität".

Jonny K. und Gerhardt C., der Lebensgefährte von Jonnys Schwester Tina, hatten in der Nacht zum 14. Oktober 2012 im Club "Mio" unter dem Berliner Fernsehturm in ihrer Clique zwei Geburtstage gefeiert und dabei vor allem Wodka getrunken. Gegen 3.45 Uhr beschlossen sie, ihren volltrunkenen vietnamesischen Freund Ngoc endlich nach Hause zu bringen. Gerhardt C. nahm Ngoc auf den Rücken, Jonny K. hielt ihn fest, während ein weiterer Kumpel schon losgelaufen war, um ein Taxi am benachbarten Roten Rathaus zu organisieren.

Vor einem Eiscafé an der Rathausstraße trafen sie dann auf die andere Gruppe, die aus dem "Cancun" nebenan kam: sechs junge Männer türkischer und griechischer Herkunft im Alter von 19 bis 24 Jahren. Als Gerhardt C. den bezechten Ngoc auf einen Stuhl setzen wollte, soll Onur U. die Stuhllehne weggezogen haben, sodass C. strauchelte und mit Ngoc zu Boden ging. Daraufhin soll sich Jonny K. mit erhobenen Armen vor Onur U. gestellt, "Ey" gerufen und dessen Schulter ergriffen haben.

Am Ende lag Jonny K. bewusstlos am Boden, er musste reanimiert werden und erwachte nicht mehr aus dem Koma. Am nächsten Tag starb der 20-jährige Thai-Deutsche an einer Hirnblutung.

Gericht konnte Geschehen nicht lückenlos aufklären

Was in jener Nacht genau passierte, wer wen schlug und trat und wie Jonny K. zu Tode kam, sollte vor der 9. Jugendstrafkammer des Berliner Landgerichts geklärt werden. Der Vorsitzende Richter Helmut Schweckendieck sagte nun: "Es hat sich eine Tragödie abgespielt, bei der ein hilfsbereiter junger Mann ohne Anlass sein Leben verlor." Das Geschehen habe aber nicht lückenlos geklärt werden können. Die Angeklagten hätten nicht alles zu ihrer Tatbeteiligung gesagt. Doch Onur U. habe den ersten Schlag gesetzt - einen wuchtigen Faustschlag ins Gesicht - und damit das Signal für die Gruppe zum Zuschlagen gegeben. Es habe mindestens drei Fußtritte gegeben, als Jonny schon am Boden gelegen habe.

Auch nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat der Amateurboxer Onur U. die Schlägerei angefangen. Die anderen Mitangeklagten gaben zwar zu, auch geschlagen und getreten zu haben, aber für Jonnys Tod seien sie nicht verantwortlich. Keiner will auf den bereits am Boden liegenden Jonny eingetreten haben.

Weil es zunächst danach ausgesehen hatte, dass Jonny K. mit entsetzlicher Brutalität totgeschlagen und -getreten worden war, begann die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen Mordes. Eine Anklage wegen Mordes oder Totschlags aber erhob sie nicht, weil sich der dafür erforderliche Tötungsvorsatz aufgrund der gerichtsmedizinischen Untersuchungen und der übrigen Ermittlungen nicht bestätigen ließ. Den Männern aus dem "Cancun" wurde Körperverletzung mit Todesfolge, gefährliche Körperverletzung und Beteiligung an einer Schlägerei vorgeworfen.

Bei der Obduktion des Toten fanden sich laut Protokoll im Kopfbereich "Zeichen stattgehabter stumpfer Gewalteinwirkung" – und zwar "in der Kopfschwarte im Hinterhaupt links und in der rechten hinteren Scheitelregion". Das rechtsmedizinische Gutachten lässt allerdings offen, welche dieser Verletzungen durch Schläge oder durch Sturz entstanden sind. Denn im Lauf der gewalttätigen Auseinandersetzungen hatte Jonny, in dessen Blut eine Alkoholkonzentration von 1,57 Promille festgestellt worden war, laut Anklage den sicheren Stand verloren, war mit dem Hinterkopf wuchtig auf dem Straßenpflaster aufgeschlagen und besinnungslos liegen geblieben. Auch vor Gericht konnte nicht mit Sicherheit geklärt werden, was die Hirnblutung verursachte.

Vorgespielte Reue?

Oberstaatsanwalt Michael von Hagen hatte in seinem Plädoyer für Onur U. höhere Haftstrafen gefordert: für Onur U. fünfeinhalb Jahre, für die übrigen Angeklagten Haftstrafen zwischen zweieinhalb und drei Jahren. Er berief sich vor allem auf die Aussage von Gerhardt C., der ausgesagt hatte, Onur U. habe zuerst Jonny K. geschlagen. Dessen Verteidiger Axel Weimann widersprach dem Oberstaatsanwalt: Gerhardt C. habe kurz nach der Tat keine genaue Täterbeschreibung abgeben können, erst später, nach der Veröffentlichung von Fotos von Onur U. in der Presse, habe er seine ersten Aussagen ergänzt. Das sei nicht glaubhaft. Gerhardt C. fühle sich schuldig, weil er den kleinen Bruder seiner Freundin, die damals zu Hause blieb, nicht habe beschützen können – jetzt suche er in Onur U. einen Hauptschuldigen. Ähnlich soll sich auch Jonnys Schwester Tina geäußert haben: "Er wirft sich bis heute vor, dass er nicht genug getan hat, um Jonnys Tod zu verhindern." Wenn sie in dieser Nacht dabei gewesen wäre, hat sie mal gesagt, "dann würde Jonny heute mit Sicherheitnoch leben".

Onur U. hatte sich, wie die anderen Mitangeklagten, am vorletzten Prozesstag bei Jonnys Schwester entschuldigt: "Ich wollte dir, Tina, und deiner Familie mein Beileid aussprechen und bekunden, wie leid mir das alles tut." Tina K. nahm die Entschuldigungen allerdings nicht an: "Die sagen das nur, um ihren eigenen Arsch zu retten."

mit DPA

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Zu hohe Inkassogebühren, rechtens?
Hallo, ich habe am 20 März 15 einen Vertrag über 12 Monate mit einem Fitness-Studio abgeschlossen. Die Kosten (9,98 € 14-Tägig, 39,99€ Verwaltung einmalig, 19,99 Trainer und Servicepauschale Jährlich) sollten per Einzugsermächtigung abgebucht werden. Kürzlich bekam ich überraschend einen Brief von einem Inkassobüro mit der Zahlungsaufforderung für die gesamten 12 Monate inkl. der Verwaltung und Servicepauschale + Auslagen des Gläubigers (63,38€), Zinsen (1,42€), Geschäftsgebühr (45€), Auskunftskosten (5€) , Auslagenpauschale (9€) Hauptforderung 320,28€ Offene Forderung 444,08€ Nach dem ich mich bei der Firma erkundet habe, sagten sie mir, dass Zahlung zurückgegangen ist da mein Konto nicht gedeckt sei. Fakt war das sie einen Zahhlendreher in der Kontonummer hatten obwohl im meinem Durchschlag die Richtige Kontonummer angegeben wurde. Aber im Original hat jemand aus einer 3 eine 8 geändert. Nach Überprüfung konnte ich Feststellen das es diese Kontonummer gar nicht gibt und das diese vom System gar nicht angenommen wird. Spätestens da hätte man mich doch hinweisen oder fragen können was mit dem Konto sei. Es kam nie ein zu einem Zahhlungsrückgang, noch zu einer Zahlungserinnerung Mahnung seitens des Fitnessstudios. Die AGB´s habe ich nie zu Gesicht nie bekommen und auch nicht gelesen - diese stehen (nach meiner Recherche) im Internet aber auch nicht definiert wie man in Zahlungsverzug kommt. Leider habe ich unterschrieben das sie mir bekannt sind. Dies steht ganz kleingedruckt im Durchschlag. Ich habe der Firma vorgeschlagen die offenen Beiträge bis jetzt zu bezahlen und für die Zukunft eine neue Einzugsermächtigung zu erteilen, was sie aber abgelehnt haben und mir gesagt haben ich soll dies mit dem Inkassobüro klären. Der Fitnessvertrag ist somit gesperrt seit einem Monat. Da ich aber mit den Gebühren, Mahnspesen von dem Inkassobüro nicht einverstanden bin weiß ich nicht ob ich diese bezahlen muss. Ich habe dem Inkassobüro auch vorgeschlagen die offenen Beiträge zu begleichen und diese dann wie vertraglich vereinbart abgebucht werden. Sie haben mir angeboten diese in einem Jahr zu einem monatlichen Beitrag von 35€ abzuzahlen. Dies währen Mehrkosten von 100€, ist das rechtens? Bitte Antworten sie mir in einer Sprache die ich auch versteh - mit langen Gesetzestexten kann ich leider nicht umgehen Und was Sie denken was ich tun soll was rechtens ist. Vielen Dank im Voraus

Partner-Tools