Zur mobilen Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere Darstellung
auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
Startseite

Der Fall Strauss-Kahn - die wichtigsten Fakten

Versuchte Vergewaltigung, Nötigung, Freiheitsberaubung - nur drei von sechs Vergehen, die Dominique Strauss-Kahn vorgeworfen werden. stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen zum Fall des IWF-Chefs.

Von Niels Kruse

Was genau wird Dominique Strauss-Kahn vorgeworfen?

Insgesamt werden dem Noch-Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) sechs Straftaten zur Last gelegt: Darunter sexuelle Belästigung ersten Grades, versuchte Vergewaltigung, sexueller Missbrauch und Nötigung und Freiheitsberaubung.

Der 62-Jährige soll versucht haben, ein Zimmermädchen in einem Luxushotel in New York zu oralem Sex zu zwingen. Außerdem habe der IWF-Chef versucht, die Frau zu Vaginal-Verkehr zu zwingen. Weitere Anklagepunkte betreffen Vorwürfe, Strauss-Kahn habe die Frau zu sexuellen Handlungen genötigt und ihren Intimbereich berührt.

Wird Frankreich diplomatische Schritte zugunsten Strauss-Kahns einleiten?

Vermutlich nicht. Denn obwohl der Franzose als Chef des IWF einen wichtigen und herausgehobenen Posten bekleidet, genießt er in den USA keine diplomatische Immunität. Grund: Die UN-Konvention, die auch Repräsentanten von sogenannten Spezialisierten Agenturen - wie der IWF eine ist - die gleichen Schutzrechte wie Diplomaten einräumt, wurde von den Vereinigten Staaten nicht unterzeichnet. Der 62-Jährige wird also in New York juristisch wie ein Privatmann behandelt.

Ist es üblich, dass in den USA Verdächtige im Gerichtssaal gefilmt werden dürfen?

Das hängt vor allem vom Richter ab, nicht jede Verhandlung darf in den USA gefilmt werden. Auch in Deutschland ist es nach einer Entscheidung des Verfassungsgerichts grundsätzlich möglich, Gerichtsverfahren zu filmen. Im Fall von Dominique Strauss-Kahn hatte die zuständige Richterin TV-Kameras und Fotografen im Gerichtssaal zugelassen. Die Verhandlung der Jury über den Fall wird dagegen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

Wie sieht seine mögliche Verteidigungsstrategie aus?

Dominique Strauss-Kahns Verteidiger plädierten nach der ersten Anhörung auf nicht schuldig. Nach Angaben des Boulevardblattes "New York Post", das sich auf die Verteidigung beruft, soll er "einvernehmlichen Sex" eingeräumt haben. Die Pariser Tageszeitung "Le Figaro" zitiert einen US-Juristen, der das völlige Abstreiten eines sexuellen Annäherungsversuchs an ein Zimmermädchen für die am wenigsten wahrscheinliche Option hält. "Er könnte dafür plädieren, dass sie sein Verhalten falsch interpretiert hat, dass er sie nur anmachen wollte und sie das falsch verstanden hat", sagte der New Yorker Strafrechtsexperte Evan Barr dem Blatt. Auch könne Strauss-Kahn behaupten, dass das Zimmermädchen ebenfalls interessiert gewesen sei.

Welches Strafmaß erwartet ihn?

Auf alle Taten steht eine maximale Strafe von mehr als 74 Jahren Gefängnis, weil sämtliche Delikte im schlimmsten Fall zusammengerechnet werden. Allein die Vorwürfe des erzwungenen Oral- und Analverkehrs könnten jeweils 25 Jahre Gefängnis bedeuten. Wegen der mutmaßlichen versuchten Vergewaltigung droht Strauss-Kahn eine Einzelstrafe von bis zu sieben Jahren, in den anderen Punkten jeweils mindestens drei Monate Haft und mehr.

Ist dieses Strafmaß auch in Deutschland möglich?

In Deutschland werden die Strafen nur dann aufaddiert, wenn es sich um unterschiedliche, also etwa zeitlich getrennte Fälle handelt. Im Fall von Strauss-Kahn, bei der es sich um "eine" Tat handelt, richtet sich die Strafe nach dem Gesetz, das die schwerste Strafe androht, in diesem Fall die Vergewaltigung, auf die bis zu 15 Jahre Haft steht", wie der Frankfurter Anwalt und Spezialist für Sexualdelikte, Martin Barduhn sagt. Auf Freiheitsberaubung steht bis zu fünf Jahren Haft, auf gefährliche Körperverletzung bis zu zehn Jahren Haft.

Wie geht es im Fall Strauss-Kahn jetzt weiter?

Die Vorwürfe gegen den Franzosen wiegen so schwer, dass eine sogenannte Grand Jury das Beweismaterial prüfen wird und die Zeugen anhört, anschließend wird eine formelle Anklage beschlossen. Die Geschworenen müssen bis spätestens Donnerstag, den 19. Mai zusammentreten, für Freitag ist bereits der erste Gerichtstermin angesetzt. Die 16 bis 23 Geschworenen tagen zunächst unter Ausschluss der Öffentlichkeit und in Abwesenheit eines Richters.

Sollte Strauss-Kahn sich schuldig bekennen, sieht das US-Rechtssystem das vor, dass Anklage und Verteidigung ein Strafmaß aushandeln können. Im Gegenzug für sein Schuldeingeständnis erhält der Beschuldigte dann eine mildere Strafe. Bleibt der IWF-Chef dagegen bei seiner Aussage, unschuldig zu sein, wird der Fall vor einem Geschworenengericht verhandelt. Verteidigung und Anklage werden dann Beweise präsentieren und Zeugen befragen, am Ende muss die Jury ihr Urteil einstimmig fällen.

Dominique Strauss-Kahn als auch Jörg Kachelmann sah man bereits kurz nach ihrer Festnahme mit Bartstoppeln im Gesicht - dürfen sich Häftlinge in Untersuchungshaft nicht rasieren?

Ein Sprecher der Hamburger Justizvollzugsbehörden sagte stern.de dazu: "Natürlich dürfen sich Gefangene rasieren. Dazu werden ihnen Einwegrasierer ausgehändigt. Außer, es besteht die Gefahr der Häftling könne sich oder andere mit der Klinge verletzten, was die Ausnahme ist. Allerdings haben Insassen, vor allem wenn sie das erste Mal im Gefängnis sind, in den ersten Hafttagen oft andere Sorgen als ihren Bartwuchs."

mit DPA/AFP/AFP
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools