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Ein Raubmord gegen gesellschaftliche Missstände

Der Ex-Polizist Thomas Wüppesahl will einen Raubmord nur scheinbar geplant haben - um gesellschaftliche Misstände aufzuzeigen. Das Gericht sah das anders und verurteilte ihn nun zu viereinhalb Jahren Haft.

Die Rolle des Bürgerrechtlers, der nur zum Schein einen Raubmord plant, um Missstände im Polizeiapparat und in der Gesellschaft aufzudecken, hat das Gericht ihm nicht abgenommen. Thomas Wüppesahl, ehemaliger Bundestagsabgeordneter und streitbarer "Querdenker" in der Hamburger Polizei, muss für viereinhalb Jahre hinter Gitter. Die Richter der Großen Strafkammer 22 des Hamburger Landgerichts zeigten sich am Donnerstag überzeugt davon, dass Wüppesahl aus finanzieller Not tatsächlich vorhatte, einen Geldtransport in Berlin zu überfallen, dabei einen Geldboten per Genickschuss zu töten und ihm dann mit einem Fleischerbeil den Arm abzuhacken, um in den Besitz des Geldkoffers zu kommen.

Zwei Tage vor seinem 50. Geburtstag ist der einst fähige Wirtschaftskriminalist, Mitgründer der Arbeitsgemeinschaft Kritischer Polizisten, Grünen-Parlamentarier und später fraktionslose Bundestagsabgeordnete damit tief gefallen. "Ich bin sehr guter Dinge, dass ich bald wieder aktiv Dienst versehen kann", hatte Wüppesahl, der sich seit Jahren als "Mobbing-Betroffener" in der Justiz sieht und bislang nach eigenem Bekunden in 35 Strafverfahren verwickelt war, noch vor einer Woche verkündet.

Ein Raubmord als Protest

Da hatte er gerade seine Version der Geschichte erzählt. Er habe den angeblichen Raubmord lediglich als "undurchführbares Gedankenspiel" ersonnen. So wollte er einen früheren Weggefährten, der bei seiner Verhaftung geholfen und als Hauptzeuge im Prozess gegen ihn ausgesagt hatte, als langjährigen Spitzel der Polizei enttarnen, die "pervertierte so genannte Präventionsentwicklung" in der Polizeiarbeit anprangern und die Ignoranz gegenüber Mobbingopfern aufzeigen. Die ganze Enthüllungsstory sollte ein Journalist seines Vertrauens veröffentlichen.

"Die Tat war ein von ihm konstruiertes Scheingebilde, geschaffen in der schon irrwitzigen Annahme, damit einen V-Mann entlarven zu können", sagte Verteidiger Peter Wulf in seinem Plädoyer für einen Freispruch. Es sei Wüppesahls Persönlichkeit, sich immer wieder Feindbilder zu schaffen. "Es gibt zahlreiche, selbstschädigende Verrücktheiten in seiner Biografie", warb Wulf um Verständnis für seinen Mandanten.

Verfolgungswahn und Komplott-Theorien

Die Richter aber folgten der Version des Staatsanwalts, der sogar fünf Jahre Haft gefordert hatte. "Die finanzielle Situation des Angeklagten war prekär, um nicht zu sagen schlecht", sagte der Vorsitzende Richter Gerhard Schaberg. Der Komplott-Theorie von Wüppesahl habe das Gericht in keiner Weise folgen können.

Wüppesahl selber attestierte Polizei und Staatsanwaltschaft "einen regelrechten Verfolgungswahn" bei dem Bemühen, ihn aus dem Dienst zu entfernen. "Jeder kleine Furz, den ich mache, wird sofort zu einer Giftgaswolke aufgebauscht", sagte er vor der Urteilsverkündung.

Sein Verteidiger gab nach der Entscheidung des Gerichts keinen Kommentar dazu ab, ob er eine Revision beantragen will. Wüppesahl selber hatte aber schon zuvor verkündet, dass mit ihm noch zu rechnen sei: "Das nächste Verfahren wird so sicher kommen wie das Amen in der Kirche."

Kai Portmann/DPA/DPA

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