Thor Steinar ist in der rechten Szene ein beliebtes Modelabel - Storch Heinar die satirische Antwort darauf. Jetzt läuft ein Prozess gegen den Storch. Im stern.de-Interview spricht Storchen-Vater Mathias Brodkorb über Kunstfreiheit und Humor als Mittel gegen Rechtsextremismus.
Ja, so sieht es wohl aus. Storch Heinar will deshalb jetzt so schnell wie möglich T-Shirts mit den Aufdrucken "Nürnberg Reloaded" und "Siegerjustiz" auf den Markt bringen. (lacht)
In dem Prozess sollte vor allem die Frage geklärt werden, ob zwischen der Marke Thor Steiner und Storch Heinar Verwechslungsgefahr besteht. Und da hat der Richter ganz klar gesagt, dass wohl niemand Klamotten von Storch Heinar kauft, weil er denkt, es handle sich um die Marke Thor Steinar. Viel schöner finde ich allerdings, dass der Richter auch auf die Kunstfreiheit verwiesen hat. Auch Verfassungsrichter haben in der Vergangenheit festgestellt, dass die Kunstfreiheit ein hohes Verfassungsgut ist und über wirtschaftlichen Interessen stehen kann. Dem hat sich der Richter gestern angeschlossen.
Nur wenn Mediatex ein Urteil bekommt, hat das Unternehmen die Möglichkeit, durch weitere Instanzen zu gehen. Mediatex ist ja als sehr klagefreudig und renitent bekannt.
Vor ein paar Jahren hat in der Rostocker Innenstadt ein Nazi-Laden aufgemacht. In diesem Zusammenhang gab es viele Diskussionen um Thor Steinar. Geboren wurde unser Storch dann in einer Rotweinrunde, in der selbstverständlich nur deutscher Spätburgunder getrunken wurde.
Es ist nicht das geeignete Mittel, aber es ist ein geeignetes Mittel. Es ist ja eine oft vertretene These, man dürfe über Rechtsextremismus nicht lachen. Ich sehe das völlig anders, weil man Rechtsextremisten so zu quasi Unberührbaren macht. Eine wichtige Grenze gibt es jedoch: Wir würden unseren Humor niemals auf die Opfer von Rechtsextremismus ausweiten. Aber die Täter?
Ich kann mich im Moment an keinen Fall erinnern, bei dem jemand Ärger hatte, weil er ein Storch Heinar T-Shirt getragen hat. Aber völlig ausschließen kann man das natürlich nicht.
Von Mediatex selbst bin ich noch nie bedroht worden, von Thor-Steinar-Trägern aber schon. Bei der Beobachtung von Nazi-Demonstrationen wird mir gelegentlich Gewalt angedroht, aber dort ist immer die Polizei in der Nähe und bisher ist nichts passiert.
Im Moment müssen wir davon auch die Verfahrenskosten zahlen. Aber ursprünglich war Storch Heinar neben der Satire dafür gedacht, unsere Initiative "Endstation Rechts" finanziell ein bisschen besser auszustatten. Storch Heinar ist für uns ja nur ein Nebenkriegsschauplatz, wenn ich das mal so sagen darf, und "Endstation Rechts" ist das eigentliche Projekt. Wir haben die Initiative 2006 gegründet, als klar war, dass die NPD im Landtagswahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern antreten würde. Wir wollten jungen Menschen die Möglichkeit geben, sich gegen Rechtsextremismus zu engagieren, auch wenn sie keiner Partei angehören. Seit dieser Zeit dokumentieren wir zum Beispiel mit Hilfe von Videos und Parlamentsaufzeichnungen, wie die NPD in den Landtagen auftritt. Ansonsten machen wir auch Projekttage an Schulen, veranstalten Seminare und nehmen an Demonstrationen gegen Rechtsextremismus teil.
Der Storch hat sich dazu entschlossen, im Falle des ultimativen Endsieges eine Riesenparty zu veranstalten mit Freieierlikör. Den trinkt er ja so gerne. Die Frage ist nur noch, wo wir die Sause veranstalten.
Mehr zur Initiative "Endstation Rechts" und die Mode von Storch Heinar finden Sie hier.