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1. Juli 2011, 13:27 Uhr

Heidi und die Höllen-Schwiegermutter

Schlaf nicht zu lange! Keine Witze über Deine neue Familie! In einer grandios bösen Mail hat eine Britin mit den Manieren ihrer Schwiegertochter in spe abgerechnet - und eine Diskussion entfacht. Von Florian Güßgen

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Die Schwiegermutter in spe: Carolyn Bourne im Garten ihres Hauses im südenglischen Dawlish© Action Press

Der britische "Daily Telegraph" nennt sie die "Schwiegermutter aus der Hölle". Aber ob Carolyn Bourne, 60, Nelkenspezialistin aus Südengland, diesen Titel wirklich verdient, ist heiß umstritten. Sicher ist nur: Bourne, ihr 29-jähriger Stiefsohn Freddie und vor allem seine Verlobte Heidi Withers sind in den britischen Medien Stars, seitdem der Inhalt einer E-Mail im Internet kursiert, die Bourne an ihre künftige Schwiegertochter geschickt hat. Betreff: "Dein Mangel an Manieren". Die Mail ist nichts anderes als eine gnadenlose und für Außenstehende höchst unterhaltsame Abrechnung der Stiefmutter mit den Manieren und der Herkunft von Freddies Zukünftiger. Konkret hatte Bourne wohl ein Besuch des Paares im April endgültig auf die Palme gebacht. Die künftigen Schwiegereltern leben in der Kleinstadt Dawlish in der Grafschaft Devonshire.

Verhalten von "atemberaubender Plumpheit"

"Dein Verhalten bei Deinem Besuch in Devon war atemberaubend in seiner Plumpheit und dem Fehlen jedweden Anstands", schreibt Bourne in dem im Internet als "Bourne Ultimatum" - in Anspielung auf den gleichnamigen Film - getauften Text. Es sei an der Zeit, dass jemand Heidi über gute Manieren aufkläre, wenn es schon Freddie nicht tue. Sie empfiehlt den Besuch einer Benimmschule, gibt ihr aber schon mal mit deutlichen Worten eine Art Knigge an die Hand. Heidi solle nicht lange im Bett bleiben, wenn Sie bei anderen Leuten zu Gast sei, sie solle beim Essen warten, bis sie einen Nachschlag angeboten bekomme, solle nicht groß erklären, was sie nun esse oder nicht, keine Witze über ihre neue Familie machen, schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Heidi ziehe unangemessen Aufmerksamkeit auf sich, indem sie über ihre Erkrankung an Diabetes spreche. Außerdem tadelt Bourne, dass Withers offenbar eine Hochzeit plane, die jenseits ihrer finanziellen Möglichkeiten liege: "Niemand heiratet in einem Schloss, außer er besitzt es. Das ist dreistes Schickimicki-Verhalten." Unverhohlen bemängelt Bourne, dass Withers' Eltern die Hochzeit nicht bezahlen können. Man möge meinen, dass Eltern für die Hochzeiten ihrer Kinder etwas zurückgelegt hätten, schreibt sie. Man könne den Eindruck gewinnen, dass "Heidi Withers sich selbst auf die Schulter klopft, dass ihr ein so in jeder Hinsicht attraktiver junger Mann ins Netz gegangen ist", schreibt Bourne. Und endet mit dem vernichtenden Satz: "Mir tut Freddie leid." Hier können Sie eine deutsche Übersetzung des gesamten Briefs nachlesen.

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Die Schwiegertochter in spe: Heidi Withers© South West News Service

Nicht gut genug für den Zuckerbuben

Withers, die in London als persönliche Assistentin arbeitet, war von der Mail wohl etwas überrumpelt. Sie schickte die Mail, die ihre Schwiegermutter in spe offenbar insgesamt drei Mal an sie gesendet hatte, an eine Freundin weiter. Irgendwie fand der Text dann seinen Weg ins Netz. Die Mail wirkt in ihrer fast schon befreienden Ehrlichkeit wie eine Fälschung, offenbar ist sie aber authentisch. Nun wird im Netz, aber auch in TV-Shows in Großbritannien, über das durchaus delikate Verhältnis von Schwiegermüttern und den Liebsten ihrer Zuckerbuben diskutiert. Was gehört sich? Was gehört sich nicht? Was darf eine Schwiegermutter erwarten? Hat Carolyn Bourne mit ihrer Tirade vielleicht sogar recht? Es ist ein Thema, das eigentlich fast jeden angeht, zumal Bourne unverhohlen deutlich macht, dass sie Withers für die falsche Wahl hält und ihr Freddie eigentlich in einer anderen, einer besseren Liga spielt. In einem Medien-Blog der BBC wird angemerkt, dass es in den britischen Medien eine klare Zweiteilung gebe - in ein "Team Bourne" und ein "Team Heidi". Dabei entspricht Bourne, die laut "Daily Telegraph" bereits das dritte Mal verheiratet ist, scheinbar dem Klischee eines blumig bekleideten Schwiegermutter-Albtraums mit Hang zur Blockwart-Mentalität. Wenn Sie nicht gerade als Horror-Schwiegermutter Medienthema ist, arbeitet sie bei einem Blumenzüchter, der auf seiner Webseite von sich behauptet, der "führende Züchter und Vertreiber von Nelken" zu sein - "mit einem weltweiten Ruf für Qualität". Eine Pflanze der Nelkensorte "Pretty Flamingo" gibt's auf der Seite für schlappe 1,50 britische Pfund, etwa 1,66 Euro.

20.000 Euro für eine Heirat auf dem Schloss

Laut "Daily Telegraph" ist die Hochzeit von Heidi Withers und Freddie Bourne für den Oktober geplant. Sie soll im Schloss Berkeley Castle in Gloucestershire stattfinden - und 18.000 britische Pfund kosten, knapp 20.000 Euro. Ob und was genau die Eltern Freddies von diesen Kosten übernehmen sollten, ist nicht bekannt. Das Paar lebt im Südwesten Londons, dort betreibt Freddie offenbar einen Online-Shop für Fahrräder.

Seitdem die E-Mail im Netz kursiert, hat die Familie sich geschlossen den Medien verweigert. Weder Freddie, sein Vater, seine Stiefmutter, seine Mutter noch die Braut hatten laut Angaben des "Guardian" und anderer britischer Medien etwas zu der Angelegenheit gesagt. Am Donnerstagabend dann schlug jedoch der Vater der jungen Frau zurück. Heidis Papa Alan Whithers sagte laut "Guardian", dass die gute Frau Bourne den Withers schon lange wegen ihrer vermeintlich hochnäsigen Art aufgefallen wäre - und sie sich offenbar für etwas Besseres halte. Deshalb habe man sie kurzerhand "Miss Fancy Pants" genannt - das Fräulein mit den teuren Hosen.

Laut anderen Medien attackiert der Vater die Fast-Verwandte recht derb. Der "Guardian" zitiert die eher gewählteren Worte. Die Tonlage der E-Mail habe ihn überrascht, sagte Vater Withers demnach. Er habe Carolyn Bourne und ihren Mann Edward im vergangenen Jahr zu einem Dinner in einem Pub in London getroffen. Edward sei sehr umgänglich gewesen, Carolyn dagegen sei hochnäsig aufgetreten. Das Geschehene sei sehr traurig. Aber er sehe keinen Sinn darin, sich nun einzumischen. Die E-Mail sei drei Mal an seine Tochter geschickt worden. Heidi hätte ihre Eltern um Rat gebeten, bevor sie und ihr Verlobter geantwortet hätten. Im Hinblick auf die Vorwürfe, dass er und seine Frau Sylvia nicht für die Hochzeit zahlen könnten, sagte Whithers laut "Guardian", dass er und seine Frau im Januar ihre Arbeitplätze verloren hätten - nur seine Frau habe mittlerweile wieder einen Job. Das hätte Bourne wohl nicht gewusst. "Um ehrlich zu sein", sagte Whithers. "Wo und wie Heidi und Freddie heiraten, geht Carolyn nichts an. Wir hoffen nur, dass die beiden einen wunderschönen Tag erleben und zusammen glücklich werden."

Von Florian Güßgen
 
 
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