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Der Feind ist Journalist

Wie denkt die deutsche Wirtschaftselite? Eine Studie über Manager zeigt: Sie wählen konservativ, Gewerkschaftler und SPD halten sie für harmlos, ein anderer Berufsstand ist ihnen ein Dorn im Auge.

Von Wigbert Löer

  Für die deutsche Wirtschaft sind die Medien der größte Feind

Für die deutsche Wirtschaft sind die Medien der größte Feind

Man kennt sie aus Interviews, und die lesen sich meistens recht hübsch: Wenn Deutschlands Wirtschaftskapitäne Medien längere Gespräche gewähren, kommen sie dabei meistens ziemlich gut rüber. Und wirken, als seien sie vor allem am Allgemeinwohl interessiert. Das Göttinger Institut für Demokratieforschung hat heute in Berlin eine Studie vorgestellt, die tiefer schürft: 160 Manager, Gesellschafter, Vorstandsvorsitzende, Betriebsdirektoren und Unternehmer gaben Auskunft zu ihrem Bild von Politik und Gesellschaft – und auch zu ihren Wertvorstellungen.

Portrait der Wirtschaftselite dieses Landes

Das Forscherteam um den Politikwissenschaftler Franz Walter arbeitete zuletzt die Pädophilie-Vergangenheit der Grünen auf. Die neue Untersuchung, die auch als Buch erscheint (Franz Walter/Stine Marg (Hg.): Sprachlose Elite? Wie Unternehmer Politik und Gesellschaft sehen, 352 Seiten, Rowohlt), zeichnet ein intensives Portrait der Wirtschaftselite dieses Landes. Dabei wurden nicht nur die Einstellungen prominenter Manager bundesweit bekannter Unternehmen abgefragt und analysiert. Auch Leiter mittelständischer Unternehmen gaben Antwort.

Der stern zeigt die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

• Rechts der Mitte:

Politisch verortete sich fast jeder Zweite rechts der Mitte. Mehr als die Hälfte, 55 Prozent, haben 2013 CDU oder CSU gewählt. Auftreten und Erscheinungsbild der FDP fanden viele Manager in den vergangenen Jahren zwar eher peinlich. Dennoch befürworten die wenigsten, dass die Partei nicht mehr im Bundestag vertreten ist. Viele fühlen sich parteipolitisch heimatlos.

• Keine Angst vor Klassenkämpfern:

Die Unternehmer offenbarten kein negatives Bild von Gewerkschaftern, eher hoben sie den Realitätssinn der Arbeitervertreter hervor. Die deutsche Sozialdemokratie macht ihnen allemal keine Angst mehr. Der letzte SPD-Kanzler, Gerhard Schröder, genießt bei den befragten Wirtschaftsführern sogar Heldenstatus.

• Der Feind ist Journalist: In den Befragungen wurden die Unternehmer auch auf "die Medien" angesprochen – und zeigten in ihrer großen Mehrheit klare Kante. Medien "pauschalisieren", "skandalisieren", "betreiben Hetzjagden", "treten Lawinen los", "schlachten Menschen", "vernichten Lebensleistungen", "schmeißen mit Dreck". Nirgendwo sonst, schreiben Franz Walter und Stine Marg in einem Resümee, fielen die Charakterisierungen und Etikettierungen der Unternehmer so martialisch aus, "oft geradezu mit tiefer Verachtung und größter Abscheu ausgespien".

• Keine Politikerverachtung: Berufspolitiker werden eher bedauert als belächelt oder gar abgelehnt. Und, so sehen es die Manager: Sie verdienen zu wenig.

• Politikverachtung:

"Allein der Gedanke, Fraktionsdisziplin zu üben, ist ihnen ein Gräuel", schreiben Walter und Marg. Die Wirtschaftselite kann sich kein Engagement in der Politik vorstellen. Sie glauben, dass sich schlicht nichts zu bewegen lasse, dass inhaltlich Qualität in langwierigen Prozessen vernichtet werde.

• Demokratie = Rechtsstaat: Demokratie setzen Deutschlands Wirtschaftsführer in erster Linie nicht mit "Herrschaft des Volkes" gleich. Der breiten Masse trauen sie ohnehin nicht zu, rational zu entscheiden. Wenn sie sich positiv über die Demokratie äußern, meinen Unternehmer den Rechtsstaat. Den schätzen sie, auch als Garanten für ihr berufliches Tun. In den Befragungen wurde auch Faszination für ein Land wie China deutlich. Dort wird schnell entschieden und schnell gehandelt, das ist der Eindruck der Manager. Sie begrüßen das.

• Work = Life: Dies allerdings kennt man auch aus herkömmlichen Interviews – die Manager feierten sich für ihren hohen zeitlichen Einsatz. Sie betonten, immer alles für das Unternehmen zu geben. Die Forscher konfrontierten sie mit dem Begriff "Work-Life-Balance". Dafür hatten die Befragten nur Hohn übrig. Die Arbeit setzen sie dem Leben gleich, eine Trennung existiert für sie nicht.

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