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10. Dezember 2007, 20:27 Uhr

"Lebenslänglich" für öffentliche Hinrichtung

Es war eine erbarmungslose Tat. In der Schalterhalle des Stuttgarter Flughafens erschoss der ehemalige Türsteher Avdyl L. seine Exfrau - vor Dutzenden unfreiwilligen Zeugen. Jetzt wurde er wegen besonders heimtückischen Mordes verurteilt. Im Gerichtssaal prallten zwei Welten aufeinander. Von Jörg Isert

Avdyl L. wurde wegen heimtückischen Mordes an seiner Frau verurteilt© Michael Latz/DDP

Am Ende hat Avdyl L. getan, was ein Mann tun muss. Nein: Was er dachte, was ein Mann tun muss. Am 31. März dieses Jahres machte sich der 32-jährige Kosovo-Albaner mit einem Mietwagen auf zum Flughafen Stuttgart. Zum gleichen Zeitpunkt wie seine 25-Jährige Exfrau. Suzana L. wollte zu ihren beiden kleinen Töchtern nach Pristina fliegen. Avdyl L. hatte andere Pläne. Es ging ihm um seine Ehre, die er verletzt wähnte. Zuerst die Flucht der Frau aus der gemeinsamen Wohnung im fränkischen Elsenfeld. Die Scheidung. Und schließlich ihr Beharren darauf, wieder Kontakt zu ihren beiden Töchtern aufzunehmen. Avdyl L. hatte sie aus Deutschland in den Kosovo gebracht.

Ganzes Magazin leergefeuert

Kurz vor halb sechs Uhr früh kam Avdyl L. am Flughafen an. In einem Tunnel zum Terminal 4 begegnete er seiner Exfrau das erste Mal. Da hatte Avdyl L. schon die Patrone im Lauf seiner russischen Pistole - und sieben weitere im Magazin. Suzana L. informierte einen Polizisten über die Begegnung: Ihr Ex-Mann habe böse geschaut. Weitere Sorgen machte sie sich nicht. Schließlich war sie am Flughafen. Hunderte Menschen, Kameras, Polizei - was sollte da schon schon passieren?

Die letzten Worte die Suzana L. in ihrem Leben sprach, gingen an ihre Verwandten, die sie begleiteten: "Der will sehen, ob ich alleine fliege." Da befand sich die junge Frau vor dem Check-In-Schalter, um sie herum waren etwa einhundert Menschen. Und einen Meter von ihr entfernt stand ihr Ex-Mann. "Um 6.10 Uhr hielt er seine Zeit für gekommen", sagte achteinhalb Monate später der Vorsitzende Richter am Landgericht Stuttgart. Wegen heimtückischen Mordes aus niedrigen Beweggründen verurteilt er Avdyl L. zu lebenslanger Haft. Und: "Die Schuld wiegt besonders schwer."

Suzana L. fühlte sich sicher

Was am 31. März am Stuttgarter Airport geschah, kam einer öffentlichen Hinrichtung gleich. Mitten in der Schalterhalle zückte Avdyl L. seine Waffe und feuerte den ersten Schuss ab. Die Patrone traf die Handtasche, die Wirbelsäule, das Rückenmark seiner Exfrau. In dieser Reihenfolge. Vor den Augen von entsetzten Anwesenden, die in Geschäfte flüchteten oder sich auf den Boden warfen - und die teilweise bis heute traumatisiert sind.

Danach habe Avdyl L. seiner Ex-Frau "das Magazin in den Kopf gepumpt", so der Richter. Ein Streifschuss traf einen Unbeteiligten. Zuletzt spuckte Avdyl L. auf seine am Boden liegende, tote Exfrau. Seine Flucht nahm ein schnelles Ende. Schon auf dem Parkplatz des Flughafens wurde er festgenommen, in seinem Mietwagen sitzend. Avdyl L. hatte seine Mission erfüllt: Er hatte, so empfand er es, seine Ehre wiederhergestellt. Vor seinen Freunden, ja vor der ganzen Welt.

Heirat nach fünf Tagen

Avdyl L. sitzt bei der Urteilsverkündung regungslos im Gerichtssaal. Er hat die Hände gefaltet und vor den Mund gelegt. Er ist ein leicht stämmiger junger Mann, der nun mindestens 15 Jahre in einer Haftanstalt verbringen wird. Ein Mann, der aus einer anderen Welt kommt: Am 12. November 2000 wurden ihm im Kosovo mehrere Frauen vorgestellt. Avdyl L. suchte sich Suzana L. aus. Am 15. November war Verlobung, am 17. November die Heirat. Eine "Liebesheirat", behauptete der geständige Angeklagte im Prozess. "Eine arrangierte Ehe, aber keine Zwangsheirat", hieß es im Prozess.

Als Suzana L. zwei Jahre später nach Deutschland kam, konnte sie kein Wort Deutsch. Ihr Leben bestand daraus,den Ehemann zu bedienen. Der Disko-Türsteher vergnügte sich derweil manchmal mit anderen Frauen. Suzana L. bekam zwei Kinder und hatte zwei Fehlgeburten. Vermehrt kam es zu Übergriffen von Avdyl L. auf die Ehefrau. Es kam auch zu Vergewaltigungen, zu Schlägen. 2006 hatte Suzana L. das Martyrium satt. Der Flucht vor dem Ehemann ins Frauenhaus folgte die Scheidung. Die junge Frau wandte sich an eine Anwältin: Um das Sorgerecht für die kleinen Töchter zu bekommen, die bis heute im Kosovo sind. Sie stellte Strafanzeige wegen Körperverletzung und Vergewaltigung. Und: Sie lernte Deutsch.

Angeklagter bestreitet Misshandlungen

Er habe seiner Frau "nur Ohrfeigen gegeben", sagte Avdyl L. während des Prozesses. Und ja, auch das stimme, einmal diese zwei Faustschläge. Ansonsten stellte er sich als das Opfer von Verleumdungen dar. Misshandlungen? Nein. Vergewaltigungen? Nein. Vielmehr sei er es gewesen, der Angst gehabt hätte, Suzana könne den gemeinsamen Kindern etwas antun. Deshalb sei er auch zum Flughafen gefahren. Er "wollte nur mit ihr reden". Und die Pistole habe er nur zufällig dabei gehabt.

Wie Avdyl L. vom Flug seiner Exfrau nach Pristina wissen konnte, blieb beim Prozess offen. Sein Verteidiger will Revision einlegen. Die Einschätzung, dass sein Mandant die Ex-Frau mit Absicht vor Publikum hingerichtet habe, hält er für spekulativ. Avdyl L. sei in einem Ausnahmezustand, die "Psychodynamik" an diesem Morgen eine besondere gewesen. Der Richter dagegen meinte in seinem Urteil, dass das Beharren von Avdyl L. auf seinen Ehrgefühlen besonders "verachtenswert" sei, "weil er seit 1991 in Deutschland lebt und integriert ist."

Von Jörg Isert
 
 
KOMMENTARE (10 von 43)
 
demandt (11.12.2007, 11:54 Uhr)
Integriert? Ich lach mich tot!
Ab ins nächste Flugzeug und heimschicken! Ich kann es einfach nicht begreifen, daß so ein Mensch jetzt auch noch 15 Jahre lang auf unsere Kosten verwahrt werden soll!
alwo (11.12.2007, 10:53 Uhr)
DIR
Es wird die Zeit kommen in welcher man wieder eine Mauer errichten wird...diese "Deutsche Islamische Republik" taufen wird und alle religiösen Fanatiker dazu verurteilen wird unter ihresgleichen zu sein. Der Frauenüberschuss wird enorm sein da sich die Moslis gegenseitig die Köpfe einschlagen werden (deshalb wohl die Harems in solchen Ländern) oder der Bestand von Frauen wird auf Null fallen da sie alle ehrengemordet werden weil sie es bei ihrem Gatten nicht aushalten.
Nach einer Generation kann man die Mauer wieder abreissen da niemand mehr übrig bleibt....oder sie bleibt um die Raucher einzusperren.
Ps.: die Christen waren nicht besser.....im Mittelalter !
Alain
Sublucem (11.12.2007, 10:47 Uhr)
Mal Klartext
Als Ausländer gesprochen: Differenziert, bitte.
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Reden wir von offenen Grenzen, dann gibt es kein "geh Heim" und keine "Leitkultur". Entweder ganz oder gar nicht, mit einheitlichen Gesetzen, etc. pp. Das haben wir aber nicht.
Wir haben aber immer noch Grenzen und damit eben auch auf kultureller und rechtsstaatlicher Ebene.
Entweder man kommt hierher und akzeptiert sie und versucht, sich zu integrieren - dazu gehören Sprache und die Kulturakzeptanz - oder ich gehe wieder. Ich muss auch nicht jeden Wert gleichermaßen gut finden - aber es gibt klare Grundregeln, wie das Achten des Lebens als grundrechtlich geschütztes Gut. Wer das nicht akzeptiert ist eben, auch per Gesetzt, verfassungsfeindlich, Punkt.
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Traurig, dass erst ein "Ausländer" Klartext sprechen darf, ohne dass gleich als "Deutsch-Nazi" beschimpft wird. Schade auch, dass nur "Ausländer" darüber frei reden können, ohne dass sie sich dermaßen in die Ecke drängen lassen, sodass sie am Ende zu wirklichen Rechtsradikalen werden (getreu dem Motto: ganz oder gar nicht).
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Dieses Mundhalten und Wegdrängen ist es, was den Rechtsradikalen in die Hände spielt. Die machen es besonders einfach, stellen ein Becken von Pauschalisierungen hin welches absolut keine Logik erfordert und fangen damit all die Seelen auf. Leider.
demokrit (11.12.2007, 10:46 Uhr)
Verwundert?
Wir haben in der Schweiz schon seit 15 Jahren mit diesen Problemen zu kämpfen.
Im Gegensatz zu Deutschland dürfen wie uns aber wehren und haben schon deutliche Verbesserungen bei Integration und der Bestrafung erreicht.
So etwas zu lesen erfüllt mich aber jedes Mal wieder mit Wut und leider auch mit Rachegedanken.
Das aber keine guten Lebensbegleiter.
Mindsplitting (11.12.2007, 10:26 Uhr)
Warum...
Kommen diese Menschen nach Deutschland, fliehen vor ihren eigenen Steinzeitlichen methoden und üben sie hier aus. Ich weis ja sehr wohl, das nicht alle andersgläubige (müssen ja nicht unbedingt moslems sein) so fundamentalistisch sind, es gibt viele die es ernsthaft mit der integration versuchen.
Was mich nur immer und immer wieder aufregt ist das wir die, die sich an unsere gesetze weder anpassen noch etwas mit dem deutschen mann/frau zu tun haben wollen mit samthandschuhen anpacken und nicht raus werfen.
Man könnte damit sicher einiges an steuergeldern retten. Die die sich friedlich verhalten, interesse an unserer Kultur zeigen und sich fest in das gesellschaftliche Leben integrieren sind ja von den meisten aus gesehen herzlich wilkommen. Der rest muss eben gehen, so einfach ist das.
Sublucem (11.12.2007, 10:10 Uhr)
Verwundert bin
Na, rechtsherzlichen vielen Dank für die Kommentare. Es sind alle Muslime gleich - nee, ist klar. Im Ausland wird der Deutsche pauschalisiert, da regt man sich hierzulande - sofern man das überhaupt mitkriegt - auf. Da wird einem ganz schwindlig *grübel*
Clageo (11.12.2007, 09:58 Uhr)
Ist er ein Deutsch-Albaner ?
Ich frage mich ob dieser Mensch in Deutschland geboren wurde. Ist er einer der Nachkommen, die unsere Regierung aus humanitären Gründen während des Balkan-Krieges in Deutschland Zuflucht gewährte? Das Kosovo ist nicht sehr weit weg und doch eine andere Welt, Kultur. Ich befürchte, daß diese Menschen ihre Religion/Kultur bei uns heimisch machen werden !Die Folgekosten darf dann wieder das deutsche Volk tragen.
Styx2007 (11.12.2007, 09:43 Uhr)
Frage der Ehre???
Was ist das bloss für eine wiederliche Gesellschaft, die bei einer solch abartigen Tat von einer "Frage der Ehre" redet?? Gut nur, dass dieses Pack möglichst für immer eingesperrt wird. Wiedereinmal zeigt sich, dass es in diesen "Kulturen" (hier von Kultur zu sprechen, verbietet sich eigentlich sowieso)Einstellungen gibt, die besser zu Höhlenbewohnern gehören. Jedem sollte klar sein, dass diese Leute nie in die abendländische Struktur passen werden und dies auch nie wollen. Für diese Leute darf in diesem Land kein Platz sein, wollen wir nicht zukünftig öfter damit konfrontiert werden. All die Gutmenschen und Multi-Kulti-Figuren möchte ich jetzt mal hören - aber wahrscheinlich ist mal wieder die ach so schwierige Kindheit etc. dafür der Auslöser. Wahrscheinlich haben wir alle aber auch diesem Pack mal wieder nicht genug den A... gepudert und Verständnis gezeigt - eine Frage der Ehre - ein echter Witz! Was soll dieses Pack den für eine Ehre haben, wenn Frauen nichts weiter als Eigentum sind. Echt zum Kotzen - schlimm nur, dass sich diese Typen auch zunehmend hier breit machen. Am besten zurück in die Höhle mit diesen "Ehrenmännern"!
detass (11.12.2007, 09:35 Uhr)
Wie Integration nicht funktioniert.....
macht dieses Beispiel unterschiedlicher Geisteswelten deutlich. All die Geschichten von Hölle und Himmel dienten immer nur der Veranschaulichung eigener Geisteszustände aus denen wir UNSERE Welt erschaffen. Intergation beginnt mit Wissen um diese Zusammenhänge und nicht, wie die Grünen glauben, mit Urlaubserfahrungen in den jeweiligen Ländern. Wir Deutschen scheitern immer mehr am Unverstand und an dem eigenen Mangel an Lebenserfahrung. Was muss noch geschehen um uns aus dem Tiefschlaf zu reißen?
Erklaerbaer (11.12.2007, 08:51 Uhr)
@J.Stahl
Ihre Mäßigung und Differenzierung in allen Ehren.
Aber die Probleme, die eine ganz bestimmte Kultur ständig verursacht sind selbst für mich als Freund von "Multi-Kulti" unmöglich zu ignorieren.
Der Unterschied zwischen unseren Kindstötungen und dieser Tat ist, dass sie hier kulturell geächtet sind, im Hinterwald-Islam aber nicht unbedingt.
Dort beschliesst schonmal der Dorfrat solche Taten.
Es ist zu unserem Problem geworden, weil wir unseren Immigranten nie deutlich gesagt haben, welche Teile ihrer Folklore sie gefälligst an der Grenze abzugeben haben.
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