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27. Juni 2007, 12:24 Uhr

"Jugendliche müssen sich ausprobieren"

Im Interview mit stern.de erklärt Prof. Dr. Peter Struck, Erziehungswissenschaftler an der Universität Hamburg und selbst Vater, warum ein offenes Gespräch mit den Eltern und Vertrauen für Jugendliche auf Reisen mehr helfen als Drohungen.

Gerade im Urlaub fällt es Eltern schwer den Überblick zu behalten, was ihre Kinder so tun oder lassen© Sonya N. Hebert/AP

Herr Struck, wie kann ich als Mutter oder Vater erkennen, ob mein Teenie einen Urlaubsflirt hat?

Überhaupt nicht. Anders als im Fall Marco W. fahren Jugendliche nach dem 14. Geburtstag nur noch selten mit den Eltern in den Urlaub. Und selbst, wenn die nebenan ein Zimmer haben, ist eine Kontrolle unmöglich. Heranwachsenden kann man in diesem Alter auch keine Grenzen mehr setzen oder Vorschriften machen. Besser ist es, sie zu beraten und zu begleiten. Dafür muss aber die Vertrauensbasis stimmen, und die wächst nur langsam und über Jahre von Geburt an.

Es ist also kontraproduktiv, Jugendlichen vor einem Allein-Urlaub mit Drohszenarien in Sachen Sex zu kommen?

Ja, das würde dazu führen, dass das Kind das erst recht macht. Das Problem ist, dass Sex für Erwachsene als etwas Schlimmes begriffen wird. Für Teenies ist es etwas zutiefst Spannendes. Und das müssen sie unbeobachtet von den Erwachsenen selbst ausprobieren. Niemand geht in die Disco, um sich dort zu unterhalten, dafür ist es viel zu laut. Es geht ums Sich-Ausprobieren. Es ist wichtig, dass Teenies den Umgang mit potenziellen Partnern unbeobachtet erlernen können.

Welches ist aus Ihrer Sicht ein besserer Umgang mit der Sexualität der Jugendlichen?

Egal ob im Urlaub oder zu Hause, Sex sollte für Jugendliche mit emotionaler Bindung und Verantwortung zu tun haben. Darüber sollte man ganz offen sprechen, zum Beispiel über Kondome, die ja nicht nur für die Verhütung, sondern auch für den Schutz vor Krankheiten wichtig sind. Aber auch dafür muss das Vertrauen stimmen.

Hätte Marco W. erkennen müssen, dass die junge Engländerin erst 13 ist?

Dazu müsste ich ein Foto von ihr sehen, und das ist bisher nirgends veröffentlicht. Es gibt ja auch in der Schule keinen Unterricht, in dem die Rechtssprechung gelehrt wird und nach dem ein 17-Jähriger genau wüsste, dass er nicht mit einer 13-Jährigen schlafen darf. Das würde auch gar nichts nützen, weil kein Jugendlicher sich erst den Ausweis des anderen zeigen lassen würde. Das anzunehmen wäre realitätsfremd.

Welche Rolle spielt die Mutter der 13-jährigen Engländerin, die Marco W. missbraucht haben soll?

Die entscheidende Rolle. Sie hat den Stein ins Rollen gebracht. Die türkischen Behörden führen jetzt nur aus. Im Übrigen wäre Geschlechtsverkehr zwischen einem 17- und einer 13-Jährigen in Deutschland genauso strafbar, nur dass eine Inhaftierung nicht anzunehmen wäre. Entscheidend ist die Anzeige der Mutter. Unabhängig von diesen Rechtsfragen glaube ich übrigens kaum, dass die Prinzen Harry und William als Teenies Unschuldslämmer gewesen sind. Die haben sich sicher keine Ausweise zeigen lassen, auch wenn englische Eltern in bestimmten Gesellschaftsschichten ähnlich prüde sind wie amerikanische. Die Kinder sind es aber nicht.

Das, was zwischen Marco W. und seiner Urlaubsbekanntschaft passiert ist, ist also völlig normal?

Wir waren nicht dabei. Aber sicher ist: Wenn es ein Urlaubsflirt mit Küssen, Petting oder auch Geschlechtsverkehr war, mit dem beide einverstanden waren, ist es absolut normal.

Jugendschutzbestimmungen Mehr Informationen über die Jugendschutzbestimmungen in Ferienländern finden Sie hier als pdf.Datei zum downloaden auf Ihren Rechner.

Zur Person

Zur Person Peter Struck ist Professor für Sozialpädagogik, Erwachsenenbildung und Freizeitpädagogik im Fachbereich Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören Jugendforschung und Familienerziehung.

Interview: Christoph M. Schwarzer
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
Roy05441 (28.06.2007, 18:38 Uhr)
The SUN wird den Alten.......,
deren Konten gestalten!Was mach ich mit den verblödeten Alte?Kommt für die Tussi dabei etwas heraus?Er wollte aber er konnte nicht,weil Mama war nicht zu Haus!Jetzt drehn sie dem blöden Bengel einen türkischen Strick daraus!
Wieviele zwangsverheiratete türkische Mädchen wurden mit islamischer Macht, von eigenen Brüdern umgebracht?Ach du dickes Ei, kommt die Türkei sofort in die EU, was sagst du Depp denn dann daqzu?
magic_whispering (28.06.2007, 14:40 Uhr)
Vertrauen kommt nicht von heute auf morgen
Herr Prof. Struck hat recht. Das Vertrauen in seine Kinder und auch das Vertrauen der Kinder in die Mutter ist ein sehr langer Prozess.
Ich denke mit der Handlungsweise der Mutter, hat sie eine Menge Vertrauen verspielt. Die Kinder werden ihr desto älter sie werden immer mehr verheimlichen.
Diese Mutter wollte angeblich das Beste für ihre Tochter und ihr ihre Jungfräulichkeit bewahren, dass hat sie ja nun geschafft, aber um welchen Preis.
Welchen Preis sie dafür zahlen muss, werden die Jahre bringen.
Da ich selbst Mutter von noch 2 heranwachsenden Mädchen bin, weiß ich wie schwer es ist Kinder zu erziehen und den richtigen Weg zu finden.
Deswegen bin ich froh, dass ich mir um so eine Geschichte nie Gedanken machen musste, weil meine Kinder sich mir immer offenbaren konnten. Ich habe bestimmt nicht immer den richtigen Weg gefunden, aber meinen Kindern immer nur den einen Satz mit auf den Weg gegeben.
Keine Wahrheit kann so schlimm sein, wie eine gemeine Lüge.
Jetzt sind meine beiden jüngsten 15 und 17, und ich war Gott sei Dank nie in der Situation dieser Mutter.
Aber ich war auch bereit zuzugeben, dass auch ich als Mutter nicht unfehlbar bin und nicht alles weiß.
Ich war bereit meine Kinder ein Stück weit loszulassen und ihnen zu vertrauen.
Egal wie die Bestrafung für Marco jetzt aussehen wird vor Gott und der Gerichtsbarkeit, die Mutter wird moralisch eine viel schlimmere Strafe in ihrem Leben erleiden.
Diese Geschichte werden die beiden Mädchen in ihrem Leben niemals vergessen und sich immer daran erinnern, was ihre Mutter aus einem Urlaub für ein Horrorszenario veranstaltet hat.
Diese beiden Mädchen tun mir unsäglich leid.
Hoffentlich nimmt die Geschichte für Marcos und Charlottes Seelen ein ertragbares Ende.
Der Mutter würde ich einen Pychologen empfehlen, der ihr erklärt, dass wir im 21 Jahrhundert angekommen sind.
bob-der-meister (27.06.2007, 15:34 Uhr)
Auch nichts Neues
Der von mir hochgeschätzte Herr Struck hat natürlich Recht, allerdings sind seine Aussagen hier auch relativ banal. Auch Herr Struck kann damit allerdings nichts Neues zu dem Fall Marco beitragen.
Überlassen wir doch die Sache erst einmal der Justiz in der Hoffnung, dass dort alle relevanten Umstände berücksichtigt werden.
Wenn nicht, ist es Sache der Diplomatie, eine Lösung herbeizuführen.
H.P. (27.06.2007, 14:40 Uhr)
es hat mir Spaß gemacht
Vielen Dank Herr
Prof. Dr. Peter Struck
Man versteht die Welt nicht mehr, wie sich Menschen deshalb so aufregen, als wären sie niemals jung gewesen, ich habe schon viel früher meine Neugier ausprobiert und es hat mir Spaß gemacht:-)
babysnake (27.06.2007, 14:03 Uhr)
Vielen Dank!
Dem ist wohl nichts hinzuzufügen.
mupfeline (27.06.2007, 12:52 Uhr)
Na endlich einmal ...
Ein Kommentar (Interview) der das Prädikat "Sehr lesenswert" verdient. Und vor allem: REALISTISCHER - und an die heutige Zeit angepasst!
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