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13. August 2009, 13:14 Uhr

Mann fährt Kind an und missbraucht es

Es wäre ungeheuerlich: Hat ein 31-Jähriger absichtlich ein Mädchen angefahren, um es dann zu vergewaltigen? Vor Gericht bestritt er die Absicht, nicht aber die Tat. Das Verbrechen wirkt nach. Die Mutter des Kindes: "Unser Leben ist zerstört."

Bielefeld, Hille, Kind angefahren und vergewaltigt, Landgericht, Teilgeständnis

Bestreitet, absichtlich gehandelt zu haben: Mutmaßlicher Kinderschänder vor Gericht© Franz-Peter Tschauner/AP

Es ist eine unvorstellbare Tat: Ein Autofahrer hat am Donnerstag vor dem Landgericht Bielefeld zugegeben, ein 13 Jahre altes Mädchen auf einem Fahrrad angefahren und vergewaltigt zu haben. Der Vater von fünf Kindern wies jedoch über seinen Verteidiger den Vorwurf der Anklage zurück, er habe den Unfall mit dem Kind absichtlich verursacht. "Er steht selber fassungslos vor der Tat", sagte der Verteidiger des angeklagten Hilfsarbeiters. Im Gegensatz zu seiner jetzigen Darstellung hatte der Mann direkt nach der Tat bei der Polizei zu Protokoll gegeben, er habe die Kollision in voller Absicht herbeigeführt.

Bei dem Zusammenstoß am Ostermontag im ostwestfälischen Hille hatte die 13-Jährige unter anderem einen Kieferbruch und eine Gehirnerschütterung erlitten. Laut Anklage hatte der 31-Jährige damals dem verletzten Kind gesagt, er werde es heimfahren. Doch an einem abgelegenen Ort soll er über das Mädchen hergefallen sein.

Mädchen seither sehr verschlossen

Der Anwalt sagte im Namen des mutmaßlichen Kinderschänders: "Er war sich der Verletzungen und der Hilflosigkeit und des jugendlichen Alters bewusst." Bei einem psychiatrischen Gutachter hatte der Mann später ausgesagt, das Mädchen habe kurz vor dem Zusammenstoß "einen Schlenker gemacht", er habe nicht mehr ausweichen können. Nach der Tat hatte die Schülerin zwei Wochen im Krankenhaus gelegen. "Sie war blutüberströmt und total verwirrt", erinnerte sich ihre Mutter.

Ihrer Tochter gehe es nach wie vor "sehr schlecht", sagte die 42-Jährige vor Gericht. "Sie fährt nicht mehr allein Fahrrad, sie geht nirgendwo mehr allein hin. Und ist sehr verschlossen", sagte sie mit tränenerstickter Stimme. "Unserer Familie geht es sehr schlecht damit. Unser Leben ist zerstört - ganz einfach." Sie könne sich nicht vorstellen, dass ihr Kind mit unsicherem Fahren den Unfall ausgelöst habe. "Sie ist eine gute Radfahrerin." Zudem habe ihre Tochter beteuert, sie sei am Straßenrand geradelt. Das Opfer selbst sagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Der Angeklagte musste auf Gerichtsbeschluss außer Sichtweite der Schülerin auf eine Zuschauerbank ausweichen, um das Kind weniger zu belasten.

Der Anklagevorwurf, der Unfall sei geplant gewesen, stützt sich auf die ersten polizeilichen Vernehmungen nach der Tat. Dazu sagte der Verteidiger, der 31-Jährige sei "der Vernehmungssituation nicht gewachsen gewesen". Dem Familienvater aus dem ostwestfälischen Lübbecke drohen bis zu 15 Jahre Haft. Ihm wird besonders schwere Vergewaltigung, besonders schwerer Kindesmissbrauch und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Auch gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr ist ein Anklagepunkt. Der Mann ist wegen Alkohols am Steuer vorbestraft.

Anfang der Woche war bekannt geworden, dass sich der Angeklagte mit seiner langjährigen Lebensgefährtin aus dem Gefängnis heraus verlobt hat. Daher könnte die Freundin vor Gericht Aussagen über den Angeklagten verweigern. Allerdings misst die Staatsanwaltschaft Aussagen der Frau keine zentrale Bedeutung bei. Man sehe dem gelassen entgegen, hatte ein Sprecher der Anklagebehörde bereits im Vorfeld des Prozesses betont.

DPA
 
 
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