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23. März 2005, 09:21 Uhr

US-Bundesgericht lehnt Berufung ab

Das Bundesberufungsgericht in Atlanta hat frühere Urteile bestätigt: Die Koma-Patientin Terri Schiavo wird weiterhin nicht künstlich ernährt. Doch Schiavos Eltern geben nicht auf.

Mary Schindler, Schiavos Mutter, fängt während einer Pressekonferenz an zu weinen. Im Hintergrund Schiavos Vater Bob Schindler© Chris O'Meara/AP

Die amerikanische Koma-Patientin Terri Schiavo wird der Entscheidung eines Berufungsgerichts zufolge nicht wieder künstlich ernährt. Das dreiköpfige Richtergremium in Atlanta lehnte den Eilantrag von Schiavos Eltern ab, die gefordert hatten, die am Freitag entfernte Magensonde wieder einzusetzen. Ein Anwalt kündigte an, Bob und Mary Schindler würden gegen das Urteil erneut Berufung einlegen. Die 41-Jährige Terri liegt seit 15 Jahren in einem Wachkoma. Ihr Ehemann Michael hat die Entfernung der Magensonde juristisch durchgesetzt.

Die Entscheidung der Berufungsinstanz fiel mit zwei zu eins Stimmen. Das Gericht erklärte, Schiavos Eltern hätten keinen der von ihnen vorgebrachten Punkte plausibel darlegen können. "Niemand bestreitet, dass Frau Schiavo eine große Tragödie widerfahren ist", hieß es in der Urteilsbegründung. "Wir alle haben eine Familie und Kinder. Aber wir sind aufgerufen, eine ... objektive Entscheidung im Hinblick auf eine juristische Frage zu fällen."

Charles Wilson, der als einziger der drei Richter dem Antrag der Eltern zustimmte, erklärte, Schiavo könnte sterben, bevor der Fall durch alle Instanzen gegangen sei. "Ich kann keinen Nachteil darin sehen, die Magensonde wiedereinzusetzen", schrieb Wilson. Nach Einschätzung der Ärzte wird die Koma-Patientin ohne künstliche Ernährung innerhalb von ein bis zwei Wochen sterben.

Vor dem Hospiz, in dem Terri Schiavo liegt, streiten sich Unterstützer und Gegner des Vorgehens von Shiavos Eltern bzw. ihres Ehemannes© Chris Livingston/DPA

Die Eltern der Koma-Patientin, Bob und Mary Schindler, kündigten nach der Entscheidung an, erneut Berufung einzulegen. Nach Angaben von Ärzten würde ihre Tochter in wenigen Tagen sterben, sollt die künstliche Ernährung nicht wieder aufgenommen werden. Die Eltern hatten das Berufungsgericht in Atlanta angerufen, nachdem ein Bundesbezirksrichter in Florida es abgelehnt hatte, die Fortsetzung der am Freitag unterbrochenen Ernährung anzuordnen. Zuvor hatte es der Kongress Bob und Mary Schindler durch ein spektakuläres Sondergesetz ermöglicht, den Streitfall nach Ausschöpfung aller Rechtswege auf der staatlichen Gerichtsebene in Florida von Bundesinstanzen klären zu lassen.

Das Tauziehen dauert schon über sieben Jahre: Während der Ehemann der Kranken, Michael Schiavo, seine Frau sterben lassen will, kämpfen die Eltern verzweifelt um das Leben ihrer Tochter. Es galt als praktisch sicher, dass am Ende der Oberste Gerichtshof der USA eingeschaltet wird: Beide Seiten haben ihre Entschlossenheit angekündigt, alle zur Verfügung stehenden Mittel zum Erreichen ihrer jeweiligen Ziele zu nutzen. In der Praxis bedeutet dies, dass die Streitpartei, die vor dem Bundesberufungsgericht verliert, unverzüglich beim höchsten Gericht eine einstweilige Verfügung gegen den vorausgegangenen Beschluss beantragen wird.

Terri Schiavo befindet sich schon seit 15 Jahren im Koma. Dem Ehemann zufolge hat sie vor ihrer Erkrankung wiederholt mündlich erklärt, sie wolle im Fall eines Siechtums nicht künstlich am Leben erhalten werden. Die Eltern bestreiten dies und glauben, dass ihre Tochter bei Bewusstsein ist.

AP/DPA
 
 
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