Wieder ist ein mutmaßlicher Helfer der "Sauerland-Gruppe" festgenommen worden. Der 24-jährige Kadir T. war ein kleines Licht - mit großen Träumen. Von Martin Knobbe

Der Traum vom Märtyrer: Auch Kadir T. wollte in den heiligen Krieg ziehen© Mohammed Saber/DPA
Es war ein Telefonat zwischen Hessen und dem Iran, es war ein Gespräch zwischen Verliebten, es war im Sommer 2007. Er hoffe, sprach der 22 Jahre alte Kadir T. zu seiner Frau Summaye, er könne bald zu ihr reisen. Zwei Wochen werde er bleiben und sie dann mit nach Deutschland nehmen. Sie sprachen über den Islam, ihren Glauben und wie "unrein" die Menschen in Deutschland doch seien. Und Kadir erzählte, dass er erst zweimal in seinem Leben geweint habe. Einmal, als er nicht wusste, was er für seine Religion alles tun solle. Ein zweites Mal, als er sich vorstellte, ein Märtyrer zu sein, und davon träumte, im heiligen Krieg das Paradies zu erlangen.
Am Donnerstag nun ließ die Bundesanwaltschaft Kadir T. festnehmen. Sie hat ihn seit längerem schon observieren und abhören lassen. Jetzt wirft sie ihm vor, eine terroristische Vereinigung unterstützt zu haben: Er soll für die Islamische Dschihad Union (IJU) eine Videokamera und ein Nachtsichtgerät besorgt haben.
Vier mutmaßliche Mitglieder der IJU müssen sich derzeit vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf verantworten, sie sind besser bekannt als "Sauerland-Gruppe". Die jungen Männer um den Rädelsführer Fritz Gelowicz hatten Bombenanschläge in Deutschland geplant, ihr Vorbild war der 11. September 2001.
Kadir T. ist ein kleines Licht nur, ein Helfershelfer, ein Mitläufer, und doch ist er der Prototyp einer nachwachsenden Generation von Muslimen, die in ihrer Radikalität und Träumerei zu vielem bereit sind, offenbar auch zum eigenen Tod.
Kadir T. wird im hessischen Langen geboren, wo er zwar sieben Mal umzieht, das er jedoch nie länger als ein paar Wochen verlässt. Er wächst zusammen mit zwei Schwestern auf und wohnt nach der Trennung seiner Eltern beim Vater, zusammen mit seinem nur ein Jahr älterem Onkel. Nach seinem qualifizierten Abschluss auf der Hauptschule ist er eine Zeit lang arbeitslos, dann lernt er den Beruf des Einzelhandelskaufmannes, am Ende jobbt er bei Tengelmann.
Mit den anderen muslimischen Jugendlichen in der Gegend spielt er Fußball, sie besuchen gemeinsam die Moschee am Hauptbahnhof, wo er auch Adem Yilmaz kennen lernt, einen Türken, der sieben Jahre älter ist als er. Er weiß viel über den Islam, er hat auch Unterrichtsmaterial zur Hand. Am Wochenende treffen sie sich mit anderen jungen Männern in einem zehn mal zehn Meter großen Gartengrundstück, zu dem Adem Yilmaz einen Schlüssel hat. Gegrillt wird dort, gejoggt, gelernt und öfter gebetet, Adem Yilmaz ist dann der Imam, der Vorbeter.