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21. Januar 2010, 17:34 Uhr

Der Gebetsbomber von Philadelphia

Die Angst vor dem Terror treibt dieser Tage manch seltsame Blüte. In Deutschland büxt ein Passagier aus, der möglicherweise Sprengstoff, vielleicht aber auch nur Parfüm am Laptop hatte. In den USA wird ein jüdischer Passagier verdächtigt - dabei wollte er nur beten.

Philadelphia, Terrorhysterie, Tefillin

Gläubige Juden mit Gebetsschal und Tefillin: An dem Band befinden sich kleine Hülsen, die Bibelverse enthalten - aber keine Bomben© Jack Guez/AFP

Während Deutschland über den großen Unbekannten rätselt, der am Flughafen München durch die Sicherheitskontrollen spazierte und anschließend spurlos verschwand, hebt die Terrorangst in den USA mal wieder in die Lüfte ab.

"Ein amerikanisches Flugzeug ist am Donnerstag nach einem Bombenalarm umgeleitet worden und sicher auf dem internationalen Flughafen in Philadelphia (Pennsylvania) gelandet", tickerte es um 16.30 Uhr über die Nachrichtenagenturen. "Detroit" poppt im Redakteursgedächtnis auf und der Newsroom geht in Erinnerung an den verhinderten Anschlag von Weihnachten in Hab-Acht-Stellung.

Was CBS berichtet, trägt ebenfalls nicht zur Entspannung bei: Der Passagier habe nach dem Start eine Vorrichtung mit Draht an seinem Kopf befestigt. Es riecht nach Selbstmordanschlag, nach Beinahekatastrophe. Wozu trägt der Kerl sonst einen Draht um den Kopf?

Eine Stunde später riecht es nur noch nach Hysterie. Was jetzt über den Ticker läuft, klingt weniger bedrohlich denn absurd: "Die angebliche Bombendrohung gegen ein US-Passagierflugzeug auf dem Weg von New York nach Kentucky hat sich als Fehlalarm entpuppt. Nach Angaben von Sicherheitskräften handelte es sich bei dem am Donnerstag in Philadelphia festgenommenen Passagier um einen orthodoxen Juden, der an Bord der Maschine lautstark gebetet und dabei einen so genannten Gebetsriemen mit Bibelversen um den Kopf getragen hatte." Bittere Ironie, dass ein Jude eines Terroraktes islamischer Machart verdächtigt wird. Die "Bombenvorrichtung" nennt sich übrigens Tefillin.

ben
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
Administrator (22.01.2010, 10:23 Uhr)
Liebe User,
wir haben an dieser Stelle einige Kommentare gelöscht. Bitte diskutieren Sie das Thema sachlich und verzichten sie auf Beleidigungen.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins
Toreador (22.01.2010, 09:54 Uhr)
Setzen, sechs.
Mal wieder ein Beleg dafür, wie unglaublich ungebildet die Amis sind. Leute, deren Job es ist, tagtäglich in der Welt herumzufliegen und mit abertausenden Menschen in Kontakt zu kommen, sollten in der Lage sein, zumindest ein Grundwissen über andere Kulturen und Religionen zu besitzen. Niemand erwartet, daß sie zwischen griechisch-orthodox und armenisch-orthodox unterscheiden können, aber zu wissen, daß Juden Gebetsriemen und Käppi tragen, Moslems eine Entsprechung für den Rosenkranz haben und der rote Punkt auf der Stirn des Hindu keine Zielscheibe ist - DAS sollte bekannt sein! Einfach nur erzpeinlich, dieser Aufriß. Ich hoffe, die Fluglinie hat den armen Mann nicht auch noch verklagt...
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