2. Mai 2011, 09:21 Uhr

Flugdatenschreiber des Air-France-Wracks geborgen

Der rätselhafte Absturz eines Airbus der Air France über dem Südatlantik steht möglicherweise vor der Aufklärung. Ein Expertenteam hat den Flugdatenschreiber von Todesflug AF 447 geborgen. 228 Menschen waren bei dem Absturz am 1. Juni 2009 ums Leben gekommen.

Air France, Air France Absturz, Absturz, Airbus, Flugzeugabsturz, Brasilien, Frankreich, Atlantik, Angehörige, Hinterbliebene, Klage

Einer der beiden Datenschreiber der abgestürzten Air-France-Maschine liegt auf dem Meeresgrund©

Knapp zwei Jahre nach dem mysteriösen Air-France-Absturz über dem Südatlantik hat ein Expertenteam den Flugdatenschreiber der Unglücksmaschine geborgen. Das Gerät wurde aus rund 4000 Metern Tiefe an die Meeresoberfläche geholt, teilte die französische Luftfahrtermittlungsbehörde (BEA) am Sonntag mit. Ob die Daten noch ausgelesen werden können, blieb zunächst jedoch unklar. Der Stimmenrekorder wurde jedoch noch nicht geborgen.

Der Flugdatenschreiber und der Stimmenrekorder gelten als letzte Hoffnung, den bislang völlig rätselhaften Absturz des Airbus A330-200 doch noch aufzuklären. Der Flugdatenschreiber registriert zahlreiche Parameter wie Höhe, Neigungswinkel der Maschine und Triebwerkseinstellungen. Der Stimmenrekorder nimmt alle Gespräche und Geräusche im Cockpit auf.

Was passierte am 1. Juni?

Bis heute weiß niemand genau, was sich in der Nacht zum 1. Juni 2009 an Bord der modernen Langstreckenmaschine abspielte. Klar ist nur, dass es bei Flug AF 447 mitten in einer Unwetterfront Probleme bei der Geschwindigkeitsmessung gab. Dies allein dürfte aber normalerweise nie zu einer solchen Katastrophe führen. 228 Menschen, darunter 28 Deutsche, starben bei dem Absturz des Flugzeugs. Zuvor hatte es nicht einmal ein Notsignal gegeben.

Der geborgene Flugdatenschreiber soll nun schnellstmöglich von einem Schiff der französischen Marine an Land gebracht und dann nach Frankreich geflogen werden. Neben den Angehörigen der Opfer setzen vor allem Air France und Flugzeugbauer Airbus große Hoffnungen in die Auswertung der Daten. Den Unternehmen wurde mehrfach eine Mitschuld an der Katastrophe vorgeworfen. Sie hoffen, dass die Aufklärung des Absturzes sie entlasten kann.

Auch Leichen sollen geborgen werden

Das Trümmerfeld auf dem Meeresboden war erst in diesem April nach mehreren erfolglosen Suchaktionen entdeckt worden. Am vergangenen Mittwoch wurde das Gehäuse der Black Box gefunden, dass den Flugdatenschreiber enthält. Die meisten Wrackteile sollen auf einer Fläche von nur etwa 600 mal 200 Meter liegen.

Der zur Bergung verwendete Tauchroboter wird vom Spezialschiff "Ile de Seine" aus gesteuert. Es hatte sich am Karfreitag von Dakar (Senegal) aus auf den Weg zur Absturzstelle gemacht. Sie liegt rund 1100 Kilometer von der brasilianischen Hafenstadt Recife entfernt. Im weiteren Verlauf der Bergungsaktion sollen nach Möglichkeit auch Leichen an die Meeresoberfläche gebracht werden. Lediglich 50 Opfer wurden nach dem Absturz am Pfingstmontag 2009 tot im Wasser entdeckt und identifiziert.

swd/DPA
 
 
Leser-KommentareBETA
MEHR ZUM ARTIKEL
Todesflug AF 447 Tauchroboter orten Air-France-Wrack

Die vierte Suchaktion hatte endlich Erfolg: Knapp zwei Jahre nach dem Absturz eines Air-France-Airbus über dem Atlantik haben Tauchroboter das Wrack der Unglücksmaschine geortet. Die Hinterbliebenen der 228 Todesopfer können nun womöglich doch Gewissheit über das genaue Schicksal ihrer Angehörigen erhalten.

Absturz des Air-France-Airbus "Alle Beteiligten wussten, dass es ein Problem gab"

Das Rätsel des Air-France-Unglücks vom 1. Juni ist noch immer ungelöst. stern.de sprach mit Gerhard Hüttig, Professor für Flugführung an der TU Berlin. Er drängt auf mehr Transparenz bei der Unfallanalyse.

Abgestürzte Air-France-Maschine Die dramatischen letzten Minuten

Der Unglücks-Airbus der Air France hatte kurz vor seinem Absturz offenbar eine Fülle an technischen Problemen. Medienberichten zufolge fielen in den letzten Minuten nacheinander lebenswichtige Bordsysteme aus. Automatisch gesendete Funksignale deuten darauf hin, dass die Piloten noch versuchten, das Flugzeug manuell zu steuern. Dann fiel der Kabinendruck ab.

Opfer des Todesflugs AF447 "Schwimm, Matthias, bitte schwimm"

Er war die Liebe seines Lebens. Und er war ein Passagier des Todesflugs AF447. Der Stuttgarter Modemacher Horst Wanschura hat bei dem Absturz des Air-France-Airbus seinen Lebensgefährten Matthias Peter verloren. Hier lesen Sie, wie er vom Tod des Partners erfuhr, wie er trauert - und wie die Fluglinie mit ihm umgeht.

Opfer des Todesflugs AF 447 (Teil 2) "Air France stiehlt sich aus der Verantwortung"

Sie arbeitete viel und gönnte sich nur selten einen Urlaub. Deshalb freute sich Ines Gans so auf die Reise nach Rio. In Brasilien feierte sie ihren 31. Geburtstag. Doch für den Rückflug bestieg sie den Todesflieger AF 447. Nun bleiben die Eltern voller Fragen zurück.

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2013)
Hoffen oder handeln?