US-Amerikaner lockt Feuerwehrleute in Todesfalle

25. Dezember 2012, 11:23 Uhr

William Spengler war fast 18 Jahre im Gefängnis, weil er seine Oma erschlug. 1998 kam er frei. Seither geriet er laut Polizei nicht mehr mit dem Gesetz in Konflikt. Bis Heiligabend. Von Thomas Schmoll

Webster, USA, Feuerwehr, Amok

Eines der Häuser, die der Schütze in Brand steckte, um die Feuerwehr anzulocken.©

Nicht einmal zwei Wochen ist das Massaker in Newton im US-Staat Connecticut her, bei dem ein 20-Jähriger erst seine Mutter, dann 20 Schulkinder und sechs Erwachsene sowie anschließend sich selbst erschoss, da wird Amerika abermals von einer mörderischen Bluttat erschüttert. Ein wegen Totschlags in einem besonders schweren Fall verurteilter Gewalttäter, der 1998 aus dem Gefängnis entlassen worden war, lockte in Webster im US-Staat New York Feuerwehrleute in eine tödliche Falle. William Spengler setzte laut Polizei Heiligabend mindestens ein Haus und ein Auto in Brand und erschoss zwei der herbeigeeilten Feuerwehrleute. Zwei weitere Einsatzkräfte und ein Polizist außer Dienst, der offenkundig zufällig am Tatort war, wurden verletzt. Anschließend tötete sich der 62-jährige Täter laut offizieller Mitteilung selbst.

Im Hinterhalt abgewartet

Der Polizeichef von Webster, Gerald Pickering, sagte: "Es scheint so, dass es eine Falle war." Spengler habe Feuer gelegt und dann in einem Hinterhalt auf die Einsatzkräfte gewartet. Das Motiv liegt im Dunkeln. Spengler hatte nach übereinstimmenden Berichten amerikanischer Medien 1980 seine 92-jährige Großmutter mit einem Hammer erschlagen. Er war demnach verurteilt worden, ohne dass ein bestimmtes Strafmaß festgelegt wurde. Spengler saß fast 18 Jahre im Gefängnis. 1998 kam er auf Bewährung frei. Sie endete 2006. Nach Darstellung von Polizei und Justiz lebte er unauffälig und ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Pickering sagte unter Verweis auf die Tötung der Großmutter, ein Blick auf die Vergangenheit des Mannes zeige, dass er offenkundig "eine Menge Probleme" gehabt habe, eventuell auch psychische.

Polizist verfolgte den Täter

Einer der Getöteten war für seinen Einsatz beim Supersturm "Sandy" zum "Feuerwehrmann des Jahres" in seinem Bezirk gekürt worden. Er war bei der freiwilligen Feuerwehr und im Hauptberuf Polizist. Pickering zeigte sich tief erschüttert. "Wir haben jeden Tag mit diesen Leuten gearbeitet. Sie sind wie unsere Brüder. Diese Kerle sind alles Helden." Ein Kollege rettete nach Einschätzung des Polizeichefs vermutlich vielen Menschen das Leben. Der Polizist habe den Täter verfolgt und das Feuer erwidert, berichtete Pickering. Die Polizei setzte einen Panzerwagen ein, um mehr als 30 Bewohner des Wohngebiets in Sicherheit zu bringen. Sie meldete sieben durch das Feuer zerstörte Häuser. Ob weitere Opfer in diesen Gebäuden zu beklagen sind, werde ermittelt, sagte Pickering. Er und seine Kollegen hofften, dass die Einwohner der Häuser "dem Inferno entfliehen konnten".

Webster liegt am Ufer des Ontario-Sees, mehr als 500 Kilometer von der Metropole New York City entfernt. Nach der Bluttat in der Sandy-Hook-Grundschule in Newton - die getöteten Kinder waren sechs und sieben Jahre alt -, entbrannte in den USA eine neue Debatte über schärfere Vorgaben für privaten Waffenbesitz. Präsident Barack Obama kündigte an, den Kauf bestimmter Gewehre zu erschweren. Die Waffen-Lobby wehrt sich heftig dagegen.

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