. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
5. September 2011, 17:07 Uhr

Mysteriöse Todesfälle, zum wiederholten Mal

Woran sind die Frühchen in der Siegener Kinderklinik gestorben? Und: Droht weiter Gefahr? Noch laufen die Untersuchungen. Dabei hatten erst im August 2010 ähnliche Fälle in Mainz bundesweit Aufmerksamkeit erregt. Von Swantje Dake

Kinderklinik, Siegen, Frühchen, Frühgeburt, Frühgeborene, Tod, Polizei, Babys, Staatsanwaltschaft, Mainz, Erinnerungen

In dieser Siegener Klinik sind drei Frühchen unter ungeklärten Umständen gestorben© Marius Becker/DPA

Der Tod von drei Frühchen in der Siegener Kinderklinik bleibt rätselhaft. Einen Hinweis auf die Todesursache brachten die Obduktionen nicht. Derzeit stehen weitere Untersuchungen an - toxikologische wie auch bakteriologische, ebenso mikrobiologische. Resultate könnte es in den nächsten Tagen geben. Es kann aber auch Wochen dauern, so ein Sprecher der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein.

Die Babys - ein Mädchen und zwei Jungen - starben in der vergangenen Woche, am 31. August und am 1. September, auf unterschiedlichen Stationen des Krankenhauses. "Der Tod des ersten Babys war für die Klinik noch kein Alarmzeichen. Man ging von einem natürlichen Tod aus", so der ermittelnde Staatsanwalt Johannes Daheim. Daher wurde der Leichnam des Mädchens noch bevor die Ermittlungen begannen, in die Türkei überführt und beerdigt. Die Eltern sind Muslime – und nach muslimischer Tradition sollen Tote innerhalb von 24 Stunden bestattet werden. Nach dem Tod des zweiten Babys schaltete die Klinik die Staatsanwaltschaft und das Gesundheitsamt ein.

Dramatischer Krankheitsverlauf bei allen drei

Die Kinderklinik in Siegen ist ein kleines Krankenhaus, spezialisiert auf Kinder- und Jugendmedizin. Gerade mal 138 kleine Patienten können gleichzeitig von 700 Ärzten, Pflegern und Therapeuten behandelt werden. Die Fassade des Gebäudes ist bunt angestrichen. Auf den Krankenhausfluren hängen Zeichnungen und Bastelarbeiten. Es gibt eine Intensivstation auf der junge Menschen versorgt werden, die dauerbeatmet werden müssen, Pflegeplätze für Kinder, die mehrfach behindert sind und eine Abteilung für Kinder- und Jugendpsychatrie.

Umso stärker schockieren die Todesfälle die Klinikleitung und das Personal. Die Säuglinge waren zwischen einer Woche und sechs Monate alt. Alle drei waren krank. Woran sie litten, wollen weder Staatsanwaltschaft noch Klinik erläutern. Ihr Tod stehe nicht in direktem Zusammenhang mit den unterschiedlichen Vorerkrankungen. Der Krankheitsverlauf, der zum Tod führte, war hingegen bei allen drei Säuglingen gleich: Der Gesundheitszustand verschlechterte sich dramatisch, war nicht mehr beherrschbar. Konkreter wollen weder Staatsanwalt noch Krankenhaus werden. Die Staatsanwaltschaft sieht derzeit keinen Anlass, eine oder mehrere Stationen im Klinikum zu schließen.

Ähnliche Fälle wie 2010 in Mainz

Die mysteriösen Todesfälle erinnern an das Geschehen in der Mainzer Universitätsklinik vor einem Jahr. Im August 2010 starben dort drei Säuglinge. Auch sie litten an schweren Vorerkrankungen, die die kleinen Körper schwächten. Dann erhielten sie eine Infusion, die sie eigentlich aufpäppeln sollte. Doch Darmbakterien waren in die Flüssignahrung gelangt. Mehrere Kinder, die die verseuchte Infusion bekamen, rangen plötzlich mit dem Tod. Und Deutschland diskutierte über Hygiene in Krankenhäusern.

500.000 Deutsche infizieren sich pro Jahr in Kliniken mit Krankheitserregern, 40.000 sterben daran. Die FDP wollte noch im September eine Initiative für bundesweit einheitliche Hygiene-Vorschriften ergreifen. Das Bundesgesundheitsministerium wollte mit den Ländern zusätzliche Regelungen erörtern.

Die Mainzer Klinik zeigte 2010 ein herausragendes Krisenmanagement, informierte umfassend die Öffentlichkeit, tauschte Geräte und Personal aus, bezog die Grundsubstanzen von anderen Herstellern. Ins Visier geriet die Schlauchanlage, mit der die Infusion weitgehend maschinell hergestellt wurde. Die Bakterien wurden letztendlich an einer zerbrochenen Flasche entdeckt, aber wo genau die Keime zwischen Abfüllung und Eintreffen an der Uniklinik Mainz in die Flasche gelangten, konnte nicht geklärt werden. Erst vor wenigen Wochen, knapp ein Jahr nach dem Vorfall, konnte der Leitende Oberstaatsanwalt aus Mainz, Klaus-Peter Mieth, abschließend sagen, dass zwei Säuglinge an der verseuchten Lösung starben, das dritte Kind an seiner schweren Vorerkrankung. Ein Schuldiger wurde nicht gefunden. Die Todesfälle bleiben rätselhaft.

Von Swantje Dake
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Drei tote Frühchen in zwei Tagen Ärzte rätseln über Häufung von Todesfällen

In einer Siegener Kinderklinik sind drei frühgeborene Babys unter ungeklärten Umständen gestorben. Zwei der Kinderleichen sind von der Polizei beschlagnahmt worden. Die Obduktion brachte kein Ergebnis, weitere Untersuchungen stehen an. mehr...

Mainzer Oberstaatsanwalt Klinik trägt keine Schuld am Tod der Babys

Entlastung für die Leitung der Mainzer Uniklinik: Der Oberstaatsanwalt gibt dem Krankenhaus keine Schuld am Tod von drei Neugeborenen. Die Ursache für den Klinikskandal haben die Ermittler aber gefunden. mehr...

Tragödie auf Baby-Intensivstation in Mainz Waren die Schläuche mit Darmbakterien verunreinigt?

Nach dem Tod zweier Säuglinge in der Uniklinik Mainz hat die Staatsanwaltschaft die Schlauchanlage, mit der die Infusion hergestellt wurde im Visier. Noch ist nicht geklärt, wie die tödlichen Bakterien in die Flüssignahrung kamen. Das Leben eines weiteren Babys hängt am seidenen Faden. mehr...

Keime im Krankenhaus Die unsichtbare Gefahr

Der Tod von drei Säuglingen in der Mainzer Uniklinik hat eine Debatte über Hygiene-Vorschriften in Krankenhäusern ausgelöst. Fachleute fordern einheitliche Vorgaben - für die Sicherheit der Patienten. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe