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9. April 2009, 19:34 Uhr

Polizist vom Dienst suspendiert

Im Fall des toten Ian Tomlinson hat die Londoner Polizei reagiert und einen Beamten mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert. Tomlinson war am Rand der Proteste gegen den G20-Gipfel gestorben. An Herzinfarkt hieß es zunächst - doch nun kommen immer mehr Details ans Licht, die die Polizei belasten.

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Eine Szene aus dem Video: Ian Tomlinson wird von einem Polizisten zu Boden geworfen. Kurz darauf stirbt er an einem Herzinfarkt© AFP

Die Londoner Polizei hat aus der Affäre um den Tod eines Mannes bei den G20-Protesten erste Konsequenzen gezogen. Ein Polizist, der bei seiner Attacke auf den Mann gefilmt worden war, wurde vom Dienst suspendiert. Scotland Yard habe ihn "im Interesse der Öffentlichkeit" mit sofortiger Wirkung freigestellt, teilte die unabhängige Polizeiaufsichtsbehörde am Donnerstagabend mit.

Auf einem Amateurvideo war zu sehen, wie der Polizist den 47-jährigen Ian Tomlinson schlägt und zu Boden stößt. Wenige Minuten später brach der Zeitungsverkäufer zusammen und erlitt einen Herzinfarkt.

Der Fall hatte Scotland Yard in Erklärungsnot gebracht. Die Polizei hatte zunächst behauptet, keinen Kontakt mit Tomlinson gehabt zu haben. Kritiker forderten auch eine strafrechtliche Verfolgung. Diesen Samstag wollen auch Protestierende an dem Ort nahe der Bank of England Blumen niederlegen, an dem Tomlinson am Mittwoch vor einer Woche starb.

Derweil kamen weitere Details ans Licht. Eine Fotografin gab an, dass die Polizei bereits vor dem Geschubse mit Tomlinson aneinandergeraten war und ihn dabei zweimal mit einem Schlagstock schlug. Dagegen schrieb die Zeitung "The Sun", Tomlinson habe wiederum die Polizei provoziert, indem er betrunken vor einem Polizeiwagen stand und trotz Aufforderung nicht aus dem Weg ging. Nach Angaben der Zeitung war Tomlinson, der an einem Zeitungsstand im Bankenviertel arbeitete, alkoholabhängig und lebte in einem Heim für Obdachlose.

Tomlinson war zusammengebrochen, als er von dem Zeitungsstand in der Londoner City nach Hause ging. Gleichzeitig demonstrierten im Bankenviertel tausende Menschen gegen den G20-Gipfel. An den Protesten hatte der Mann sich nach Angaben seiner Familie nicht beteiligt. Eine erste Obduktion hatte ergeben, dass Tomlinson an einem Herzinfarkt gestorben war. Mittlerweile hat die Polizeiaufsichtsbehörde eine zweite Obduktion angeordnet. Der Fall werde mit der Staatsanwaltschaft besprochen, teilte die Behörde mit.

DPA
 
 
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