Startseite

Kirchweyhes längster Tag

Es sollte um Besinnung gehen, Trauer, um einen 25-Jährigen, der brutal am Bahnhof erschlagen wurde. Aber in den Köpfen rumort es - die Politik, die Integration, der Verlust der Idylle.

Von Jarka Kubsova, Kirchweyhe

  "Es ist so schlimm, was hier passiert ist": Der Bahnhofsvorplatz in Kirchweyhe

"Es ist so schlimm, was hier passiert ist": Der Bahnhofsvorplatz in Kirchweyhe

  • Jarka Kubsova

Das Ausmaß des Unbehagens, das sich in Kirchweyhe breit gemacht hat, lässt sich an der Anzahl der Hundertschaften ablesen. Es sind Dutzende, sicher mehr als in Kirchweyhe je zu sehen waren. Polizeibusse haben den Bahnhof der kleinen Gemeinde nahe Bremen eingekreist, in mehreren Reihen. Man ist auf das Schlimmste vorbereitet.

Als ob das Schlimmste nicht schon geschehen wäre. Der Bahnhofsvorplatz, den nun die Polizei beherrscht, war vor einer Woche Schauplatz eines Verbrechens. Ein Junge ist tot, Daniel S., 25 Jahre alt, Lackierer aus Kirchweyhe. Die Staatsanwaltschaft schildert den Fall bisher wie folgt: In einem Bus, in der Nacht, auf dem Weg von der Disco, entbrannte ein Streit, Rangeleien unter Jugendlichen. Die einen Deutsche, die anderen Türken. Daniel S. versuchte zu schlichten. Und wurde später an der Haltestelle derart schwer verprügelt und in den Kopf getreten, dass er am Donnerstag an den Folgen der Schlägerei starb. Der 20-Jährige Cihan A., der Hauptverdächtige, sitzt seitdem in U-Haft, wegen Mordverdachts.

"Mich regt das auf!"

Heute wollen die Menschen in Kirchweyhe um Daniel trauern. Aber sie wollen auch irgendwohin mit der Wut. Im Internet hat sie sich den Weg schon gebahnt; in Foren und bei Facebook. Manche Regionalzeitungen mussten ihre Kommentarfunktionen schließen, zu krass, zu aggressiv waren die Einträge. Die einen bejubelten "einen Nazi in Weyhe weniger", die andere riefen zur Lynchjustiz an den Tätern auf, "dieser Türkenbande." Die Angst ging um, dass diese Wut auch auf die Straßen schwappt. "Deshalb haben wir das so hier hochgefahren", sagt ein Polizeisprecher.

Das Aufrüsten war die eine Sache. Die andere waren Verbote. Im Internet wurde nicht nur gepoltert, sondern auch mobilisiert, zu Mahnwachen um 15 Uhr wurde aufgerufen. "Das waren Leute aus der rechten Szene, deshalb haben wir das verboten", sagt die Polizei. Genehmigt wurde eine einzige Veranstaltung um 11 Uhr, die offizielle Mahnwache der Gemeinde Weyhe. "Mich regt das auf", sagt Christine K., die zwei Stunden lang angereist ist. "Ich bleib hier bis 15 Uhr, die Propagandaveranstaltung des Bürgermeisters interessiert mich nicht."

"Wir haben kein Ausländerproblem"

Warten auf 15 Uhr, auf den kritischen Zeitpunkt. Wie viele werden dem verbotenen Aufruf der Rechten folgen? Viele sind nervös: Wird es krachen? Andere hoffen das Beste, auf eine Trauerfeier, die so still endet, wie sie gerade beginnt. Unter milchigem Winterhimmel kurz vor 11 Uhr treten Jugendliche vor die Kerzen und Blumen, die für Daniel S. am Boden liegen. Die Mädchen und Jungen stehen im Kreis, sie haben geschwollen Augen. Sie teilen sich Zigaretten und Taschentücher. Sie sagen nichts, sie starren bloß und schluchzen.

Etwas abseits steht eine Gruppe älterer türkischer Herren, schließlich wickelt einer einen Strauß Rosen aus, geht hinüber zur Haltestelle, legt den Strauß nieder. Er wird beäugt. Mehr nicht. Wieso auch? "Wir haben kein Ausländerproblem hier", sagt Suzanne B., die hier in der Nähe wohnt. Irgendwo im Kreis Weyhe soll es Ghettos geben, sagt sie. "So Häuser, wo viele Ausländer wohnen." Aber sie weiß nicht mal, wo das sein soll, gesehen hat sie die Häuser nie.

"Ihr bleibt besser zuhause"

In der Tat fallen im Kreis Weyhe eher hübsche Familienhäuser auf, eine nette Gegend für Familien, viele haben hier neu gebaut. Auch der Bahnhof wird gerade gründlich überholt. In einiger Entfernung steht noch die Ruine des alten Wartehäuschens, davor ein freundlicher, heller Platz. Keiner dieser finsteren Schmuddelbahnhöfe, auf denen das Unheil in jeder Ecke zu lauern scheint. Daniel S. Schädel wurde auf hell gefliestem Straßenboden zertrümmert.

"Unser Kirchweyhe. Dass das jetzt so im Mittelpunkt steht. Das hätte ich nie gedacht", klagt eine Frau der anderen. "Der Anlass… schrecklich!"

Der Anlass hat auch Mehmet Karakas an den Bahnhofsplatz getrieben. Er ist einer der türkischen Herren, die Blumen gebracht haben. "Es ist so schlimm, was passiert ist, ich wollte hier mitmachen. Das ist eine menschliche Sache hierher zu kommen." Er lebt seit 1996 in dem Ort, arbeitet als Schlosser, hat vier Kinder, auf der Realschule und dem Gymnasium. Ausländerfeindlich sei man hier nie zu ihm gewesen. Heute Morgen hat er hat sich mit den Nachbarn zusammentelefoniert, sie sind gemeinsam gekommen. "Aber den jungen Leuten haben wir gesagt: Ihr bleibt lieber zuhause. Damit es ruhig bleibt", sagt Karakas. "Ist besser."

"Man muss doch sagen dürfen ..."

Besser war wohl auch, dass die Polizei gründlich herumstreifte. Ein Dutzend Menschen, die der rechten Szene zugerechnet werden, wurden angesprochen. "Nach der Identitätsfeststellung sind sie wieder abgedreht", sagt ein Sprecher der Polizei. Man fürchtet, sie werden wieder kommen, zu der verbotenen Veranstaltung am Nachmittag.

Aber noch läuft der offizielle Teil, 1500 Menschen haben sich versammelt, und der Bürgermeister Frank Lemmermann versucht sich schon einmal in Deeskalation. Beiden Lagern will er Beschwichtigendes sagen: "Daniel S. war nach allem was ich weiß, ein guter Junge. Und er war ganz sicher kein Nazi", ruft Lemmermann ins Mikrofon. "Es ist unerträglich, dass man ihn im Internet so bezeichnet." Und er betont mehrmals: "Aber der Täter hätte auch ein deutscher Junge sein können."

"War er aber nicht", zischt ein Mann aus dem Publikum. Und Chrsitine K. stößt aus: "Das ist eine Unverschämtheit." Sie hat sich aus der Menge gelöst, in der Bahnhofshalle ringt sie um Fassung. Der Bürgermeister nütze den Tod des Jungen aus, um gegen Rechts zu wettern, das sei unerträglich. Sie findet, dass man doch sagen dürfen muss, dass das Opfer ein Deutscher war und der Täter ein Türke. "Man muss sagen dürfen, dass das Migrantengewalt war", sagt sie und dass Multikulti nicht funktioniere. Sie wartet auf 15 Uhr.

"Der offizielle Teil ist zuende"

Viele andere tun das nicht. Die Kälte kriecht vom Boden in die Füße, um die Ohren weht eisiger Wind. Gegen Mittag zerstreut sich die Menge. Die Polizei bleibt. Zu Recht, denn um 15 Uhr füllt der Platz sich wieder. Etwa 700 Menschen finden sich erneut zusammen. Um 15: 22 greift Bürgermeister Lemmermann noch einmal zum Mikrophon. "Danke, dass sie so zahlreich teilgenommen haben. Der offizielle Teil ist nun zu Ende. Kommen sie gut nach Hause. Tschüss." Und was, wen sie nicht gehen? "Dann lassen wir sie hier stehen", sagt der Polizeisprecher. "Es ist ja nicht verboten, sich vor dem Bahnhof aufzuhalten". Gespanntes Warten, dann macht sich Langeweile breit. Nichts passiert. Die Menge schlurft auseinander. Ist es das nun gewesen, beleibt es friedlich in Kirchweyhe? Schwer zu sagen.

Für Sonntag ist eine Demo der NPD angemeldet.

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Was tun gegen ständige Lärmbelästigung in der Straße durch Lokal
Hallo, was kann man dagegen unternehmen wenn jedes Wochenende eine große Afterwork Studenten Party in dem Tanzlokal nebenan stattfindet. Es findet jedes mal eine massive Ruhestörung vor. Es geht meistens von 23:00 bis 03:00 Morgens. Unsere Lebensqualität ist momentan arg eingeschränkt. Wir wussten schon als wir hierher gezogen sind das es ab und zu etwas lauter sein kann. Aber das es jetzt solche extremen Ausmaße nimmt konnten wir nicht ahnen. Bei der Polizei ist dieses Party/Lokal wegen Ruhestörung bekannt. Nur leider unternimmt niemand etwas dagegen. Wir wohnen jetzt 5 Jahre in der Wohnung neben dem Lokal. Aber wir sind jetzt am überlegen deshalb nächstes Jahr wenn es finanziell möglich ist umzuziehen. Was kann man solange tun? Fenster im Sommer geschlossen halten ist unzumutbar. Beschweren beim Lokal Besitzer sowie bei der örtlichen Stadt die sowas genehmigt bringt auch nichts. Wenn es heißt war um wir dort hin gezogen sind, leider ist Heilbronn momentan eine reine Studentenstadt , das heißt als wir hierher gezogen sind waren damals nicht viele für uns preiswerte Wohnungen verfügbar, außerdem wurden damals schon sehr viele Wohnung nur an Studenten vermietet. Das heißt , uns ist nichts anderes übrig geblieben die günstigste Wohnung zu nehmen. Wie oben beschrieben hatten wir kein Problem damit das ab und an eine Veranstaltung stattfindet. Nur , es findet jetzt jedes Wochenende etwas sehr lautstarkes statt.
Ionisiertes Wasser oder Osmosewasser ?
Klar
Liebe Sternchen Community. Vor kurzem war ich bei einem Arzt und er hatte Azidose bzw. eine latente Übersäuerung festgestellt. Daraufhin habe ich viel recherchiert und einige Bücher gelesen. Erst bin ich auf die basische Ernährung gestoßen, die sehr effektiv sein soll, allerdings auch schwierig immer im Alltag zu praktizieren ist. Dann habe ich zufällig einen guten Bericht über ionisiertes Wasser bzw. basisches Wasser gefunden und mir auch ein Buch gekauft, "trink dich basisch" und "jungbrunnenwasser" da wird sehr positiv davon gesprochen. Insbesondere soll es auch das stärkste Antioxidanz sein mit Wasserstoff. Außerdem soll es den Körper basischer und Wiederstandsfähiger machen. Darmmileu und Blutmileu werden günstig beinflusst, heißt es. Sogar Haarausfall soll verhindert werden, weil die Hauptursache davon ist wohl Mineralienmangel, wegen Übersäuerung (pH Wert im Blut und Körper), weniger wegen der Genetik. Und noch einige weitere Vorteile hat es wohl, wie Obst und Gemüse wieder zu erfrischen. Und der Kaffee und Tee schmeckt wohl besser. Und noch einiges mehr.. Stimmt das? Allerdings habe ich "ionisiertes Wasser" gegoogled und bin auf einige Berichte gestoßen, die negativ davon sprechen. Meistens scheinen es Umkehrosmose Wasser Verkäufer zu sein, die so schlecht davon schreiben. Ich habe mal gehört Umkehrosmosewasser ist schädlich, weil es die Osteoporose verstärkt. Einige nennen es auch Osteoporosewasser, weil es wie destilliertes Wasser keine Mineralien mehr hat und deshalb Mineralien aus dem Körper zieht. Also ist es bestimmt nicht gut Osmosewasser zu trinken. Ich würde gerne mal ionisiertes Wasser probieren. Naja, aber hat jetzt jemand echte Erfahrung damit gemacht? Hat wer so einen "Wasserionisierer" zu Hause? Welches Wasser trinkt Ihr? Würde mich interessieren, weil die schon recht teuer sind. Aber vielleicht kaufe ich mir einen mit Ratenzahlung, wenn ich mir sicher bin. Im Moment braucht es etwas Aufklärung... Bitte nur seriöse Kommentare. Liebe Grüße KLAR

Partner-Tools