10. Juli 2008, 11:12 Uhr

Entführung auf 3200 Meter Höhe

Es war gedacht als Traumtour auf den historischen Berg Ararat. Doch der Aufstieg der 13 bayerischen Alpinisten endete jäh, drei von ihnen wurden auf 3200 Meter Höhe von PKK-Kämpfern entführt. Nun werden Einzelheiten der Verschleppung in der Türkei bekannt.

Hier, am Berg Ararat in der Osttürkei, wurden die deutschen Bergsteiger entführt©

Es ist ein historischer Ort, an dem 13 bayerische Bergsteiger ihr Nachtlager aufschlugen: Der Große Ararat ist mit 5165 Metern der höchste Berg der Türkei. Schon in der Bibel wurde das Massiv erwähnt, auf dem Gipfel des Ararat soll die Arche Noah nach der Sintflut gelandet sein.

Auch die deutschen Alpinisten wollten auf den Gipfel. Spätabends erreichten sie in 3200 Meter Höhe das Basiscamps des Bergs. Am nächsten Tag sollte der Aufstieg gelingen. Doch so weit kam es nicht. Denn gegen 22 Uhr wurde die Gruppe von mehreren PKK-Kämpfern überfallen. Die fünf bewaffneten Männer drangen in das Lager ein und trieben die Bergsteiger zusammen, berichtete ein Familienmitglied eines Angehörigen der Gruppe der "Mittelbayerischen Zeitung" ("MZ"). Dann habe es Verhandlungen zwischen den Geiselnehmern und den deutschen Touristen gegeben, in deren Verlauf sich drei Alpinisten, der 33-jährige Lars R., der 47-jährige Martin Scholz und der 65-jährige Helmut Hainzlmeier selbst als Geiseln angeboten hätten. "Die Frauen haben sie sowieso weggeschickt. Sie sind zuvorkommend behandelt worden", berichtete der Mann, der am Mittag nach der Entführung Kontakt mit den freigelassenen Mitgliedern der Gruppe hatte.

"Es war schon eine gewisse Aufregung da"

Ähnliches erzählte auch die Ehefrau eines der zehn Bergsteiger, die nach der Entführung in die Stadt Dogubayazit zurückgekehrt sind. Christiane Lettow-Berger erhielt mittags die erlösende Nachricht, dass ihr Mann nicht zu den drei Geiseln gehört. "Er hat angerufen", sagte sie der "MZ". Dabei habe er ihr kurz geschildert, was sich ereignete. "Es war schon eine gewisse Aufregung da", beschrieb ihr der Mediziner, allerdings hätten die Geiselnehmer keinerlei Gewalt angewendet.

Die Bergtour auf den Ararat wurde von der Ortsgruppe des Deutschen Alpenvereins (DAV) in der bayerischen Kleinstadt Kehlheim organisiert und vom Münchner Reiseanbieters seb-tours durchgeführt. Dass es sich bei den Überfallenen um eine Gruppe des DAV Kelheim handelt, bestätigte Thomas Urban, Hauptgeschäftsführer des DAV. "Wir wissen, dass drei Personen entführt worden sind", so Urban. Der DAV stehe in Kontakt mit dem Auswärtigen Amt. "Die Region galt als unproblematisch. Wir sind völlig überrascht."

Leiter der Tour war der Vorsitzende des Ortsvereins, Helmut Hainzlmeier. Auch sein Sohn Klaus befindet sich nach "MZ"-Informationen unter der Gruppe. Helmut H. gilt in dem Ort als zuverlässiger und besonnener Mann und erfahrener Bergsteiger. Der Schatzmeister der DAV-Sektion, hatte stern.de gesagt: "Ich kenne ihn seit zehn Jahren. Er ist ein erfolgreicher Ingenieur und keiner, der ein großes Risiko eingeht.", sagte Christian Mader. "Ich bin geschockt und ratlos, hoffe aber, dass es gut ausgeht." Helmut Hainzlmaiers Schwester ist zuversichtlich, dass die Geiselnahme ein gutes Ende nehmen wird. "Ich glaube das geht alles gut aus. Mein Bruder ist da sehr, sehr abgeklärt", sagte Elfriede H. der AP. "Ich traue mich wetten, dass ihm seine durchdachte und menschliche Art helfen wird." H. habe als Bergsteiger bereits Touren in verschiedenste Länder wie Bolivien und Tibet organisiert und sei sehr erfahren. "Er bewahrt immer einen kühlen Kopf", betonte sie. Auswärtiges Amt bemüht sich um Freilassung In München steht ein Kriseninterventionsteam des DAV in den Startlöchern, um die Alpinisten in der Türkei zu betreuen, sagte Andrea Händel, Pressesprecherin des DAV. Die besonders geschulten Bergwacht-Mitglieder könnten bereits am Donnerstag tätig werden.

Unterdessen bemüht sich der Krisenstab des Auswärtigen Amtes in Berlin um die Freilassung der Geiseln. Man sei "intensiv bemüht, eine Lösung des Falles herbeizuführen", sagte ein Sprecher Einzelheiten nannte er im Interesse der Sicherheit der Geiseln nicht. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte am Mittwochabend erklärt: "Wir bemühen uns intensiv um die Aufklärung der Hintergründe, und natürlich unternehmen wir alles, um zu einer baldigen Freilassung zu kommen." Die Experten des eingesetzten Krisenstabes stünden "in Verbindung mit den Verantwortlichen in der Türkei". Nach Angaben des Gouverneurs der Provinz Agri, Mehmet Cetin, will die PKK ihre Geiseln in den kommenden Tagen wieder freilassen. Sie habe die Entführung mit den "jüngsten Aktionen" der Bundesregierung gegen die PKK begründet.

Dahinter steckt wohl das am 19. Juni 2008 vom Bundesinnenministerium verhängte Betätigungsverbot für den kurdischen Fernsehsender Roj-TV. Der in Dänemark ansässige Sender diente nach Ansicht von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble als Sprachrohr der verbotenen PKK. Die in Wuppertal beheimatete TV- Produktionsgesellschaft Viko Fernseh Produktion GmbH wurde aufgelöst.

Von Malte Arnsperger und Martin Rutrecht, Gunter Lehmann ("MZ")

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KOMMENTARE (10 von 18)
 
nese (11.07.2008, 10:30 Uhr)
Wenn ein TV-Sender
-Straftaeter huldigt
-Straftaten lobt
-zu Gewalt aufruft
-Rassenhass schuert
-Propaganda fuer eine terroristische Organisation verbreitet
hat der Verbot dieses Senders NICHTS mit Pressefreiheit zu tun. PKK wird auch in Deutschland als eine terroristische Organistation eingestuft. Daher war es richtig, den Handlungspielreaum dieser Terroristen durch das Verbot ihres Senders einzuschraenken. Die PKK hat nicht nur Menschen tuerkischer und kurdischer Herkunft getoetet, sondern auch unbeteiligte Touristen. Und nun werden Touristen entfuehrt, um Deutschland politisch zu erpressen. Wenn jemand das alles gut findet, dann hoffe ich, dass er eines Tages von diesen Terroristen erwischt wird.
Alex64 (11.07.2008, 10:14 Uhr)
Lösung des Problems?
Die einzige Lösung des Problems ist die Beendigung des "bewaffneten Kampfes" und der terroristischen Aktionen - oder sieht das jemand anders?
"Nur weil die der Meinung sind dieser Sender würde zur Zusammenarbeit mit der PKK aufrufen?"
Ja, motte - genau deswegen. Weil die Beobachtungdes Senders genau diese "Meinung" gebildet hat. Und nun? Das ist in UNSEREN Gesetzen so geregelt, an die sich ein Sender in UNSEREM Staatsgebiet zu halten hat. Also ist es auch UNSER Benehmen, die entsprechenden Maßnahmen bei Überschreitung der Grenzen der Pressefreiheit zu veranlassen.
Und die Kurden in D können nur kurdisch? Da ist wohl noch viel nachzuholen beim Thema Integration, nicht wahr?
motte01 (11.07.2008, 00:40 Uhr)
Lösung des Problems
Man müsste die Lösung als Staat suchen.
Die PKK fordert die BRD auf. Die BRD hat ein ROJ-TV-Verbot verhängt, was ist da mit Pressefreiheit. Nur weil die der Meinung sind dieser Sender würde zur Zusammenarbeit mit der PKK aufrufen? Die Kurden brauchen wie jedes andere Volk einen Sender in Ihrer Sprache. Trotz dass die kurdische Sprache lange Jahre in der Türkei verboten war, können viele Kurden NUR kurdisch. An diesem Sender haben kurden ihre Sprache, kultur Berichterstattung in Kurdistan und der Rest der Welt. Wir müssen uns klar werden, dass die BRD aufgrund finanzieller Vorteile der Türkei in diesem Konflikt bei steht.
Diese Handlungen sollten unterlassen werden, genau so der Verkauf von dt Waffen und Panzer an die Türkei zur Bekämpfung der Kurden.
Auch ein finanzieller Vorteil sollte einem angesehenen Staat wie der BRD nicht den Anreiz geben, die Zerstörung von nun mehr als 10.000 kurdischen Dörfern zu unterstützen. und die kulturelle Entfaltung der Kurden versuchen zu stoppen.
nese (11.07.2008, 00:37 Uhr)
Manchmal wuensche ich mir,
dass die Journalisten, die das Wort 'Terrorist' nie im Zusammenhang mit PKK benutzen, von ihren niedlichen 'PKK-Kaempfern' entfuehrt werden...
nese (11.07.2008, 00:26 Uhr)
Keine Angst Leute, die PKK 'koempft nur gegen die tuerkische Bundeswehr' :-)
Die PKK-Terr... aehm... Soldaten sind selbstverstaendlich keine Moerder. Die Menschen, die von der PKK angeblich kaltblutig ermordet wurden (darunter auch viele Kinder und Frauen) haben Selbstmord begannen (vielleicht wollten sie nicht weiterleben, schon mal daran gedacht?) . PKK toetet niiiiiemals Zivilisten, niiie. PKK veruebt auch keine Anschlaege. So was macht nur die 'tuerkische Bundeswehr' und schieb das der PKK in die Schuhe. Und wenn mal doch eine Bombe à la PKK explodiert, dann ist das immer nur ungewollt. Manchmal explodieren Bomben halt, muss wohl am defekten Zuendschnur liegen, oder so... Die Menschen, die dabei drauf gehen, sind dann selbst schuld. Warum troedeln bloss sie in der Naehe der Bombe herum? Wenn man eine Bombe sieht, muss man doch wegrennen. Wenn man sie nicht sieht, dann hat man Pech gehabt. So isses!
.....
Ist ja suess, selten so gelacht. Wusste gar nicht, dass in der Tuerkei eine Bundeswehr existiert. Wer luegt, steckt Haeuser in Brand. Das gilt auch fuer stolze Kurden, die solche Ammenmaerchen erzaehlen.
Administrator (10.07.2008, 14:31 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Kommentare. Bitte bleiben Sie beim Thema des Artikels und sachlich.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
Clibanarius (10.07.2008, 13:44 Uhr)
Irrtum...
"Seperatismus ist kein selbstzweck, sondern wunsch aller menschen nach selbstbestimmung."
-------------
So kann man sich auch etwas schön reden. Was glaubst du, wieviele der Kurden die PKK vertritt? Und weshalb haben in den Kurdengebieten bis über 70% für die Regierungspartei gestimmt, die strikt gegen eine Teilung des Landes ist, während die kurdische Partei, übrigens das politische Sprachrohr der PKK, nur wenige Prozent erhielt? Separatismus/Terrorismus ist sehr wohl ein Selbstzweck: Ihr Nährboden und Grundlage ist das fehlen von Wohnungen, sozialer und wirtschaftlicher Wohlstand, Strassen, Fabriken, Wasser, Strom. Deine Separatisten von der PKK stören, zerstören und verhindern eine Entwicklung dieser Grundlagen, um ihr dasein zu rechtfertigen. Wird da eine Schule gebaut, kommen sie und sprengen es in die Luft. Werden Wasserleitungen verlegt ebenso. Will sich ein Lehrer/Arzt niederlassen, wird er ermordet. Macht eine Fabrik auf, werden die Arbeiter erpresst. So sieht Separatismus in der Welt aus. Aber wenn man sie nur von seinem bequemen Sessel aus kennt...du weisst schon.
mamadou (10.07.2008, 13:36 Uhr)
Dem Schicksal überlassen
Was wird überall gross über die Spinner berichtet?! Wären sie in Bayern rumgekraxelt. Bitte! nicht schon wieder Lösegeld - lasst sie wo sies gesucht haben
undueberhaupt (10.07.2008, 13:35 Uhr)
Türkei
Jeder, der in die Türkei in den Urlaub fliegt sollte wissen, das die Türken und Kurden eine andere Mentalität besitzen. Das beste Beispiel habe ich aber hier bei uns erlebt, als in der Badstraße in Berlin-Wedding der türkische Ehemann mal eben seine Frau abgestochen hat, weil sie sich von ihm Trennen wollte. Es ist zwar ein Paar Jahre her, aber die haben sich nicht geändert. Bei denen zählt ein Menschenleben nichts. Aus diesem Grund kriegen mich keine 10 Pferde in die Türkei!
Alex64 (10.07.2008, 13:35 Uhr)
Also doch
Terrorismus und politische Erpressung...
"Solange der deutsche Staat nicht erkläre, dass er "seine gegen das kurdische Volk und gegen die PKK gerichtete feindliche Politik aufgibt", würden die entführten deutschen Staatsbürger nicht freigelassen"
O.K.
Dann aber bitte sofort allen PKK-Sympathisanten in D alle sozialen Vergünstigungen streichen und ab "nach hause"...
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