Wie Kweku Adoboli 2,3 Milliarden verzockte

10. September 2012, 11:43 Uhr

Er war ein fleißiger und loyaler Investmentbanker - bis er seine eigenen Regeln machte und 2,3 Milliarden Dollar verzockte. Jetzt steht UBS-Banker Kweku Adoboli in London vor Gericht. Von Titus Kroder

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Milliardenschaden bei der UBS: Kweku Adoboli, Sohn eines Uno-Angestellten, steht in London vor Gericht©

Delta One - der Name der fünfköpfigen Händlergruppe von Kweku Adoboli klang nach militärischer Eliteeinheit, Mut und viel Risiko. Richtig betrieben, waren es indes eher langweilige Geschäfte, die der 32-jährige Diplomatensohn aus Ghana abschließen sollte. Doch Adoboli machte daraus eine spannende Lotterie, die seinem Arbeitgeber, der Schweizer Großbank UBS, letztlich ein Loch von 2,3 Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro) in die Bilanz gesprengt hat. Dafür muss er sich ab heute in London vor Gericht verantworten.

Im Juli erwirkten die Anwälte von Kweku Adoboli vor dem Londoner Gericht, dass sein Verfahren erst am 10. September eröffnet wird Die Anklage lautet auf Betrug und Bilanzfälschung. Adoboli drohen damit bis zu zehn Jahre Haft. Mit seinen kurzen Haaren, den vollen jugendlichen Gesichtszügen, mit einer Ärztin als Freundin und den für einen Banker eher biederen Hobbys Radfahren und Fotografie wirkt er wie ein harmloser Normalo. Doch sein Name steht mittlerweile für den größten unerlaubten Deal einer Bank in der Geschichte des Londoner Finanzbezirks.

Adoboli war sehr loyal zur UBS

Denn auch auf Adoboli trifft das klassische Profil des "Rogue Traders" ein Stück weit zu. Wie Nick Leeson, der die Barings Bank versenkte, oder Jérôme Kerviel, der die Société Générale um fünf Milliarden Euro brachte, kannte er die internen Kontrollregeln bestens. Mit diesem Wissen ignorierte er schlicht von den Chefs gesetzte Handelslimits und ging ungedeckte Spekulationspositionen ein. Wie bei den anderen scheint auch Adobolis Motto gewesen zu sein: Erst wenn man eine noch bessere Idee hat als die eigene Bank, macht der Job richtig Spaß - sofern alles gut geht.

Als behüteter Sohn eines oft versetzten Uno-Angestellten lebte Adoboli als Kleinkind in Ländern wie Syrien, Israel oder Irak. Mit 14 Jahren blieb er schließlich in England auf einer Privatschule. An der Uni belegte der strebsame Student Fächer rund um elektronischen Handel und Wirtschaftsinformatik. Das technisch und finanziell Komplexe faszinierte ihn.

Vor sechs Jahren heuerte er gleich nach dem Diplom bei der UBS an. Die üblichen Statussymbole Londoner Banker der Boomjahre folgten, etwa eine Wohnung für 1000 Pfund Wochenmiete. Er sei "sehr loyal zur UBS gewesen", wie ein Bekannter sagt, und habe hart gearbeitet. Selbst als ihn die Polizei im September 2011 festnahm, fand sie Adoboli um 3.30 Uhr in der Früh an seinem Computer im dritten Stock der Londoner UBS-Zentrale sitzen. Er wurde festgenommen und erst im Juni dieses Jahres unter Auflagen aus der Untersuchungshaft entlassen, um sich auf den Prozess vorzubereiten.

Auf Facebook verkündet er seinen Kummer

Adoboli hatte sich in seinem Job bereits früh verrannt. Seit 2008 baute er laut Ermittlungen der Bank als Delta-One-Mann die riskanten Positionen auf, die drei Jahre später UBS-Chef Oswald Grübel aus dem Amt fegten. Aufgabe von Adobolis Team war es, bei Kundenaufträgen etwa in Aktien, Indizes oder Devisen durch maßgeschneiderte Termingeschäfte das Risiko der Bank abzusichern. Das Ziel: Das Delta muss immer bei eins liegen, Kundenwertpapier und Terminkontrakt müssen sich also möglichst deckungsgleich entwickeln.

Irgendwann hat Adoboli jedoch angefangen, seine absichernden Geschäfte in den Zentralcomputer der UBS einzugeben, ohne sie auch real abzuschließen. Zug um Zug blieb das Risiko damit an der Bank hängen. Als das Milliardenloch größer und größer wurde, seufzte der verzweifelte Händler auf seinem Facebook-Profil: "Ich brauche jetzt ein Wunder!"

Die krummen Machenschaften ihres Ex-Mitarbeiters haben zumindest bewirkt, dass die UBS ihre Risikokontrollen im Investmentbanking inzwischen deutlich verschärft hat. Deren Versagen im Fall Kweku Adoboli dürften indes in dem auf acht Wochen angelegten Gerichtsverfahren noch einmal im Detail zur Sprache kommen. Davor hat der neue Konzernchef Sergio Ermotti laut Financial Times seine Mitarbeiter bereits in einer Rundmail gewarnt.

Übernommen aus ... FTD zur Homepage der FTD

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