Die tödliche Attacke auf einen 50-jährigen Geschäftsmann in München entsetzt die Republik. Unions-Politiker verlangen härtere Gesetze und eine bessere Überwachung der Bahnhöfe. Derweil will die Staatsanwaltschaft in Kürze Haftbefehl gegen einen dritten Verdächtigen beantragen.

Blumen für den Toten: Ein 50-Jähriger hat seine Zivilcourage in München mit dem Leben bezahlt© Oliver Lang/DDP
Nach der tödlichen Attacke an einer Münchner S-Bahn-Haltestelle bereitet die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl gegen einen dritten Jugendlichen vor. Der Haftbefehl gegen den 17-Jährigen solle in Kürze beantragt werden, sagte ein Justizsprecher am Montagmorgen. Zwei 17 und 18 Jahre alte Schläger sitzen bereits in Untersuchungshaft. Die mutmaßlichen Haupttäter gaben zu, an der Auseinandersetzung am Samstagabend beteiligt gewesen zu sein, nannten aber keine Einzelheiten.
Der dritte Jugendliche wurde am Sonntag festgenommen. Er war nicht an dem tödlichen Überfall beteiligt, hatte die Sache aber möglicherweise angezettelt: Noch am Gleis soll er als erster zugeschlagen haben, um zusammen mit seinen Freunden von vier Kindern Geld zu erpressen. Der 50-Jährige hatte versucht, die Kinder zu schützen und war mit ihnen in die Bahn gestiegen. Zwei der Jugendlichen waren der Gruppe gefolgt und prügelten ihr späteres Opfer zu Tode, der nun verhaftete dritte Verdächtige hingegen war nicht mehr mitgekommen.
Angesichts des brutalen Überfalls hat sich die Union für mehr Kontrollen im Öffentlichen Nahverkehr ausgesprochen. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", es sei "unverkennbar, dass sich Übergriffe im öffentlichen Nahverkehr häufen". In dem Maße, in dem hier Personal durch Technik ersetzt worden sei, bleibe der Schutz potenzieller Opfer der Zivilcourage Einzelner überlassen. "Man kann sich bei der Gefahrenabwehr aber nicht allein auf Zivilcourage der Bürger verlassen", betonte der CDU-Politiker. Die Verkehrsbetriebe müssten in Zügen, Bussen und Bahnen sowie an Haltestellen für mehr Sicherheitspersonal sorgen. Ein Allheilmittel sei aber auch das nicht.
Der Münchner Fall mache deutlich, dass "die Forderungen der Union nach Änderungen im Jugendstrafrecht auf der Tagesordnung bleiben müssen", erklärte er. "Wir werden das nach der Bundestagswahl mit Hochdruck weiterverfolgen", kündigte er an.
Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann rief die Deutsche Bahn auf, die Sicherheit auf den Bahnhöfen zu erhöhen. Der CSU-Politiker sagte am Montag im rbb-Inforadio: "Ich fordere von der Deutschen Bahn klipp und klar, dass alle S-Bahn-Stationen ebenso wie die U-Bahnhöfe mit Videoüberwachung ausgestattet werden." Nach der flächendeckenden Einführung der Videoüberwachung auf Münchner U-Bahnhöfen sei die Zahl der Straftaten dort deutlich zurückgegangen.
Der CSU-Politiker plädierte dafür, im Regelfall bereits für 18-Jährige das Erwachsenenstrafrecht anzuwenden. "Für so brutale Straftaten wie diesen Mord muss es auch eine höhere Höchststrafe für Jugendliche geben, nämlich fünfzehn statt zehn Jahre", sagte Herrmann. Er schloss sich damit Forderungen von Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) an. Auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer plädierte für ein härteres Durchgreifen der Polizei.
Am Samstag hatten zwei Jugendliche auf einem S-Bahnhof einen 50-Jährigen zu Tode geprügelt, weil dieser vier Kinder vor einem Raubüberfall schützen wollte. Der Geschäftsmann blieb bewusstlos liegen und erlag später seinen schweren Verletzungen. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt wegen Mordes gegen die 17 und 18 Jahre alten polizeibekannten Männer.