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4. Februar 2007, 16:10 Uhr

Jakarta versinkt in der Flut

Nach den gewaltigen Überschwemmungen steht die indonesische Hauptstadt Jakarta fast komplett unter Wasser. Verzweifelte Eltern versuchen ihre Kinder auf den Schultern vor den Wassermassen zu retten.

Die Einwohner Jakartas kämpfen ums Überleben© Bay Ismoyo/AFP

Nach der Flutkatastrophe in Jakarta steht die der indonesischen Hauptstadt zu rund 75 Prozent unter Wasser. Die Zahl der registrierten Todesopfer stieg auf 25, wie die Behörden mitteilten. Rund 340.000 Menschen wurden infolge der Überschwemmungen obdachlos. Wegen des verschmutzten Wassers wurde ein Ausbruch von Seuchen befürchtet. Ausgelöst wurde die Katastrophe von den schweren Regenfällen der vergangenen Woche. Schuld an ihrem Ausmaß war aber auch gedankenloser Umgang mit der Natur. Nach Rodungen in den Bergen der Umgebung ergossen sich die Wassermassen ungehindert in die zahlreichen Flüsse von Jakarta, die dann über die Ufer traten. In einigen Teilen der Zwölf-Millionen-Metropole stand das Wasser immer noch drei Meter hoch.

Wasser erreichte auch den Präsidentenpalast

Aus Angst vor Plünderern wollten viele Bewohner trotz der Überschwemmungen ihre Häuser nicht verlassen, andere retteten sich mit wenigen Habseligkeiten auf Flöße. In einigen dicht besiedelten Gebieten stand das Wasser bis zu drei Meter hoch. Die Armee setzte etwa 1300 Soldaten ein, um den Flutopfern bei der Evakuierung zu helfen. Die Menschen fanden unter anderem in Schulen, Kirchen und Moscheen in der Hauptstadt Zuflucht. Am Sonntag hatte das Wasser auch den Präsidentenpalast erreicht.

Die Diakonie Katastrophenhilfe leistet durch das internationale kirchliche Hilfsnetzwerk ACT (Kirchen helfen gemeinsam) Nothilfe in den überfluteten Bezirken und hat an 6 000 Menschen Nahrungsmittel verteilt sowie medizinische Hilfe geleistet. "Die Situation ist sehr angespannt. Nach dem tagelangem Dauerregen droht nun außerdem noch der Ausbruch von Seuchen", berichtete Leonardo Ratuwalangon, Leiter des Projektbüros der Diakonie Katastrophenhilfe in Indonesien.

Umweltminister macht Stadtplaner mitverantwortlich

Beobachter befürchten, die Katastrophe könnte schlimmere Ausmaße annehmen als die letzte große Flutkatastrophe vor fünf Jahren, bei der in Jakarta mindestens 21 Menschen ums Leben kamen und 300.000 Menschen obdachlos wurden. Umweltminister Rachmat Witular machte die Stadtplaner für die Überschwemmungen mitverantwortlich. "Es gibt zu viele große Shopping-Center in der Stadt", sagte er Medienberichten zufolge. Jakarta ist häufig von Überschwemmungen betroffen. Viele Stadtbereiche liegen sehr niedrig und in Flussnähe, das Kanalsystem ist schlecht.

AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
waelder (04.02.2007, 22:45 Uhr)
Jakarta + Überschwemmung
Die Katastrophe in Jakarta ist hausgemacht.
Zu Recht werden das Abholzen in den Bergen südlich von Jakarta und das Bauen in den Sumpfebenen in und um Jakarta als Ursachen genannt.
Die Reisfelder, die jedes für sich wie ein kleines Staubecken wirkten, sind zwischen Bogor (in den Bergen südlich von Jakarta) und Jakarta (in der sumpfigen Küstenebene) fast vollständig überbaut. Wo vor 25, 30 Jahren noch Freiland in der Stadt vorhanden war, ist jetzt dichte Bebauung zu sehen. Flüße wurden einbetoniert und als wilde Müllkippen mißbraucht.
Kommt der Regen, dann kann er nicht auf den Feldern aufgehalten werden, nicht in den Boden versickern und in den verstopften Kanälen nicht abfließen.
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