Fälscher erlaubt sich üblen Scherz mit Mollath

17. Juni 2013, 16:31 Uhr

Die Freiheit für Gustl Mollath schien zum Greifen nach. In der Psychiatrie kündigte man ihm die Freilassung an. Dann kam heraus, dass der angebliche Gerichtsbeschluss das Machwerk eines Fälschers war.

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Gustl Mollath - hier vor einem Untersuchungsausschuss vergangene Woche - glaubte eine halbe Stunde, er komme frei. Dann erst wurde entdeckt, dass das Entlassungsschreiben gar nicht echt ist.©

Ein gefälschter Gerichtsbeschluss hat am Montag beinahe zur Entlassung des seit sieben Jahren zwangsweise in der Psychiatrie untergebrachten Gustl Mollath geführt. Im Glauben an die Echtheit des Dokuments habe er Mollath am Morgen eröffnet, dass er sofort ein freier Mann sei, sagte der stellvertretende Leiter der Forensischen Klinik Bayreuth, Michael Zappe, und bestätigte damit eine Mitteilung von Mollaths Anwalt Gerhard Strate.

Die Panne wäre allerdings vermeidbar gewesen, denn es gab offenbar auch ein Versäumnis innerhalb der Psychiatrie: Nach Angaben der Justiz hatte der Nürnberger Generalstaatsanwalt Hasso Nerlich die Klinik bereits zwei Tage zuvor vor dem gefälschten Gerichtsbeschluss gewarnt. "Herr Nerlich hat der Klinik am Samstag um 9 Uhr mitgeteilt, dass mit einem gefälschten Fax zu rechnen ist", sagte ein Nürnberger Gerichtssprecher. Unklar war am Montag zunächst, warum Zappe über die Warnung der Justiz nicht informiert wurde.

"Der Untergebrachte ist unverzüglich zu entlassen"

Zappe berichtete, er habe den angeblichen "Beschluss" für authentisch gehalten. Da in dem Anschreiben die Eilbedürftigkeit betont worden sei, habe er sofort Mollath informiert. Dann seien ihm jedoch einige Passagen in dem Fax "ungewöhnlich" erschienen.

Daher habe er sich telefonisch beim Landgericht Regensburg rückversichert, sagte Zappe. "Dort hat man mir dann mitgeteilt, dass der Gerichtsbeschluss eine Fälschung ist." Er habe Mollath deshalb - eine halbe Stunde nach Ankündigung der Entlassung - leider mitteilen müssen, dass dieser vorerst weiter in der Klinik bleiben müsse.

Die Fälschung war bereits am Freitagabend mehreren Medien zugegangen - deshalb konnte die Klinik auch frühzeitig gewarnt werden. In dem angeblichen "Beschluss" des Landgerichts Regensburg heißt es: "Der Untergebrachte ist unverzüglich zu entlassen." Der Urheber der Fälschung ist bislang unbekannt. Ihm droht nach Angaben der Justiz eine mehrjährige Haftstrafe wegen Amtsanmaßung oder Urkundenfälschung.

Der heute 56-jährige Mollath war 2006 wegen vermuteter Gemeingefährlichkeit gegen seinen Willen in die Psychiatrie eingewiesen worden. Unter anderem soll er seine Frau schwer misshandelt haben. Mollath glaubt dagegen, er sei Opfer eines Komplotts seiner früheren Ehefrau und der Justiz, weil er Schwarzgeldgeschäfte in Millionenhöhe aufgedeckt habe.

Mollaths Anwalt erzürnt

Mollats Anwalt distanzierte sich unterdessen von der Aktion des unbekannten Fälschers. Er strebe die Freilassung und Rehabilitierung seines Mandanten mit rechtsstaatlichen Mitteln an, betonte Strate. Das gelte auch für Mollaths Unterstützerkreis.

"Die heute erfolgte Übersendung einer gefälschten Entlassungsanordnung an die Klinik in Bayreuth ist demgegenüber die kriminelle Aktion eines Agent Provocateur, für den die Freiheit Mollaths ein böser Scherz bedeutet. Die seelische Verfassung Mollaths scheint dieser Person völlig gleichgültig zu sein", heißt es in einer Erklärung des Verteidigers.

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