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25. Juni 2009, 13:51 Uhr

Elbtal ist kein Weltkulturerbe mehr

Premiere der negativen Art: Mit dem Dresdner Elbtal verliert erstmals ein Weltkulturerbe der Unesco seinen Titel. Der umstrittene Bau der Waldschlößchenbrücke zerstöre die Kulturlandschaft, urteilte das Welterbe-Komitee, dem Deutschland nicht angehört. Besonders strittig war die Entscheidung in Sevilla nicht.

Dresden, Weltkulturerbe, Unesco, Waldschlösschenbrücke

Blick auf Dresden und sein Elbtal: Bald kommt eine Brücke dazu, was die Unesco schandhaft findet© Norbert Millauer/DDP

Das Dresdner Elbtal verliert wegen des Baus der umstrittenen Waldschlößchenbrücke nach fünf Jahren seinen Welterbe-Titel. Das teilte die deutsche Unesco-Kommission am Donnerstag in Bonn mit. Aus ihrer Sicht wird die Brücke das Elbtal irreversibel zerschneiden und die Kulturlandschaft mit ihren Flussauen zerstören.

Die Entscheidung hatte das Unesco-Welterbekomitee nach längerer Beratung bei seiner Sitzung im spanischen Sevilla getroffen. Damit wird erstmals einer Kulturstätte das begehrte Gütesiegel der UN- Kulturorganisation aberkannt, nachdem mit dem Wildschutzgebiet der Arabrischen Oryx in Oman 2007 bereits ein Weltnaturerbe gestrichen wurde. Dem Welterbekomitee, das sowohl über Kultur- als auch über Naturerben entscheidet, gehören Vertreter aus 21 Ländern an, Deutschland ist derzeit nicht darunter. Die Entscheidung in Sevilla fiel mit 14 zu 5 Stimmen bei zwei ungültigen Stimmen.

Sie war ursprünglich für Mittwoch erwartet, aber aufgrund von Verzögerungen bei den Beratungen verschoben worden. Am Vormittag dann hatte Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) eine Minute Redezeit bekommen. Die von der Stadt angestrebte Vertagung des Votums bis nach Vollendung des Bauprojekts hatte das Gremium abgelehnt.

Deshalb hatte die UN-Kulturorganisation das Dresdner Elbtal schon 2006 auf die Rote Liste der gefährdeten Welterbe-Stätten gesetzt. 2007 und 2008 gab es Gnadenfristen, zuletzt forderte die Unesco klar einen Tunnel als Alternative. Der Bau der Brücke hatte Ende 2007 begonnen. 2011 soll die Flussquerung befahrbar sein. Eine Aberkennung hat es in der Unesco-Geschichte bislang erst einmal gegeben, jedoch für eine Naturstätte in Oman. Das Elbtal ist als Kulturlandschaft eingestuft und gehört damit zur Kategorie der Kulturstätten.

"Es ist mehr als bedauerlich, dass die Beteiligten außerstande waren, einen Kompromiss zu finden", teilte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) mit. Er riet aber gleichzeitig zu "Gelassenheit".

 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
chatahootchee (25.06.2009, 18:21 Uhr)
WAS SOLL'S,
Kulturerbe zu sein hilft auch nicht, den Verkehr am Laufen zu halten. Oder wuerden diese UN-Fritzen die Differenz zwischen Brueck und Tunnel bezahlen? Ich glaube einfach nicht, dass es fuer Touristen enorm wichtig ist, eine schoene Stadt oder ein Kulturerbe zu sehen.
langsam-reicht-es (25.06.2009, 18:02 Uhr)
DEUTSCHE
Politiker und andere Sesselfurzer machen sich doch seit Jahren nur noch zum Deppen-warum sollte da in Sachsen jemand intelligenter sein?
andras (25.06.2009, 17:57 Uhr)
Konsequenzen
Man ist vielleicht geneigt, diese Entscheidung der UNESCO nicht ganz ernst zu nehmen...und keine Frage, der deutsche Kegelclub aus einem Dorf an der Mosel wird seinen Jahresausflug auch nach wie vor in Dresden stattfinden lassen, Welterbetitel hin oder her...aber, und das sollte man dennoch nicht unterschätzen: International betrachtet gewinnt die Auszeichnung als UNESCO Welterbe von Jahr zu Jahr eine höhere Bedeutung, d.h. über kurz oder lang werden ausländische Touristen in Zukunft wohl noch eher als es eh schon der Fall war an den Rhein und weniger an die Elbe fahren. Ganz besonders lächerlich ist es aber, wenn jetzt ausgerechnet die Politiker die Bedeutung der Entscheidung herunterspielen, die sich jahrelang mit dem Titel des Welterbes geschmückt haben...Und peinlich ist diese Entscheidung für eine einstmals große Kulturnation ohnehin...
L.Gleichmann (25.06.2009, 17:40 Uhr)
Naja, Sachsen....
Erst zerstören(zerdemonstrieren) sie einen Staat und nun ihr Weltkulturerbe. Ist und bleibt das Tal der Ahnungslosen. Nun sollte man aufs Erdbeben warten wenn sich der August in der Kiste rumdreht.
prinzalbert (25.06.2009, 17:39 Uhr)
Positiv
Sehen wir das Ganze doch einmal positiv. Immerhin gibt es in Dresden doch einen ehemaligen Schutthaufen der für sage und schreibe 250 Millionen Euro (zum Glück nicht (nur) von Steuergeldern) als Frauenkirche wieder auferstanden ist. Für was brauchen diese Hampel noch ein Weltkulturerbe.
shine (25.06.2009, 17:35 Uhr)
Re: die Verantwortlichen scheren sich... nicht darum
Die Verantwortlichen werden eher die UN-Kommision angreifen, anstatt zuzugeben, daß es ihre Schuld war, warum der Titel entzogen wurde.
@Fridolin: die Kommision ist eine UN-Einrichtung, und die werden normalerweise nicht vom/zum Eurpoparlament gewählt.
tobix (25.06.2009, 17:33 Uhr)
@stern.de
Zum nochmal durchlesen des Artikels war keine Zeit, oder? Stichwort "Oman".
.
@friedolin: Sie können auch versuchen, die UNO zu wählen...
friedolin (25.06.2009, 17:31 Uhr)
Nachtrag
Ich reiche hiermit das "c" der letzten Überschrift nach.
friedolin (25.06.2009, 17:30 Uhr)
Brüke wird Touri Highlight. Jede Wette!
Ich mach jede Wette, dass die NEUE Brücke jede Menge Touristen anzieht.
PS: Letztens war doch Europawahl. Wie konnte man eigentlich die Mitglieder von dieser Weltkulturerbekommision wählen? Wie? Die kann man gar nicht wählen? Sind wir den keine Demokratie?
MRP66 (25.06.2009, 17:25 Uhr)
Richtig!
Wer nicht hören kann, muss mit den Konsequenzen rechnen. Aber so wie es ausgesehen hat, scheren sich die Verantwortlichen sowieso nicht darum.
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